Kunden kommen mit dem Auto

FRAUENFELD. In einer Interpellation fordert Gemeinderat Heinrich Christ (CH), dass die Altstadt ganztags autofrei wird. Bei vielen betroffenen Ladenbesitzern kommt seine Idee überhaupt nicht gut an. Einige sehen damit gar ihre Existenz bedroht.

Markus Zahnd
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Am Nachmittag ist in der Altstadt Fahrverbot, laut vielen Ladenbesitzern bleiben dann die Kunden weg. (Bilder: Reto Martin)

Am Nachmittag ist in der Altstadt Fahrverbot, laut vielen Ladenbesitzern bleiben dann die Kunden weg. (Bilder: Reto Martin)

FRAUENFELD. Lediglich von 6 Uhr bis 13 Uhr dürfen in der Altstadt Autos fahren. Doch selbst das ist den beiden CH-Gemeinderäten Heinrich Christ und Benjamin Stricker zu viel. Mit einer Interpellation wollen sie erreichen, dass die 185 Meter der Zürcherstrasse zwischen Bankplatz und Rheinstrasse ganztags autofrei werden (TZ vom 22. Januar). Mit diesem Vorstoss verärgern die beiden allerdings einen grossen Teil der Ladenbesitzer in der Altstadt. «Ich halte gar nichts von dieser Idee. Mir wäre sogar das Gegenteil lieber, also den ganzen Tag kein Fahrverbot», sagt Gebhard Winiger vom gleichnamigen Fotogeschäft.

Mit dieser Meinung steht Winiger keineswegs alleine da. Auch Godi Truniger von der Truniger Bäckerei sieht es gleich: «Die Kunden wollen mit dem Auto direkt vor den Laden fahren. Bei uns zeigt sich das deutlich an den Verkaufszahlen. Nur noch rund einen Sechstel des Umsatzes machen wir am Nachmittag.» Für Truniger, der seine Bäckerei seit 1972 führt, ist die Frage des Fahrverbotes sogar eine existenzielle: «Wenn ganztags Fahrverbot ist, kann ich meinen Laden zumachen.»

Lieber eine Begegnungszone

Für Marco Parolari von der Parolari Goldschmied AG ist der Vorstoss gar «befremdend». Er erinnert an einen Workshop, den die Stadt kürzlich mit den Geschäftsinhabern gemacht hat: «In diesem Workshop kam heraus, dass ein Grossteil der Betreiber das Gegenteil, also überhaupt kein Fahrverbot, wünscht. Daher erstaunt mich auch der Zeitpunkt des Vorstosses.» Parolari nennt dabei die Schaffung einer Begegnungszone als Möglichkeit. Denn auch bei ihm im Geschäft sei der Unterschied der Kundenfrequenz am Vormittag und am Nachmittag frappant. «Gäbe es auch vormittags ein Fahrverbot, würden wir Kunden verlieren.» Ausserdem sei die Altstadt zu breit für eine Fussgängerzone. «So sieht die Strasse nicht belebt aus, das ist nicht gut fürs Geschäft.»

Ein weiteres Argument, das Parolari und Truniger gegen ein ganztägiges Fahrverbot nennen, ist das Wetter. «Bei schlechtem Wetter wollen die Leute ohnehin mit dem Auto einkaufen gehen», sagt Parolari. Und Truniger ergänzt: «Im Sommer ist eine Fussgängerzone vielleicht noch vorstellbar. Aber im Herbst, Winter und im Frühling gehen die Menschen nicht zu Fuss einkaufen.»

Ein Lebensmittelladen fehlt

Von den befragten Ladenbesitzern kann sich einzig Hilde Market (Schuh- und Hutmode) mit der Idee der CH-Gemeinderäte anfreunden. «Wenn die Strasse ganztags gesperrt wäre, könnten wir die Altstadt schöner gestalten. Das würde die Strasse für Kunden schon attraktiver machen.» Allerdings könnte Market, die seit bald 40 Jahren in der Altstadt arbeitet, auch mit dem Gegenteil leben. Für sie ist einfach eines wichtig: «Sie sollen sich endlich entscheiden: Entweder dürfen die Autos nie oder sonst immer durchfahren.»

Für Gebhard Winiger – er arbeitet seit bald 50 Jahren in der Altstadt – liegt das Problem der fehlenden Kunden nicht nur am Verkehr. «Frauenfeld hat das gleiche Problem wie andere Orte auch. In den Altstädten hat es kaum noch Läden, welche den täglichen Bedarf abdecken.» Er spricht dabei von Lebensmittelgeschäften. Heute gingen die Menschen dafür in Einkaufszentren. Aber immerhin jene Kunden, die noch kommen, sollte man seiner Ansicht nach nicht auch noch vergraulen.

Am Vormittag dürfen die Kunden auch mit den Autos in die Altstadt. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Am Vormittag dürfen die Kunden auch mit den Autos in die Altstadt. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

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