Lebensader wieder in Betrieb

Nach sechs Monaten und einem Tag Bauzeit wurde gestern die Bahnlinie Weinfelden–Wil wiedereröffnet. Die Stellwerke, Perronanlagen und Bahntechnik kosteten 50 Millionen Franken. Ab heute morgen verkehren die Züge wieder regulär.

Mathias Frei
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Die Festgesellschaft am sanierten Bahnhof Bussnang. Projektleiter Jürg Sollberger (rechts) erläutert die besondere Trasseebreite für finnische Züge. (Bild: Reto Martin)

Die Festgesellschaft am sanierten Bahnhof Bussnang. Projektleiter Jürg Sollberger (rechts) erläutert die besondere Trasseebreite für finnische Züge. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. Pünktlich zur Wega ist der Bahnersatz Weinfelden–Wil wieder Geschichte. Heute Morgen um 4.57 Uhr fährt erstmals nach dem 25. März wieder ein regulärer Personenzug in Weinfelden Richtung Wil los. Gestern nachmittag weihte eine mit Thurgauer und St. Galler Fahnen geschmückte Thurbo-Zugkomposition die für 50 Millionen Franken totalsanierte, 21 Kilometer lange Strecke ein.

Für die nächsten 40 Jahre habe man diese Bahnlinie auf Vordermann bringen können, verkündet Markus Geyer, Leiter Projekte bei den SBB, als der Zug losfährt. Die sechs alten Stellwerke wurden durch vier elektronische Stellwerke in den Bahnhöfen Bussnang, Märwil, Tobel-Affeltrangen und Bettwiesen ersetzt. Ein Dutzend Bahnübergänge wurden saniert. Die besagten vier Bahnstationen verfügen nun über neue Perronanlagen, die je 110 Meter lang und barrierefrei, also rollstuhltauglich, sind.

Viel Material verbaut

«Wir haben 15 000 neue Schwellen versetzt, 18 Kilometer Gleise verlegt und dabei rund 30 000 Tonnen Material bewegt», rechnet Geyer auf. Und es hat sich gelohnt, wie man allerorten bei den geladenen Zugpassagieren vernimmt.

Bussnangs Gemeindeammann Ruedi Zbinden spricht von der Bahnlinie Weinfelden–Wil als Lebensader. In «seinem» Bussnang hält der Zug denn auch ein erstes Mal an. Die Thurbo-Regionalzüge befahren hier ein Gleis, das zweite benutzt die Stadler Rail zum Rangieren. Deshalb ist jenes Bahntrassee breiter, ausgelegt auf die grösseren finnischen Züge, welche hier produziert werden.

Vorbei geht's an der kleinen Station Oppikon, dem wohl hübschesten Bahnhof der Schweiz mit seinen gepflegten Geranien, nach Märwil. Hier fand der Spatenstich des Bauprojekts statt, an welchem sich der Thurgau mit 25,3 Millionen beteiligt. Dazu kommen 21 Millionen vom Bund und 3,7 Millionen vom Kanton St. Gallen.

Zwei Kreuzungsbahnhöfe

Das viergleisige Märwil wurde auf zwei Gleise zurückgebaut. Denn hier und in Tobel-Affeltrangen kreuzen sich die Züge. Durch die Einfahrsituation – der erste Zug versperrt den Übergang zum anderen Perron – bleibt die Passagiersicherheit gewährleistet. Einige Minuten weiter in Tobel-Affeltrangen gibt's ebenfalls zwei Gleise, aber vor allem das zentrale Stellwerk für diese Strecke.

In Bettwiesen schliesslich werden in Zukunft zwei Gleise für die Tanklagerzüge aus Tägerschen benutzt, eines ist dem Personenverkehr vorenthalten. Vom Bahnhof Bettwiesen aus wurde der morgendliche Stadler- und Tanklager-Werkverkehr mit den Bauarbeiten und den Bauzügen koordiniert. Die durch die Personenzugsperre ermöglichten Tagesarbeiten hätten viel zur Sicherheit und Bauqualität beigetragen, sagt SBB-Projektleiter Jürg Sollberger.

Und dann Endstation Wil. Oder wie der Thurbo-Geschäftsführer Ernst Boos sagt: «So sind wir also parat für eine weitere gedeihliche Zukunft.»