Langlaufclubs leben länger

Aufgeben oder investieren? Vor dieser Frage stand der Langlaufclub Wellenberg. Nach einem traumhaften Winter mit vielen Schneetagen hat der Verein nun entschieden, 28 000 Franken in ein neues Spurfahrzeug zu stecken.

Stefan Hilzinger
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Urs Lüthi beim Präparieren der Loipe im Hessenbohl, rechts der Schneetöff, der nun ersetzt werden soll. (Archivbild: Nana do Carmo)

Urs Lüthi beim Präparieren der Loipe im Hessenbohl, rechts der Schneetöff, der nun ersetzt werden soll. (Archivbild: Nana do Carmo)

THUNDORF. Wenn andere sich auf Badiwetter und die Sommerferien freuen, blickt der Langlaufclub (LLC) Wellenberg bereits auf den nächsten Winter. Der Verein mit gut 70 Mitgliedern betreibt eine der beiden letzten Loipen im Thurgau (siehe Kasten). «Der vergangene Winter war ein Traum für unseren Verein», sagt Präsident Heinz Bommer aus Thundorf zwar. Doch lang nicht jeder Winter ist dem Langlaufsport derart wohlgesinnt. Im Winter 2013/14 konnte die Loipe nicht ein einziges Mal gespurt werden.

Zuversichtliche Kassierin

Im vergangenen schneereichen Winter schliesslich zeigt es sich auch, dass der bald 20jährige Schneetöff den hohen Schneemassen nicht mehr gewachsen war. «Machen wir weiter mit der Loipe, muss die Infrastruktur ersetzt werden», sagt Bommer. An einer ausserordentlichen Generalversammlung Ende Mai im Restaurant Alpenblick Hessenbohl trat der LLC nun die Flucht nach vorn an. Die Versammlung beschloss, für rund 28 000 Franken ein neues Spurfahrzeug anzuschaffen: Ein Quad soll es sein, ein Töff mit vier Rädern, der für den Betrieb auf Schnee mit einem Raupenfahrwerk ausgerüstet wird. «Die Finanzierung wird wirklich ein harter Brocken», sagt LLC-Vorstandsmitglied Sylvia Brassel. Aber als Kassierin sei sie eigentlich immer zuversichtlich.

Trainings für den «Engadiner»

Zuversichtlich ist auch Präsident Bommer, denn die Loipe ist beliebt. «Der Winter kam in der letzten Saison recht spät, so lag noch genügend Schnee, damit sich die lokalen Läufer bei uns auf den <Engadiner> vorbereiten konnten», sagt Bommer. Der Skimarathon von Maloja nach S-Chanf findet jeweils am zweiten Sonntag in März statt und ist für viele der mehr oder weniger ambitionierten Unterländer Langläufer das Saisonziel schlechthin. «Die Leute schätzen es, wenn sie dafür direkt vor der Haustür trainieren können», sagt Bommer. So sind auf dem Rundkurs bei Hessenbohl nicht nur die Clubmitglieder unterwegs, sondern auch Sportler aus der näheren und weiteren Umgebung. «Frauenfelder sind häufig Gäste bei uns.» Um die Clubkasse nicht über Gebühr zu strapazieren, hat der Club nun benachbarte Gemeinden und auch beim Thurgauer Sport-Toto-Fonds um einen finanziellen Zustupf ans Fahrzeug angefragt.

Support aus den Bergen

Der Dachverband der Deutschschweizer Langlauforganisationen «Loipen Schweiz» in Lenzerheide unterstützt die Bemühungen der Unterländer Langlauf-Enthusiasten ebenfalls. Jährlich spricht der Verband Beiträge für Infrastrukturprojekte, etwa für die Anschaffungen von Fahrzeugen oder auch, um nach Unwettern Schäden an den Anlagen zu beheben. «Für den Langlaufsport ist es wichtig, dass schweizweit möglichst flächendeckend Angebote bestehen. Daher fliessen regelmässig Mittel des Verbandes an unsere Mitgliedsorganisationen», sagt Mariette Brunner, Präsidentin von «Loipen Schweiz». Dank der vielen kleineren Loipen abseits der Langlaufzentren könnten Sportler bei genügend Schnee vor der Haustüre trainieren. «Dadurch lebt der Langlaufsport», sagt Brunner.

Der LLC Wellenberg legt sommers nicht einfach die Hände in den Schoss. Kommenden Samstag etwa lädt er zu einem Nordic-Walking-Event ein, um etwas ans Spurfahrzeug zu verdienen.

Heinz Bommer Präsident des Langlaufclubs Wellenberg (Bild: pd)

Heinz Bommer Präsident des Langlaufclubs Wellenberg (Bild: pd)

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