Lehrplan 16: Die Schule in Zeiten des Weltkriegs

Die Referenten an der nächsten Montag in Romanshorn stattfindenden Schulsynode, Dr. Th. von Greherz und Sekundarlehrer Ribi, haben zum Thema «Welche besonderen Aufgaben erwachsen unserer Schule aus dem Weltkrieg?» folgende Leitsätze aufgestellt:

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Die Referenten an der nächsten Montag in Romanshorn stattfindenden Schulsynode, Dr. Th. von Greherz und Sekundarlehrer Ribi, haben zum Thema «Welche besonderen Aufgaben erwachsen unserer Schule aus dem Weltkrieg?» folgende Leitsätze aufgestellt:

1. Die gelegentliche Behandlung der Zeitereignisse im Unterricht verschiedener Fächer ist zu empfehlen, namentlich wenn der Stoff eine methodische Bearbeitung erfährt und sich dem Gang des Unterrichts organisch und fruchtbar einfügt.

2. Beim Unterricht in der allgemeinen und in der Schweizergeschichte ist mehr Gewicht auf die kulturelle Entwicklung als auf Einzelheiten der Kriegsgeschichte zu legen. Das geschichtliche Verständnis ist am leichtesten auf Grund der Ortsgeschichte zu wecken. Namentlich aber ist eine stärkere Berücksichtigung der neuesten Zeit für die allgemeine und Schweizergeschichte dringend erforderlich.

3. Eine eingehende Belehrung über die staatlichen Verhältnisse der Schweiz (staatsbürgerlicher Unterricht) ist für jeden Schweizer Bürger vor seinem Eintritt in den Militärdienst und ins stimmfähige Alter unentbehrlich. Die Wiedereinführung der Rekrutenprüfung über Kenntnisse in Vaterlandskunde, welche am Anfang des Krieges eingestellt wurde, ist im Interesse der Jungmannschaft, die den Militärdienst zu leisten hat, dringend zu wünschen.

4. Die vaterländische Erziehung, auf welche die Schule hinzuwirken hat, soll nicht im Sinne eines beschränkten, militärisch gefärbten Patriotismus geschehen, sondern sie soll das Verständnis für die kulturelle und politische Eigenart der Schweiz wecken und zur freudigen Mitarbeit an deren Aufgabe anleiten.

5. In Geographie ist auf allen Stufen mehr Zeit auf die Behandlung wirtschaftlicher Fragen zu verwenden. Die Schweiz muss sowohl in der europäischen als auch in der aussereuropäischen Erdkunde den Mittelpunkt bilden, zu dem die Wirtschaftsgebiete der Erde immer und immer wieder in Beziehung zu bringen sind.

6. Dem Turnunterricht soll vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden. Mittel- und Fortbildungsschulen müssen in Zukunft Mittelpunkt unserer körperlichen Erziehung sein. Die physische Prüfung bei der Rekrutierung soll wieder eingeführt werden.

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OBERAACH. (Mitget.) Letzten Freitagabend verunglückte hier, mit seinem Fuhrwerke von Pulvershaus herkommend, der im Jahre 1864 geborene verheiratete Landwirt Jakob Schönholzer von Istighofen, wohnhaft gewesen in Auenhofen. Er hatte in Happerswil zwei Saugkälber eingekauft und kehrte auf dem Heimweg bei seinem Bruder, der in Eggethof eine Wirtschaft mit Bäckerei betreibt, ein. Der dort anwesende Gast Adolf Greminger, Landwirt und Wirt in Buch, der noch in Geschäften nach Oberaach musste, fuhr dann mit Schönholzer auf dem Brückenfederwagen weg. Wie nun Greminger aussagt, geriet das Fuhrwerk auf der steilen Strasse in schnelles Tempo; der Wagen schwenkte hin und her und überschlug sich schliesslich, die beiden Männer in den Strassengraben werfend. Während Greminger mit dem Schrecken davonkam, klagte Schönholzer, der wahrscheinlich an die an der Unfallstelle stehende Telegraphenstange aufschlug, über starke Bauchschmerzen. Der herbeigerufene Arzt brachte ihn im Auto nach Hause und ordnete am Morgen des andern Tages, einen Darmriss konstatierend, die Überführung nach Münsterlingen an, wo der Verunglückte am Sonntag den erlittenen Verletzungen erlegen ist.