Kunst und Politik

Den Kulturschaffenden im Thurgau bleibt aber auch wirklich nichts erspart. Zuerst war es ja nur eine Polemik von futterneidischen Möchtegernkünstlern. Nebenerwerbsschriftsteller, deren Gesuche um Förderbeiträge abgelehnt worden waren, reklamierten. Daran hatte man sich gewöhnt.

David Angst
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Den Kulturschaffenden im Thurgau bleibt aber auch wirklich nichts erspart. Zuerst war es ja nur eine Polemik von futterneidischen Möchtegernkünstlern. Nebenerwerbsschriftsteller, deren Gesuche um Förderbeiträge abgelehnt worden waren, reklamierten. Daran hatte man sich gewöhnt. Aber was nun passiert, ist an Demütigung nicht mehr zu überbieten. Die Kulturstiftung ist zum Politikum geworden. Dass das nicht gut herauskommt, dafür gibt es ja genügend Beispiele.

Man erinnert sich an den Fall Hirschhorn. In seiner Installation «Swiss-Swiss Democracy» zeigte der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn 2004 im «Centre Culturel Suisse» in Paris unter anderem eine Szene, in der ein Hund an ein Bild pinkelte. Dieses ähnelte dem damaligen Bundesrat Christoph Blocher. Dies führte dazu, dass der Ständerat Pro Helvetia eine Million Franken aus dem Budget strich.

Und nun also auch im Thurgau. Kantonsräte wie Urs Martin oder Hermann Lei ziehen über den Stiftungsrat der Kulturstiftung her. Martin und Lei mögen sich im Fussball auskennen – spielen sie doch beide im FC Grosser Rat. Dass sie von Kunst eine Ahnung haben, davon hat man aber noch nie etwas gehört oder gelesen.

Wer bitte schön soll denn beurteilen, was ein Künstler ist, wenn nicht ein Künstler? Und was können die Stiftungsräte dafür, dass es im Thurgau ausserhalb des Stiftungsrates so wenige Künstler gibt?

Die Thurgauer Zeitung kennt das Problem. Sie findet kaum mehr Jurymitglieder für ihr Who is who, die selber nicht in Frage kommen, gewählt zu werden. Sie hat deshalb beschlossen, nächstes Jahr die beiden Jurymitglieder Bernhard Koch und Brigitte Kaufmann zur Wahl vorzuschlagen. Die beiden würden selbstverständlich in den Ausstand treten.