Laubbläser erhitzen die Gemüter im Thurgau

FRAUENFELD. Seit der Herbst Einzug gehalten hat, sind sie wieder zu hören: Laubbläser nerven auch die Gemüter im Thurgau. Obwohl sich viele über den Lärm der Geräte aufregen, halten sich die Kläger mehrheitlich zurück. Macht uns der Lärm der Laubbläser vielleicht sogar krank?

Samuel Koch
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Mitarbeiter des Werkhofs Frauenfeld: Andy Meile bläst Laub an der Promenadenstrasse zusammen – mit Gehörschutz wegen des Lärms. (Bild: Donato Caspari)

Mitarbeiter des Werkhofs Frauenfeld: Andy Meile bläst Laub an der Promenadenstrasse zusammen – mit Gehörschutz wegen des Lärms. (Bild: Donato Caspari)

Der Einsatz von Laubbläsern scheidet die Geister. Seit die ersten Blätter von den Bäumen fallen, werden die Nerven von lärmempfindlichen Thurgauern wieder auf die Probe gestellt. Argumenten wie schnelleres oder müheloseres Lauben stehen Gegenargumente wie die Lärmerzeugung oder die Umweltbelastung gegenüber und sorgen für ausgiebige Diskussionen in der Bevölkerung. Dies zeigt auch ein Blick in die Leserbriefe unserer Zeitung.

Mehr Lob als Kritik

Darin tun vor allem Gegner der Laubbläser ihren Unmut kund. Von «ohrenbetäubenden Laubbläsern» über das «Zeitalter des Motors in Gärten» oder sogar von «Hörschrott» ist die Rede. Die Autoren der Leserbriefe weisen darauf hin, dass über 40 Prozent der Bevölkerung Lärm für gesundheitsschädigend halten und dass Lärm krank macht. Die Gegner der Laubbläser scheinen im Thurgau jedoch vor allem schriftlich zu klagen, denn beim Werkhof Frauenfeld wurden die Mannen mit den Laubbläsern noch nie zurechtgewiesen oder dergleichen. «Manchmal fragen uns die Leute, warum jetzt an diesem oder jenem Ort das Laub entfernt werden muss», sagt Markus Wenger, Betriebsleiter Unterhalt und Anlagen. Das seien Ausnahmen, denn die Bevölkerung zeige sich betreffend Lärm sehr tolerant. Mehr noch: «Nach der Fasnacht oder dem Bechtelistag bekamen unsere Mitarbeiter auch schon Trinkgeld für das rasche Aufräumen.»

Beim Werkhof Frauenfeld kommen insgesamt zehn Bläser zu Einsatz, die manchmal vom Laub- zum Abfallbläser umfunktioniert werden. Der Werkhof nutzt die Maschinen beispielsweise auch für die Beseitigung von Abfall am Bahnhof. Zudem werden die Mitarbeiter so gut es geht geschützt. Zwar sind die Bläser laut Markus Wenger benzinbetrieben, doch «durch das Ökobenzin werden die markanten Geruchsemissionen reduziert». Zudem tragen sämtliche Mitarbeiter Gehörschutz und bei trockenem Wetter manchmal sogar Masken gegen den aufgewirbelten Feinstaub.

Zu viel Lärm ist schädlich

Thurgauer Landwirte werden für den richtigen Einsatz von Laubbläsern belohnt. Sie werden seit 2014 sogar vom Bund subventioniert, wenn sie auf nicht benzinbetriebene Laubbläser setzen (siehe Infokasten).

Laut wie eine Motorsäge

Je nach Leistung lärmt ein Laubbläser mit bis zu 115 Dezibel. Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist der Lärm von Laubbläsern vergleichbar mit demjenigen von Motorsägen oder lauter Discomusik. Auch deshalb rät es zum Einsatz von elektrobetriebenen und entsprechend leiseren Laubbläsern oder zum handbetriebenen Rechen.

Wer lärmige Laubbläser benutzen muss, sollte deren Einsatz sinnvoll planen und nicht immer mit Vollgas blasen – sowie, wenn möglich, nur an den nötigen oder gefährlichen Stellen damit das Laub entfernen. Zudem rät das Bafu zum Einsatz am Vormittag bei feuchtem Tauwetter, weil dann nicht zusätzlich Feinstaub in der Luft entsteht.

Lärm bedeutet Stress

Faktum ist, dass Lärm Stress auslöst. Hermann Glarner, Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Frauenfeld, bestätigt: «Der Körper schüttet bei Lärm Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin aus.» Für gesundheitliche Folgen wie erhöhten Blutdruck oder steigende Herz- und Atemfrequenzen müsste jemand aber dauerhaft dem Lärm von Laubbläsern ausgesetzt sein, was für den Durchschnitt der Bevölkerung wohl kaum zutrifft. «Ohne Gehörschutz ist auch ein Tinnitus durchaus möglich», sagt Glarner. Lärm von Laubbläsern kann also gesundheitliche Folgen haben – nebst psychologischen, wegen des Ärgers.

Rücksichtnahme und Toleranz

Im Thurgau regeln die Gemeinden den Umgang mit Geräten wie Laubbläsern, wie das Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau in einem Merkblatt schreibt. Viel entscheidender sind aber der Zeitpunkt sowie die Dauer des Lärms. Grundsätzlich gilt die Einhaltung der allgemeinen Ruhezeiten über Mittag und ab 20 Uhr abends. Sonntage gelten als Ruhetage. Wer sich nicht daran hält, kann laut Kantonspolizei mit Busse bestraft werden. Grundsätzlich empfiehlt die Kantonspolizei Thurgau gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz.