Levin tobt sich auf der Tastatur aus

Levin Beerli erfindet gerne Geschichten. Vor kurzem zählte er zu den Gewinnern des Wettbewerbs «Schreibzeit Schweiz». Nun arbeitet der 18jährige Frauenfelder an seinem Roman «Die Zeitinsel», der gleichzeitig seine Maturaarbeit ist.

Viola Stäheli
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Kantischüler Levin Beerli schreibt am Laptop an seinem Roman «Die Zeitinsel». Die Maturarbeit muss im Oktober fertig sein. (Bild: Donato Caspari)

Kantischüler Levin Beerli schreibt am Laptop an seinem Roman «Die Zeitinsel». Die Maturarbeit muss im Oktober fertig sein. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. «Ihre Augen glänzten. Er sah, wie sie sie aufgeregt auf- und zuschlug und sie in seinen eigenen forschte, immer abwechselnd das eine, dann das andere Auge. Das bezaubernde und glückliche Lächeln löste eine tiefe Zufriedenheit bei ihm aus. Er schien alles um sich herum zu vergessen, jedes Detail wurde ihm unwichtig.»

Mit diesen Worten beginnt der erste Roman von Levin Beerli. «Langsam ist das Ende absehbar», sagt der Frauenfelder Kantischüler. Seit Dezember arbeitet er daran, bis im Oktober hat er noch Zeit. Danach muss die fertige Maturaarbeit eingereicht werden. «Ich hätte mir keine bessere Abschlussarbeit vorstellen können», sagt Beerli verschmitzt. Der 18-Jährige besucht das letzte Jahr in der gymnasialen Maturitätsschule in Frauenfeld.

Lieber Deutsch als Mathe

Levin Beerli hat das Schreiben früh schätzen gelernt. Bereits in der Primarschule ist er dem Lehrer mit seinen ersten Texten aufgefallen. In der Sekundarschule war dann aber Mathematik Beerlis Lieblingsfach. «Seit ich in der Kantonsschule bin, gehe ich aber wieder lieber ins Deutsch», sagt er. Vor allem kreative Texte haben es ihm angetan. Dort könne er sich austoben und seiner Phantasie freien Lauf lassen. «Recherchearbeiten hingegen mag ich überhaupt nicht.»

Auf den letzten Drücker

In diesem Jahr hat Beerli am Wettbewerb von «Schreibzeit Schweiz» (siehe Kasten) teilgenommen – und es unter die Gewinner geschafft. «Ich habe mich bereits im vergangenen Jahr versucht, allerdings habe ich nichts Nennenswertes gewonnen», erklärt Beerli.

Seine Kurzgeschichte «Der letzte Fall» handelt von einer Verfolgungsjagd, die die Jury vor allem durch eine ungewöhnliche und nahe Erzählweise überzeugt hat. «Ich habe den Text in anderthalb Stunden geschrieben, nachdem ich mit Schreck festgestellt habe, dass der Abgabetermin bereits an jenem Abend war», sagt der Frauenfelder mit einem Lachen.

Einfach mal drauflos schreiben

An Ideen mangelt es Beerli nicht. Als er mit dem Roman begonnen hat, hätte er Ideen für zehn Bücher gehabt. «Ich setze mich einfach an meinen Laptop und schreibe drauflos», sagt er. Er habe meist schon eine ungefähre Vorstellung der Handlungen, doch die Texte würden sich während des Schreibens verselbständigen. «Deshalb weiss ich nie, was am Schluss dann wirklich alles passiert», sagt er. So sei jede Geschichte nicht nur für den Leser, sondern auch für ihn eine Überraschung. Bei seinen Texten versucht Beerli Standardformulierungen und Floskeln zu vermeiden. «Das Ergebnis davon sind teilweise ungewöhnliche Formulierungen, die mir aber gefallen», sagt er. Der Leser stolpert darüber und wird so zum Nachdenken angeregt.

Weitere Ideen aufgeschrieben

Das Schreiben wird für Levin Beerli auch künftig ein Hobby bleiben. «Ich bin froh, wenn ich den Maturitätsausweis habe, und dann möchte ich erstmals nicht mehr zur Schule gehen», sagt er. So kann er sich vorstellen, Fluglotse zu werden. Ein Studium hingegen will er vorerst nicht in Angriff nehmen. Es sei aber durchaus möglich, dass er später einen weiteren Roman schreibt. «Die Ideen habe ich alle aufgeschrieben, und reicht die Zeit, werde ich sie auf jeden Fall hervorholen.»