LERNEN: Rezepte gegen den Stress

An der 15. Auflage des Thurgauer Lehrlingstags in Weinfelden erhalten die jungen Berufsleute ein Rezeptbuch, wie sie mit Stress umgehen können und wie sich effizientes Lernen organisieren lässt.

Sebastian Keller
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Lerncoach Urs Wolf zeigt den Thurgauer Lehrlingen, wie sie durch konzentriertes Lernen zu mehr Freizeit kommen. (Bild: Donato Caspari)

Lerncoach Urs Wolf zeigt den Thurgauer Lehrlingen, wie sie durch konzentriertes Lernen zu mehr Freizeit kommen. (Bild: Donato Caspari)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

«Was ist das Gegenteil von Stress?», fragt Evi Giannakopoulus die 500 Lehrlinge und Lehrlingsbetreuer im Saal des «Thurgauerhofs». Die Antwort liefert die Stressexpertin gleich selber: «Lebensfreude!» Und auf dieses Ziel arbeitet sie mit ihrer Stress-away-Methode hin. Sie zeigt auf, dass man sich viele Probleme selber macht – und zwar im Kopf. «Das Gehirn kennt keinen Unterschied zwischen Vorstellung und Realität», sagt sie. Wenn man also ob einer bevorstehenden Prüfung ständig grübelt und sich vor Augen führt, was alles schief gehen könnte, nimmt das Negative überhand. «Deshalb stellen wir uns besser vor, was wir erreichen wollen.»

Sich selber im Spiegel anlächeln

Als «wunderbares Mittel» bezeichnet Giannakopoulus das Lachen. «Nur schon ein Lächeln, auch wenn es künstlich ist, wirkt.» Sie gibt den Anwesenden in Saal den Tipp: «Lächelt euch selber an – auch im Spiegel.» Damit würde dem Stammhirn suggeriert, dass man fröhlich sei. Diesen und insgesamt 20 Tipps bekommen die Lehrlinge in einer Broschüre – eine Art Rezeptbuch für den täglichen Gebrauch.

Mit konkreten Tipps fürs Lernen wartet der Lerncoach Urs Wolf auf. Zu Beginn seines Referats gibt er den Lehrlingen ein verheissungsvolles Versprechen ab: Mehr Freizeit und bessere Noten. Hilfreich sei es, mit Esels- brücken zu lernen, mit Geschichten. Dies illustriert er mit einer Geschichte, in der ein Maurer und ein Schneider im Sommer wandern gehen, auch ein Cassis-Sirup spielt eine Rolle. Der Lerneffekt ist, dass jeder am Schluss alle sieben Bundesräte kennt. Wolf empfiehlt den Lehrlingen, ihren Arbeitsplatz als «Oase der Konzentration» einzurichten. Das heisst auch: Schreibtisch aufräumen, das Handy ausschalten. Mit einem Film zeigt der Lerncoach, wie ein Jugendlicher zu viel «Ramschzeit» vergeudet, weil er sich während des Lernens durch vielerlei Störfaktoren ablenken lässt. Wolf plädiert für mehr konzentrierte Lernzeit und für Pausen und Belohnungen. Doch auch die Lerntechnik sei entscheidend. So habe sich gezeigt, dass nur Lesen des Stoffes nicht so wirksam sei wie «clevere Zusammenfassungen». «Zusammenfassungen haben den Vorteil, dass wir schneller merken, was wir nicht wissen», sagt Urs Wolf. Empfehlenswert sei, den Lernstoff über mehrere Tage zu verteilen.

Wenn eine ganze Firma die Schulbank drücken muss

Peter Wojahn hat Rezepte aus der Arbeitswelt im Gepäck. Er ist Kadermitarbeiter der Swiss. So gelte es in jeder Branche – ebenso in der Fliegerei –, das Wissen ständig zu erneuern. «Bei uns musste die ganze Firma die Schulbank drücken, als wir die Boeing 777 in Betrieb genommen haben», sagt Wojahn. Das habe einige Mitarbeiter zwar an die Grenzen gebracht, Stress sei ein Thema gewesen. In solchen Situationen empfiehlt er: «Stress ansprechen und um Hilfe bitten». Wichtig sei auch, in der Arbeitswelt wie in der Schule: «Darauf fokussieren, was man machen will.» Als Ausgleich rät Peter Wojahn allen, regelmässig Sport zu treiben. «Das ist gut, um den Kopf frei zu kriegen und Spass zu haben.» Aus dem Bereich Sport kommt auch der letzte Referent: Ralph Näf, Mountainbike-Weltmeister 2012 und heute Teammanager. Eines seiner Rezepte ist die Freude. «Damit geht vieles einfacher.» In einem Video wird eine eindrückliche Siegesfahrt von Näf gezeigt, zu der er als Letzter gestartet ist und am Schluss zuoberst auf dem Podest stand. «An diesem Tag wusste ich: ich werde gewinnen», erzählt Näf und zeigt, was mit positivem Denken alles erreicht werden kann.