Kundelfingerhof umzonen

Die Gebäudegruppe des Kundelfingerhofs soll umgezont werden – jedenfalls wenn es nach dem Diessenhofer Stadtrat geht. Der hat am Dienstagabend eine Einsprache des WWF abgewiesen.

Gudrun Enders
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Steht zum Verkauf: Der Kundelfingerhof ist von künstlich angelegten Fischteichen umgeben. (Archivbild: Donato Caspari)

Steht zum Verkauf: Der Kundelfingerhof ist von künstlich angelegten Fischteichen umgeben. (Archivbild: Donato Caspari)

DIESSENHOFEN. Der Kundelfingerhof ist für seine Fischzucht und sein Ausflugsrestaurant bekannt. Ein guter Teil des Ackerlandes, das zum Hof gehörte, wurde verkauft. Die Landwirtschaftszone ist aber geblieben. In dieser Zone liegt das teilweise denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble weiterhin. Nun bietet Hermann Spiess seit einem Jahr den Kundelfingerhof, den er in vierter Generation führt, zum Verkauf an. «Ich habe Interessenten. Definitiv verkauft ist der Hof aber nicht.» Vorher soll der Zonenplan an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst werden. «Kanton und Gemeinde haben mir die Umzonung empfohlen», sagt Spiess.

Die Zonenplanänderung lag im Juni auf (die TZ berichtete). Der Stadtrat Diessenhofen will den engeren Bereich der Gebäudegruppe des Kundelfingerhofs in eine neudefinierte Erhaltungszone umzonen. Geringfügige Änderungen des Zonenplans unterliegen in Diessenhofen dem fakultativen Referendum. Das sei nicht ergriffen worden, bestätigt Stadtammann Walter Sommer.

WWF erhob Einsprache

Einsprache erhoben der WWF Schweiz und der WWF Bodensee/Thurgau gegen die Umzonung. Am Dienstagabend wies der Stadtrat diese Einsprache ab, um nun die Umzonung des Kundelfingerhofs samt erforderlicher Änderung des Baureglements dem Kanton zur Genehmigung zu unterbreiten.

Aus Sicht des Stadtrates entbehren die Rügen der Einsprecher jeglicher sachlichen und rechtlichen Grundlage. Die Zonierung des Kundelfingerhofs entspreche den tatsächlichen Begebenheiten in keiner Weise und werde zu Recht angepasst. Laut Stadtratsentscheid geht es bei allfälligen Ersatz- oder Neubauten nicht um schleichende Veränderung oder gar Vergrösserung des Hofs, vielmehr steht der optimale Schutz des Ensembles im Vordergrund. In den Bestimmungen zur Erhaltungszone wird denn auch entsprechend vorgeschrieben, das Bauvolumen dürfe insgesamt nicht vergrössert werden.

WWF kritisiert den Kanton

Der WWF will beim Kundelfingerhof nicht einem zweiten Fall Vettel Tür und Tor öffnen. «Uns stört, dass der rechtliche Rahmen nicht korrekt definiert ist», sagt Roland Peter, Geschäftsführer des WWF Bodensee/Thurgau. Dabei zielt der WWF mit seiner Kritik auf den Kanton. Der Thurgau werde aus Bern angemahnt, die Weilerzone zu überprüfen, sagt Peter. Die Weilerzone ist der Rahmen, in dem die neue Zone für den Kundelfingerhof eingeordnet wird.

In diesem Punkt sieht aber Matthias Gredig, Leiter Ortsplanung im Amt für Raumplanung, den Thurgau auf der rechtlich sicheren Seite. Das Problem liege für den Bund darin, dass die Kantone unterschiedlich mit der Weilerzone umgingen. Im Thurgau oder in Zürich werde sie als Baugebiet ausgewiesen – rechtmässig wie Gredig findet. In anderen Kantonen aber werden sie als Nichtbaugebiet angesehen.

«Wir werden prüfen, ob wir vom WWF die Einsprache weiterziehen», sagt Peter. Leider treffe dieses grundsätzliche Problem den Kundelfingerhof.