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LANZENNEUNFORN: Zurück auf Feld eins

Die Schulbehörde hat in der Debatte über den Schulstandort eine weitere Niederlage erlitten. Ein Rückweisungsantrag verhinderte den Entscheid zum Baukredit
Evi Biedermann
Die Pfyner Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller begründet ihren Antrag auf Rückweisung des Baukredites. (Bild: Andrea Stadler)

Die Pfyner Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller begründet ihren Antrag auf Rückweisung des Baukredites. (Bild: Andrea Stadler)

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Man hat mit vielem gerechnet, aber kaum damit: Die ausserordentliche Versammlung der Primarschulgemeinde (PSG) Herdern-Dettighofen endete am Donnerstag, bevor sie richtig begonnen hatte. 413 Stimmberechtigte waren anwesend, 220 davon stellten sich nur wenige Minuten nach Versammlungsbeginn erfolgreich gegen das wichtigste Traktandum: Die Abstimmung über den Baukredit von vier Millionen Franken für Sanierungs- und Umbauarbeiten an der Schulanlage Herdern und der Mehrzweckhalle Lanzenneunforn. Die Mehrheit folgte dem Antrag der Pfyner Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller, das Geschäft zurückzuweisen.

«Dialog mit der Bevölkerung verpasst»

Müller stützte ihren Antrag auf den neuen Leitbildsatz des ersten Quartalsbriefs 2017 an die Eltern. «Im Team pflegen wir eine offene Kommunikation, gehen aufeinander zu und lösen anstehende Probleme im wertschätzenden Dialog» heisse es dort. Eben dies wünschten sich Eltern und Stimmbürger auch von den Behörden. Leider habe sich die Schulbehörde bei der Standortevaluation alleine auf den Weg gemacht. Die Bevölkerung sei zwar immer umfassend informiert, aber nie in den Lösungsprozess einbezogen worden. «Die Lösungen wurden vorgegeben.» Im November 2016 hatte die Schulbehörde bekannt gegeben, dass sie sich auf einen Standort – die Schulanlage Herdern – konzentrieren und dazu die Mehrzweckhalle in Lanzenneunforn behalten will. Die Schulhäuser Lanzenneunforn und Dettighofen sollen veräussert werden. Für die Dettighofer bedeutet das: sie gehen leer aus. Geschirr sei jedoch schon vorher zerschlagen worden, sagte Müller, die nebst Vorwürfen an die Schulbehörde auch lobende Worte für das fünfköpfige Gremium fand. Für die grosse Arbeit über lange Zeit sowie deren gute Fachkompetenz. «Ich vermisse jedoch die überfachliche Kompetenz.» Nach zehn Minuten schloss Müller mit einem Appell für einen wertschätzenden Dialog und dem Auftrag an die Behörde, eine paritätisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe mit Vertretern der drei Dörfer zu bilden und tragfähige Lösungen zu erarbeiten, zusammen mit der Bevölkerung.

Schulpräsident weist Vorwürfe zurück

Dafür gab es grossen Applaus und Bravorufe, dann kam das grosse Gemurmel in der übervollen Halle. Bis Schulpräsident Patrick Siegentaler die Vorwürfe «in aller Form» zurückwies und in einem kurzen Überblick auf die Veranstaltungen hinwies, an denen man mit der Bevölkerung über den Schulstandort diskutiert habe. In der offenen Diskussion wurde der Herdermer Gemeindepräsident gefragt, wie er sich zum Rückweisungsantrag stelle. «Überrascht», sagte Urs Marti, der ganze Prozess sei unglücklich angelaufen. Gemeinde und Schulgemeinde seien aber inzwischen gut zusammen unterwegs. Als letztlich das Resultat über den Rückweisungsantrag bekannt war, ertönte erneut kräftiger Applaus, was von einem Stimmbürger aufs Schärfste kritisiert wurde. Der Applaus und die Rufe von hinten hätten nichts mit der zuvor beschworenen Zusammenarbeit zu tun. «Das ist eine Kampfansage.» Zudem verwies der Mann auf die langwierige Standortfrage. Drei Schulhäuser für 104 Kinder: «Kein privates Unternehmen könnte sich eine solche Geldverschwendung leisten.»

Mit gemischten Gefühlen nach Hause

Es folgten noch weitere Wortmeldungen, die meisten erhielten den Hinweis auf den verfehlten Dialog. Ein Votant zitierte dazu einen Glarner Politiker, der kürzlich im Regionaljournal gefragt wurde, wie er grössere, komplizierte Prozesse angehe. «Als erstes alle beteiligten Parteien an den Tisch nehmen und eine Gesamtschau vornehmen», habe die Antwort gelautet. Die Stimmbürger verliessen die Halle mit gemischten Gefühlen. «Was ist denn jetzt die Lösung?», fragte eine Frau konsterniert. «Ich bin sehr zufrieden», erklärte ein Mann und ein Senior meinte abwinkend: «Kindergarten, Schnuderbuebe», bevor er in der Menge verschwand. Um 21.30 Uhr war die Mehrzweckhalle leer.

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