Legale Kunst aus der Spraydose

WÄNGI. An der Projektwoche der Schule Wängi war der professionelle Sprayer Ronnie Kuhn zu Gast. Er verwandelte mit den Schülern das alte Trafohäuschen auf dem Schulareal in eine bunte Leinwand mit Graffiti.

Vanessa Meier Linero
Drucken
Teilen
Keine Grenzen gesetzt: An der Projektwoche der Schule Wängi durfte jeder sein eigenes Motiv auf das Trafohäuschen sprayen. (Bild: vml.)

Keine Grenzen gesetzt: An der Projektwoche der Schule Wängi durfte jeder sein eigenes Motiv auf das Trafohäuschen sprayen. (Bild: vml.)

WÄNGI. Ein Zischen, es riecht nach Lack. Die Farben an der Wand stehen im krassen Kontrast zum Weiss des Schnees, das zurzeit überall vorherrscht. Es ist kalt, doch trotz der Kälte halten die Schüler die noch kältere Spraydose in der Hand und setzen dem Weiss tapfer entgegen. Sprayen – ein Begriff, der seit einiger Zeit in aller Munde ist. Auch gestern, als die Kantonspolizei St. Gallen mitteilte, 47 Sachbeschädigungen im Raum Wil geklärt zu haben, und die Verantwortlichen Schadenersatz in der Höhe von 57 000 Franken leisten müssen. Wie es ist, beim Sprayen erwischt zu werden, musste auch Ronnie Kuhn am eigenen Leib erfahren. Er ist seit acht Jahren Sprayer und besuchte diese Woche die Oberstufe Wängi.

Graffiti faszinieren

Er zeigte den Schülerinnen und Schülern, dass Sprayen nicht immer illegal sein muss. Im Rahmen der alljährlichen Projektwoche bot Oberstufenlehrerin Natalie Bossi das Projekt Graffiti an. Eine Woche lang beschäftigte sich eine Gruppe aus neun Jugendlichen mit verschiedensten Techniken. Den Höhepunkt der Woche bildete jedoch der zweitägige Besuch von Sprayer Ronnie Kuhn, der mit den Jugendlichen das Trafohäuschen, welches von den Behörden zur Verfügung gestellt wurde, in eine Leinwand verwandelte.

«Ich wollte in dieser Woche den Schülern etwas Kreatives anbieten, das für die meisten von ihnen kein alltägliches Ding ist», erklärt Natalie Bossi. «Ich bin erstaunt, wie gut die Jugendlichen bereits mit den Spraydosen umgehen können», freut sie sich. Auch bei den Schülerinnen und Schülern schien das Projekt grossen Anklang zu finden. «Graffiti faszinieren mich, deshalb habe ich dieses Projekt gewählt. Es gibt keine Regeln oder Grenzen», sagte Luca Widmer, Schüler an der Schule Wängi. Kollegin Emelie Stein fügte an: «Ich wollte mal sehen, wie es sich anfühlt, eine Spraydose in der Hand zu halten und es selber auszuprobieren.»

Keine Bedenken

Nach zwei Tagen ziert nun der Inhalt von 40 bis 50 Spraydosen das Trafohäuschen: «Die Graffiti sollten positiv sein und etwas mit der Schule zu tun haben», sagt Bossi über das Resultat. Ob sie denn keine Bedenken habe, den Schülern das Sprayen schmackhaft gemacht zu haben, wollte unsere Zeitung wissen: «Nein, dank Ronnie Kuhn haben sie wirklich aus erster Hand erfahren, wie lange es geht, einen solchen Schaden abzuzahlen», sagt die Oberstufenlehrerin.

Heute Samstag, 16. Februar, von 9 bis 11 Uhr findet im Schulhaus Imbach II in Wängi die Ausstellung der Projektwoche statt. Dabei können verschiedene Projekte der ersten und dritten Oberstufe bestaunt werden.