LEIDENSCHAFT: Vögel, Fische, Fliegenpilze und ein Dackel

Mehr als 400 Schmuckstücke zieren derzeit, aufgehängt an einem stattlichen Weihnachtsbaum, das Wohnzimmer von Mark Kamber aus Amriswil.

Viola Stäheli
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Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

«Der Weihnachtsbaum erstrahlt regelrecht, wenn die Sonne hinein scheint oder die Kerzen angezündet sind», sagt Mark Kamber. Zufrieden steht er vor der sorgfältig geschmückten Tanne in seiner gemütlichen Stube. Seit mehr als 60 Jahren ist er in der Familie für den Weihnachtsbaum zuständig. Nach und nach hat er diese Aufgabe perfektioniert: Er ist Besitzer von unzähligem Weihnachtsschmuck. Mit der Schmucksammlung wuchs die Grösse des Weihnachtsbaumes. Die goldene Spitze hatte deshalb einige kleinere Vorläufer. «Im Keller steht eine ganze Generation», sagt die Ehefrau Regula Kamber lachend.

Die ersten Schmuckstücke erhielt Kamber von seiner Mutter und Grossmutter. Nach und nach kamen weitere Stücke hinzu. Ein Teil waren Geschenke, unter anderem eine kleine Gans, die eine Freundin des Ehepaars von ihrer Urgrossmutter geerbt hat. «Früher war der Weihnachtsschmuck bescheiden», erklärt der leidenschaftliche Sammler. Sein ältester Schmuck ist deshalb klein und unauffällig. Meistens fanden früher Äpfel, Nüsse oder Lebkuchen an den Baum, nach und nach kamen silberne Tannzapfen oder goldene Nüsse hinzu.

Der Teufel darf am Baum nicht fehlen

Zu jeder seiner Kugeln kann der Pensionär eine Geschichte erzählen. Da sind zum Beispiel die Pfauen, die einen wahren Blickfang darstellen. Oder die Fische, die für den ehemals aktiven Taucher am Baum nicht fehlen dürfen. Ganz in der Mitte hängt aber eine Besonderheit: ein kleiner Teufelskopf. «Wie soll man sich am Guten erfreuen, wenn es das Schlechte nicht gibt?», sagt Kamber. Aus diesem Grund ziert der Teufel jedes Jahr den Weihnachtsbaum des Ehepaares.

Am Baum von Kamber hängt aber nicht nur Schmuck mit einer solchen tiefen Bedeutung. So ist auch ein Dackel vertreten, schräg vor ihm hängt ein Glasknochen. «Wir hatten immer Dackel», sagt Regula Kamber. Auch die Haustiere haben am Weihnachtsbaum ihren Platz. Bei aller Vielfalt ist Kamber vor allem eines wichtig: An seinen Baum kommt nur Glasware. Die meiste stammt aus der Stätte der Glasbläserei, dem Thüringer Wald.

Weiter unten am Baum sind drei Kugeln, die eine besondere Geschichte erzählen. Kurz vor dem Kriegsausbruch waren die Kambers in Syrien. Als Andenken haben sie die drei Kugeln mit nach Amriswil gebracht. So hängt jedes Jahr ein Stück Hoffnung am Baum, dass auch die Leute im fernen Land irgendwann wieder Frieden finden werden.