Labor mit Rossmist übertölpelt

Mit fingierten Proben sabotiert ein Braunauer Landwirt seit drei Jahren die obligatorischen Tests zum Nachweis der BVD-Krankheit unter Rindern. Das fiel im Labor niemandem auf. Der Kantonstierarzt stellt jetzt Nachforschungen an.

Christof Widmer
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Alle Rinder werden getestet. (Archivbild: sb)

Alle Rinder werden getestet. (Archivbild: sb)

Frauenfeld. Pferdemist, Plastik, eigene Hautzellen – alles, bloss kein Gewebe seiner Rinder schickte der Braunauer Bauer Matthias von Euw die letzten drei Jahre an die Firma Microsynth in Balgach. Das Labor hat den Auftrag, die Gewebeproben auf das BVD-Virus (Kasten) zu überprüfen. Alle Bauern aus dem Thurgau und vier anderen Kantonen müssen ihre Proben an dieses Labor schicken. So sollen mit BVD-infizierte Rinder erkannt werden.

Keine Rückmeldung vom Labor

Im Falle von Euws hat das Labor keinen Befund zu den Rindern geliefert, sondern zu Pferden und zu von Euw selber. «Ich habe die Bestätigung, dass ich BVD-frei bin», sagt von Euw. Er ist bekannt als radikaler Verweigerer der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit. Auch die BVD-Tests hält er für reine Geldmacherei. Das Labor habe nie eine Rückmeldung gegeben, dass mit den Proben etwas nicht stimmt. Die Arbeit werde nicht recht gemacht.

Den Vorwurf weist Microsynth von sich. Im Analyseverfahren werde nach der Erbsubstanz des BVD-Virus in den Proben gesucht, sagt Geschäftsleitungsmitglied Denise Schmidheini. Vor der Analyse werde jede Probe zweimal kontrolliert, ob sie Gewebe oder nur Plastik oder Haare enthält. Danach werde das Gewebe zerstört und auf das Virus-Erbgut getestet. Weitergehende Kontrollen wären zu teuer, sagt Schmidheini. Wer die Analysen zu übertölpeln versuche, tue sich selber keinen Gefallen.

Dass das BVD-Ausrottungsprogramm nützt, liest Schmidheini an den Ergebnissen ihrer Analyse ab: Waren zu Beginn noch 0,8 Prozent der getesteten Tiere mit BVD infiziert, sind es mittlerweile noch 0,2 Prozent.

Kantonstierarzt Paul Witzig nimmt die Angelegenheit mit den getürkten Proben ernst. Nach dem Hinweis der TZ will er eigene Erkundigungen einholen.

Markus Hausammann, Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, findet es «unverständlich, dass Fremdkörper in den Proben nicht erkannt werden».

Hausammann: «Unsolidarisch»

Es sei aber unverantwortlich, wenn einzelne Tierhalter in Kauf nehmen, dass ihre Tiere die Krankheit weiterhin unkontrolliert verbreiten könnten, sagt Hausammann. Das BVD-Ausrottungsprogramm laufe bereits länger als geplant.

«Das kann unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass wenige schwarze Schafe sich nicht an die Vorschriften halten», sagt Hausammann. Sie gefährdeten nicht nur die Tiere der anderen. Sie seien auch unsolidarisch mit der grossen Mehrheit der Bauern, die den Aufwand für die Kontrollen auf sich nähmen.

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