Letzte Runde in der «Freihof»-Ära

HÖRHAUSEN. Wo man 150 Jahre lang einkehren konnte, entsteht schon bald ein Pferdehof mit Einfamilienhaus. Besitzerin Elisabeth Herzog Engelmann hat das Restaurant Freihof am Dorfrand von Hörhausen vorgestern verkauft.

Mathias Frei
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Elisabeth Herzog Engelmann vor dem «Freihof», den sie verkauft hat. (Bild: Nana do Carmo)

Elisabeth Herzog Engelmann vor dem «Freihof», den sie verkauft hat. (Bild: Nana do Carmo)

Der «Freihof»-Schriftzug an der einen Hausfassade ist noch geblieben. Doch die Landbeiz wird nie mehr sein. Auch Hausbesitzerin Elisabeth Herzog Engelmann hat abgeschlossen mit dem Ort, wo sie aufgewachsen ist.

Vorgestern ging der Verkauf der Liegenschaft über die Bühne. Das Restaurantgebäude, die vier Ökonomiegebäude, worin bis 1985 Landwirtschaft betrieben wurde, und der ganze Umschwung gehören nun einer Frau, die aus dem Oberthurgau auf den Seerücken nach Hörhausen zügelt. Was jetzt schon klar ist: Auf dem Gelände sollen schon in Kürze die Arbeiten für eine Pferdehalle und ein Einfamilienhaus starten. Ob das Restaurantgebäude abgebrochen wird, ist noch unklar.

Familienbesitz seit 1850

«Ein Stück Familiengeschichte geht verloren. Es ist für alle nicht einfach», sagt Elisabeth Herzog Engelmann. Sie ist eine geborene Kolb. Ihr Urgrossvater Josef Kolb hatte den «Freihof» um 1850 erstanden, damals ein Landwirtschaftsbetrieb. Und das Restaurant bestand auch schon. Mit ihren zwei Geschwistern ist sie hier aufgewachsen. «Das Haus hat insgesamt vier Kolb-Generationen beherbergt.» Herzog Engelmann war beruflich nie in der Gastronomie tätig. Aber sie hätte sich gefreut, wenn es mit dem «Freihof» als Beiz weitergegangen wäre.

In ihren 25 Jahren als Besitzerin waren fünf Pächter auf dem Betrieb. Andere Beizen erleben heute im Zwei-Jahres-Rhythmus Pächterwechsel. «Einer war sogar neun Jahre auf dem <Freihof>, das ist gut», sagt sie. Zuletzt hatten Markus Graf und Edith Signer hier gewirtet. Im Frühling 2010 hatten sie übernommen und wollten mit Cordons bleus auftrumpfen. Restauranttester Daniel Bumann vom Schweizer Privat-Fernsehsender 3+ verhalf dem «Freihof» mit Tips und Tricks zwar zu neuem Schwung, das Wirtepaar hörte trotzdem im Frühling 2013 wieder auf.

Später bekundete zwar wieder ein möglicher Pächter Interesse. Aber Elisabeth Herzog Engelmann wurde es einfach zu viel. «Restaurants haben heute mit vielen Auflagen und hohen Gebühren zu kämpfen», sagt sie und bedauert diese Entwicklung. In letzter Konsequenz blieb für sie einzig und allein der Verkauf. Vergangenen Sommer hat sie dafür erste Schritte in die Wege geleitet.

Waschzuber geht nach Luzern

Derzeit wird das Scheunendach von Ziegeln befreit. Im Restaurantraum stehen noch einige Tische. Viel Mobiliar und landwirtschaftliche Gerätschaften konnte Herzog Engelmann an Freunde und Bekannte weitergeben. Es ist ihr Trost, dass am Ende wohl nur wenig entsorgt werden muss. Die Buchenholz-Bank aus dem Gastraum etwa findet in einem Café im südbadischen Weil am Rhein Verwendung. Die Rucksackspritze ist zu einem jungen Appenzeller Landwirt gegangen. Eine Luzerner Familie macht aus dem grossen Waschzuber einen Hot-Tub. Die Chromstahlkombination steht in einem Imbiss-Betrieb in Winterthur. Den Einmann-Pflug hat auch einer abgeholt.

Es sind noch Süssmostflaschen, landwirtschaftliche Werkzeuge und andere Kleinartikel vorhanden. Bis Sonntag können sie kostenlos vor Ort abgeholt werden.