Lieber wischen als rumhängen

Gachnang beherbergt derzeit sieben Asylbewerber aus Eritrea. Einmal wöchentlich ist die Gruppe in der Gemeinde unterwegs, um zu jäten oder zu wischen. Dank Beschäftigung lernen die Eritreer die hiesigen Verhältnisse rascher kennen.

Stefan Hilzinger
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Eritreische Asylbewerber wischen den Parkplatz beim früheren Restaurant Sonne in Gachnang. (Bild: Stefan Hilzinger)

Eritreische Asylbewerber wischen den Parkplatz beim früheren Restaurant Sonne in Gachnang. (Bild: Stefan Hilzinger)

GACHNANG. Die Frau und die sechs Männer fallen hierzulande sofort auf. Da ist erstens die leuchtend-orangefarbene Weste und zweitens die dunkle Haut. Sieben Asylbewerber aus Eritrea wohnen derzeit in der Gemeinde Gachnang. Die sieben sind seit einigen Monaten immer wieder auf dem Gemeindegebiet unterwegs, um aufzuräumen, zu wischen oder zu jäten.

Mit Leuchtwesten, Besen, Schaufeln und Kehrichtsäcken ausgerüstet, machen sie sich zum Beispiel auf dem Parkplatz beim früheren Restaurant Sonne in Gachnang ans Werk. Sie säubern die Rabatten von weggeworfenen PET-Flaschen und nehmen das Laub zusammen, welches die Parkbäume bereits verloren haben. Mit dabei ist auch Lisa Wenzel. «Wir sind einmal wöchentlich von sieben Uhr früh bis vier Uhr nachmittags am Werk», sagt Wenzel, die im Auftrag der Gemeinde nicht nur das Beschäftigungsprogramm begleitet, sondern die Eritreer auch in Deutsch unterrichtet. Konsequenterweise spricht sie mit der Gruppe deutsch und sagt: «Zwischendurch frage ich auch Vokabeln ab.»

Drei Franken pro Stunde

Für Gemeindepräsident Matthias Müller ist des Beschäftigungsprogramm ein guter Ansatz, um die Integration der sieben Asylbewerber in der Gemeinde zu verbessern. «Wir bezahlen den Asylbewerbern elf Franken Taggeld aus», sagt Müller. Es könnten auch 15 Franken sein, wofür der Gemeindepräsident schon Kritik einstecken musste. «Die Gemeinde legt lieber etwas auf die Seite für allfällige Anschaffungen für Asylbewerber», sagt Müller und denkt da etwa an ein Velo, eine Winterjacke oder an ein paar Schuhe.

Dank des wöchentlichen gemeinnützigen Einsatzes können sich die Eritreer pro Stunde weitere drei Franken dazu verdienen. «Der Einsatz ist aber prinzipiell freiwillig», sagt Müller weiter. «Wichtig ist für uns einfach, dass sich die Leute an die Spielregeln halten, dass sie beispielsweise keine Medikamente kaufen, die nicht vom Arzt verordnet worden sind.» Andernfalls könne das Taggeld reduziert werden. «Das kann im übrigen auch bei Bezügern von Sozialhilfe passieren.» Dann gibt es unter Umständen nur noch acht Franken am Tag.

Lauben und Schnee schaufeln

Der Gemeindearbeiter weist der Gruppe jeweils die Arbeiten zu. «Im Herbst dürfte es mit dem Laubfall etwas mehr werden. Im Winter kann es dann sein, dass sie da oder dort Schnee schaufeln.» Die Arbeit werde von der Bevölkerung gern gesehen, sagen Müller und Wenzel. «Wir haben auch schon kleine Geschenke herhalten, Schokolade zum Beispiel», sagt Wenzel.

Als die Gruppe aber beim Schulhaus Islikon den Spielplatz putzte, hat jemand bei der Gemeinde reklamiert, weil einer der sieben sich auf die Schaukel gesetzt habe. «Das war die einzige Reklamation bisher», sagt Gemeindepräsident Müller. «Ich habe dem dann gesagt, dass er sich bei drei Franken Stundenlohn vielleicht auch lieber auf die Schaukel gesetzt hätte.»

An Arbeit für die Asylbewerber-Gruppe mangle es nicht, versichert Müller. David, einer der sieben, erklärt in knappem Englisch, dass er die Arbeit hier gerne mache und dass er gern in Gachnang sei. In Eritrea hat sich der junge Mann als Mechaniker und Coiffeur durchgeschlagen. Ob er wieder zurück in seine Heimat wolle? «No way, dort leben wir wie Sklaven.»