Licht ins Dunkel der Wärme Frauenfeld AG

Frauenfeld Die Wärme Frauenfeld AG (WFAG) bietet Wärmeversorgungslösungen an, welche die Abwärme der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Frauenfeld für den Betrieb von Wärmepumpen nutzt.

Samuel Koch
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Baubeginn: Stadtammann Carlo Parolari, Stadtrat Ruedi Huber, Jürg Seemann von den Werkbetrieben Frauenfeld und Stefan Treudler, Leiter Contracting bei den Stadtwerken Winterthur. Bild: Stefan Hilzinger (Frauenfeld, 25. Juni 2013)

Baubeginn: Stadtammann Carlo Parolari, Stadtrat Ruedi Huber, Jürg Seemann von den Werkbetrieben Frauenfeld und Stefan Treudler, Leiter Contracting bei den Stadtwerken Winterthur. Bild: Stefan Hilzinger (Frauenfeld, 25. Juni 2013)

Frauenfeld Die Wärme Frauenfeld AG (WFAG) bietet Wärmeversorgungslösungen an, welche die Abwärme der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Frauenfeld für den Betrieb von Wärmepumpen nutzt. Am Aktienkapital von 625 000 Franken der privatrechtlichen WFAG sind die städtischen Werkbetriebe Frauenfeld (48 Prozent), die Stadtwerke Winterthur (32 Prozent) sowie der Abwasserverband der Region Frauenfeld beteiligt. Eine Übersicht über die Entwicklungen rund um die WFAG:

Januar/Juni 2012: Stadt und Kanton erklären nach einer Machbarkeitsstudie ihre Absicht, alle geeigneten Liegenschaften an den Fernwärmering anzuschliessen, um den wirtschaftlichen Erfolg des Wärmerings zu garantieren.

Juni 2012: Der Stadtrat beschliesst seine Beteiligung in Eigenregie. Diese wird dem Verwaltungsvermögen der Werkbetriebe zu Lasten gelegt. Der Verwaltungsrat besteht damals unter anderem aus alt Stadtammann Carlo Parolari.

Juli 2012: Gründung der WFAG mit dem Ziel, Dritte über ein Verteilnetz und Contracting-Verträgen mit Abwärme zu beliefern. Jürg Seemann leitet die WFAG, während Urs Manser später Parolari als Verwaltungsratspräsidenten beerbt.

Oktober 2013: Die Kosten der ersten Wärmering-Bauetappe betragen rund 14,5 Mio. Franken. Damit sollen rund 3500 Wohneinheiten mit Wärme versorgt werden. Ende Jahr 2013 betragen die Ausstände der Werkbetriebe gegenüber der WFAG 2,1 Mio. Fr.

Januar 2014: Langfristige Verträge mit dem Kanton zur Versorgung etwa des Regierungsgebäudes oder der Kantonsschule werden unterzeichnet.

August 2014: Gemeinderäte Stefan Geiges (CVP) und Peter Hausammann (CH) reichen eine Motion «Bericht zur WFAG» ein. 28 weitere Gemeinderäte unterzeichnen. Dem Stadtrat wird vorgeworfen, seine Kompetenzen ohne Mitsprache von Gemeinderat und Volk überschritten zu haben, weil die Investitionen auf deutlich mehr als auf die 300 000 Fr. Aktienkapital hinausgelaufen seien. Der Ruf nach einer Regelung zur Aufgabenübertragung an Dritte wird laut.

Dezember 2014: Die Ausstände betragen rund 1,7 Mio. Fr. Stadtrat Ruedi Huber übernimmt die Verantwortung der Werkbetriebe von Carlo Parolari.

2015: Der Gemeinderat berät unter anderem die Motion Geiges/Hausammann mit teils hitzigen Diskussionen.

November 2015: Ruedi Huber präsentiert eine Lösung, wie die WFAG gerettet werden kann. So sollen die Werkbetriebe die WFAG für 5 Mio. Fr. übernehmen.

Januar 2016: Geiges und Hausammann reichen eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Geldflüsse Stadt/WFAG» ein.

März 2016: Die Debitorenausstände der WFAG liegen bei 1,75 Mio. Fr. Am 16. März spricht sich der Gemeinderat für die Rettung der in Schieflage geratenen WFAG von 5 Mio. Fr. aus. In Winterthur – die Eulachstadt soll sich mit 1,4 Mio. Fr. an der Sanierung beteiligen – kommt Stadtrat Ruedi Gfeller wegen Zurückhaltung von Informationen vor einer Abstimmung über 70 Mio. Fr. unter Beschuss. Mittlerweile sitzt der Grüne noch im Stadtrat, ist aber von seinem Werkeamt enthoben.

Mai 2016: Der Frauenfelder Stadtrat lässt die Angelegenheit extern untersuchen. Die Resultate werden Anfang Oktober erwartet. Deshalb wurde die Volksabstimmung über die Wärmering-Rettung von Anfang Juni verschoben – wohl bis im Herbst. Zudem hat ein juristisches Gutachten ergeben, dass die Werkbetriebe die WFAG nicht mit Gebührengeldern sanieren dürfen.

Juli 2016: Der Stadtrat schlägt dem Gemeinderat eine Stundung der Ausstände von 1,78 Mio. Fr. vor. Der Vorschlag wird gutgeheissen, womit die Ausstände bis Juli 2017 aufgeschoben sind. Zudem wird eine externe Untersuchung der «Wärmering-Affäre» in Winterthur abgewartet.