Länger Zivilschutz als anderswo

Thurgauer Zivilschützer müssen Dienst leisten bis sie 40 sind. In anderen Kantonen kommen Zivilschützer schon früher davon. Grund für die Ungleichbehandlung sind die unterschiedlichen Rekrutierungsergebnisse in den Kantonen.

Christof Widmer
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Thurgauer müssen bis 40 in den Schutzdienst einrücken. (Bild: Reto Martin)

Thurgauer müssen bis 40 in den Schutzdienst einrücken. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. 2000 Männer braucht der Zivilschutz im Thurgau, damit er seine Aufgaben erfüllen kann – also zum Beispiel bei einer Naturkatastrophe die Bevölkerung schützen, Personen aus Gefahr retten und Schäden begrenzen. Diesen Mannschaftsbedarf haben die heute noch zwölf Zivilschutzregionen und der Kanton vor gut zehn Jahren definiert. Den Sollbestand können die Verantwortlichen knapp erreichen. «Wir sind jeweils eher leicht dahinter», sagt Markus Bürgi, Leiter der Abteilung Zivilschutz im kantonalen Amt für Bevölkerungsschutz und Armee.

Grund für die Personalknappheit: Bei den Zivilschützern handelt es sich um im Kanton wohnhafte dienstpflichtige Männer, die aus gesundheitlichen Gründen keinen Militärdienst leisten können. Je mehr Männer eines Jahrgangs tauglich für die Armee sind, desto weniger bleiben für den Zivilschutz. Zwar ist der Thurgau mit knapp 65 Prozent Militärdiensttauglichen (2011) nur noch im Mittelfeld der Kantone. Aber er gehört immer noch zu jenen Kantonen mit einer eher tiefen Quote von Schutzdienstpflichtigen. Knapp 15 Prozent der Thurgauer Stellungspflichtigen waren 2011 in den Zivilschutz eingeteilt worden. Zum Vergleich: Im Kanton Genf waren es über 22 Prozent. Gleichzeitig verfügt der Thurgau über relativ viele ganz untaugliche Männer (gut 20 Prozent).

Armee hat Priorität

Einfach mehr Zivilschützer verlangen kann der Thurgau nicht. «Per Gesetz hat die Armee erste Priorität», sagt Bürgi, «mit dieser Situation müssen wir leben.»

Die Kantone müssen darum schauen, wie sie ihre Zivilschutzorganisationen einsatzbereit halten. Dabei lässt ihnen der Bund Freiheiten – die der Thurgau ausnützen muss, um die Sollbestände erreichen zu können. Thurgauer Zivilschützer müssen nämlich die vom Bund vorgesehene maximale Dienstzeit leisten. Sie müssen in den Zivilschutz-WK einrücken, bis sie 40 Jahre alt sind. «Sonst haben wir zu wenig Leute», sagt Bürgi.

Mit 30 in die Reserve

Andere Kantone haben zu viele Schutzdienstpflichtige. Sie kennen für den Zivilschutz eine Reserve. Dienstpflichtige, die dort eingeteilt sind, müssen keine Kurse besuchen und keine Einsätze leisten. Im Kanton Zürich etwa kommen die Zivilschützer mit 30 in die Reserve. Nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz gibt es ähnliche Regelungen in weiteren Kantonen.

Wie vom Bundesamt weiter zu erfahren ist, verfügt auch der Thurgau über eine Reserve. Laut der Erhebung für 2011 waren dort 1600 Personen eingeteilt. Das Verhältnis von 2000 Aktiven zu 1600 Reservisten entspreche einem häufigen Muster in den Kantonen, sagt Sprecher Kurt Münger.

Reserve nicht anzuzapfen

Die Zahl bestätigt der Thurgauer Zivilschutz-Vertreter Bürgi. Bei den Leuten in der Thurgauer Reserve handle es sich aber um solche, die über 26 Jahre alt sind. Ab diesem Alter darf ein Dienstpflichtiger gar nicht mehr für den Zivilschutz-Grundkurs aufgeboten werden. Wer aus irgend einem Grund erst nach 26 in den Zivilschutz eingeteilt wird, kommt davon – auch im Thurgau.