Letzter Markenautomat entfernt

Im Thurgau gibt es seit gestern keinen Briefmarkenautomaten mehr. Die Post liess in Frauenfeld den letzten abmontieren. Das sei ein weiterer Abbau des Service public der Post, kritisiert der Kanton.

Christof Widmer
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Nicht mehr zeitgemäss: Der Frauenfelder Briefmarkenautomat (Bild vom Dienstag) wurde demontiert. (Bild: Reto Martin)

Nicht mehr zeitgemäss: Der Frauenfelder Briefmarkenautomat (Bild vom Dienstag) wurde demontiert. (Bild: Reto Martin)

FRauenfeld. Eine Ära ist zu Ende. Wer gestern Mittag neben dem Eingang zur Frauenfelder Hauptpost den Briefmarkenautomaten suchte, fand statt Münzschlitz, währschafter Tastatur und Drehknopf nur noch eine gelbe Metallplatte. Die Post hat den Automaten gestern abmontieren lassen. Er war der letzte überhaupt im Thurgau, wie Erich Schmid, Leiter Kommunikation Ost der Post, bestätigt.

Nicht nur im Thurgau verschwinden die Automaten. Die Post hat Ende Jahr beschlossen, alle damals noch 700 Briefmarkenautomaten in der Schweiz bis Mitte Mai zu entfernen. Der Grund: Es gibt keine Ersatzteile, kein Papier für die Wertzeichen und keine Farbbänder mehr.

Ersatz für Post zu teuer

Die 30jährigen Modelle durch moderne zu ersetzen, kam für die Post nicht in Frage. «In ganz Europa sind keine Briefmarkenautomaten mehr auf dem Markt», sagt Schmid. Ein neues Modell für die Schweiz zu entwickeln sei zu teuer angesichts der kleinen Beträge für Briefmarken. Schon bisher sei ein Drittel des Umsatzes für den Unterhalt der Automaten aufgewendet worden.

Ganze elf Automaten gab es im Thurgau noch Ende Jahr. Die meisten von ihnen wurden bereits im Januar abmontiert. Jene, die am meisten benützt wurden, durften länger stehen bleiben.

Negative Reaktionen auf die Demontage der Automaten habe es kaum gegeben, sagt Schmid. Schliesslich gebe es Alternativen (siehe Kasten).

Der Kanton bedauert aber den Entscheid der Post. «Das ist ein weiterer Abbau des Service public», sagt Werner Müller, Leiter der auch für die Postversorgung zuständigen kantonalen Abteilung für öffentlichen Verkehr und Tourismus. Er verweist auf die Poststellenschliessungen.

«Bitterer Beigeschmack»

Die Demontage der Briefmarkenautomaten treffe vor allem ältere Leute, die keinen Internetzugang haben, sagt Roland Kuttruff, Präsident des Verbands Thurgauer Gemeinden. Aber im E-Mail-Zeitalter sei das Ende der Automaten vorhersehbar gewesen. «Sie werden wohl tatsächlich weniger genutzt», sagt Kuttruff. Dennoch habe der Abbau einen bitteren Beigeschmack, wenn die Post das beste Jahresergebnis aller Zeiten vermeldete.

Nüchtern sieht es der Frauenfelder Stadtammann Carlo Parolari: «Wenn diese Automaten ein Bedürfnis wären, würden sie kaum schweizweit abmontiert.» Auch die Post müsse marktwirtschaftlich handeln.

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