Landtausch-Börse für den Biber

WEINFELDEN. Immer wieder kommen Biber den Landwirten in die Quere. Pro Natura Thurgau startet darum eine Landtausch-Aktion: Bauern sollen ihr Land an Gewässern eintauschen können gegen andere Parzellen, die sich weniger für Naturschutz eignen.

Christof Widmer
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Platz für den Biber gesucht: Philip Taxböck (l.) und Markus Bürgisser spielen mit Papier-Parzellen einen Landtausch am blauen Bach durch. (Bild: Reto Martin)

Platz für den Biber gesucht: Philip Taxböck (l.) und Markus Bürgisser spielen mit Papier-Parzellen einen Landtausch am blauen Bach durch. (Bild: Reto Martin)

In einem zentralen Punkt harzt das Pro-Natura-Projekt «Hallo Biber» im Thurgau: Grosszügige Uferrenaturierungen an Flüssen und Bächen sind in den zweieinhalb Jahren seit dem Projektstart nicht gelungen. «Die Bemühungen scheiterten am Realersatz», sagte Leiter Philip Taxböck gestern vor den Medien. Will heissen: Die Bauern sind auf ihr Land angewiesen und können es nicht einfach so ohne Ersatz für den Naturschutz hergeben.

So fahren weiterhin Traktoren, wo sich neue Lebensräume für Biber und andere Tierarten einrichten liessen. Das gilt auch für Uferpartien, an denen sich der Biber angesiedelt hat und wo er mit seinen Dämmen schlimmstenfalls den benachbarten Acker unter Wasser setzt.

Land am falschen Ort

Handkehrum melden sich laut Pro-Natura-Geschäftsführer Markus Bürgisser immer wieder Landbesitzer beim Umweltverband, die auf ihrem Land etwas für die Natur machen wollen. Oft liegen die Parzellen für den Naturschutz aber am falschen Ort.

Die Idee eines Landtauschs liegt da nicht fern. Genau so eine Tauschbörse zieht «Hallo Biber» auf. Das funktioniert so: Per Vertrag sichert sich Pro Natura den Zugriff auf eine Landwirtschaftsparzelle, die für den Naturschutz an sich nicht geeignet ist. Gibt es in der Nähe eine Parzelle am Bachufer, wo eine Renaturierung sinnvoll ist oder der Biber dem Bauern in die Quere kommt, bietet Pro Natura einen Tausch an.

Kein Land horten

Im Idealfall könne der Bauer so sogar zu besserem Land kommen, sagte Taxböck. Der Landtausch kann auf mehrere Arten durchgeführt werden, etwa als echter Tausch zwischen den beiden bisherigen Besitzern. Möglich sei auch, dass Pro Natura das eingetauschte Uferstück am Schluss selber besitze. Der Verband wolle aber kein Land horten, versichert Bürgisser. Auch auf Pachtverträge werde Rücksicht genommen. Es dürfe keine Verlierer geben.

Mit der Landtausch-Aktion beschreitet Pro Natura Thurgau Neuland. Das mache sonst noch niemand, sagte Projektleiter Taxböck. Das Vorhaben ist bis auf weiteres auf den Kanton beschränkt, könnte aber auch auf andere Ostschweizer Pro-Natura-Sektionen ausgeweitet werden.

Erste Reaktionen zurückhaltend

Erste Reaktionen aus der Landwirtschaft auf die Aktion waren gestern zurückhaltend. Es gebe sicher Bauern, die zu solchen Tauschaktionen bereit seien, sagte Jakob Hug, Präsident der Kommission Naturschutz beim Verband Thurgauer Landwirtschaft, auf Anfrage. «Es wäre aber nicht gut, wenn Pro Natura überall Land zusammenkaufen würde.» Er bevorzugt es, wenn mit den aktuellen Bewirtschaftern des Landes nach Lösungen gesucht wird.