Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

LEITARTIKEL: Der Tourismus verdient Unterstützung

Sobald es um Tourismus geht, heisst es im Thurgau schnell einmal: Brauchen wir nicht. David Angst, Chefredaktor der Thurgauer Zeitung, bedauert diese Haltung. «Der Thurgau hat Potenzial, und das nicht nur am See», schreibt er in seinem Leitartikel.
David Angst
Bijou am See: Die neue Schiffsanlegestelle mit Restaurant am Romanshorner Hafen. (Bild: Reto Martin)

Bijou am See: Die neue Schiffsanlegestelle mit Restaurant am Romanshorner Hafen. (Bild: Reto Martin)

Kürzlich stellten die Stadt Kreuzlingen und der Kanton ihre Pläne für ein Reka-Dorf in Kreuzlingen vor. An einer Veranstaltung gab es auch kritische Stimmen. Dieses Dorf bringe Kreuzlingen gar nichts, sagte jemand, da die Gäste ohnehin nur nach Konstanz zum Einkaufen gingen. Eine andere Person befürchtete, der Verkehr werde zunehmen. Um nicht missverstanden zu werden: Es ist das gute Recht der Einwohner von Kreuzlingen, eine geplante Anlage zu kritisieren. Es wäre aber schön, wenn das Wohlwollen dafür grösser wäre. Denn touristische Projekte im Thurgau haben jede Unterstützung nötig.

Sobald es um Tourismus geht, heisst es im Thurgau nämlich schnell einmal: Brauchen wir nicht. Das hat historischen Hintergrund. Ganz im Gegensatz zu anderen Regionen in der Schweiz hat der Tourismus in der Ostschweiz nie eine besondere Rolle gespielt. Ausnahmen sind Appenzell Innerrhoden und das Toggenburg. In anderen Gebieten waren Textilindustrie und Landwirtschaft stets wichtiger.

In den letzten Jahren sind in der Schweiz 17 neue Naturparks entstanden – kein einziger von ihnen in der Ostschweiz. Das obere rechte Viertel auf der Schweizer Karte ist leer. Projekte im Toggenburg und auf dem Seerücken scheiterten. Ein drittes Projekt für den Hinterthurgau und das Tösstal ist erst in Entwicklung. Im Toggenburg waren die Bergbahnbetreiber dagegen, im Thurgau die Landwirte, die sich vor einengenden Vorschriften fürchteten

Diese Bedenken sind einerseits verständlich, sie zeigen andererseits die fehlende Bereitschaft, für den Tourismus Opfer zu bringen. Manche Leute sehen in Touristen nicht Kunden, sondern Fremde, die in ihrer Freizeit unsere Radwege benutzen. Der Begriff «Fremdenverkehr» hat im Thurgau einen anderen Klang als im Berner Oberland. Und unter «Gastgewerbe» versteht man hierzulande vor allem Lokale, wo die einheimische Bevölkerung einkehren kann.

Daran kann man sicher noch arbeiten. Denn der Thurgau hat Potenzial, und das nicht nur am See. Es gibt im Thurgau noch Gegenden, die von der Zersiedelung bisher einigermassen verschont geblieben sind: Das Hörnli-Gebiet, der Seerücken und die Gebiete links und rechts der «Wirtschaftsader» Frauenfeld–Arbon. Dieser Raum verdient Schutz, und er wird ihn erhalten. Dafür sorgt das übergeordnete Raumplanungsgesetz. Die Kantone haben bis 2019 Zeit, ihre Richtplanung anzupassen. Der Widerstand im Thurgau hat sich bereits formiert – was wenig überrascht. Gemeinden fürchten um ihre Autonomie, das Gewerbe sieht sich in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt.

Natürlich muss der Kanton bei der Umsetzung der eidgenössischen Raumplanung mit Augenmass vorgehen und wo möglich auf die lokalen Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Es kann aber niemand erwarten, dass Raumplanung ohne Einschränkung der individuellen Freiheiten möglich ist.

Nun ist der Zweck der Raumplanung nicht primär die Förderung des Tourismus, sondern ganz allgemein der sorgsame Umgang mit der Landschaft. Trotzdem ist zu hoffen, dass von einer intakten Natur der Tourismus mehr profitieren wird – und damit auch das Gewerbe und die Landwirtschaft. Eine Expo 2027 wollte die Thurgauer Bevölkerung nicht. Eine solche hätte der Region möglicherweise gut getan. Es geht auch ohne sie. Aber es geht nicht ohne ein gewisses Bekenntnis des Gewerbes und der gesamten Bevölkerung zum Tourismus.

In Romanshorn wird die Stimmbevölkerung im September über einen Landverkauf für ein Hotelprojekt abstimmen. Das wird eine nächste Gelegenheit für einen Teil der Thurgauer Bevölkerung sein, ein Bekenntnis für den Tourismus abzulegen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.