Krumme Geschäfte mit Solaranlagen

ARBON. Mit dubiosen Anlageversprechen für den Bau von Solaranlagen haben zwei Männer zahlreiche Investoren getäuscht. Das Bezirksgericht Arbon hat die beiden Deutschen am Freitag im abgekürzten Verfahren zu teilbedingten Strafen verurteilt. Sie müssen den Anlegern das Geld zurückzahlen.

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Die versprochenen Solaranlagen wurden nie gebaut. (Bild: Keystone)

Die versprochenen Solaranlagen wurden nie gebaut. (Bild: Keystone)

Der Kaufmann (44) und der Techniker (48) hatten die Firma Green Power Invest Holding AG mit Sitz in Egnach gegründet und über ihre Website Anleger für Solaranlagen in der Schweiz und der Europäischen Union gesucht.

Mit gefälschten Wertpapierprospekten und einem nicht vorhandenen Zertifikat gaukelten sie den Anlegern vor, ein seriöses Unternehmen zu sein. Sie gaben vor, 80 Prozent der Gelder in Anlagen für erneuerbare Energie zu investieren. Ziel der beiden vorbestraften Angeklagten sei es jedoch gewesen, möglichst schnell an Geld zu kommen und dann das Weite zu suchen, heisst es in der Anklageschrift.

26 Anleger getäuscht
26 Anleger aus der Schweiz und Deutschland krochen den beiden Männern auf den Leim und vertrauten ihnen insgesamt 280'000 Euro an. Obwohl rasch klar gewesen sei, dass die Solaranlagen nie realisiert würden, machten die beiden Männer weiter. Die krummen Geschäfte machten sie zwischen 2011 und 2012. Sie agierten vom Schweizer Bodenseeufer aus, wo sie damals wohnten.

Am Freitag standen die beiden Männer, die heute wieder in Deutschland leben und als Angestellte arbeiten, vor dem Bezirksgericht Arbon. Im abgekürzten Verfahren wurden sie wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung, Widerhandlung gegen das Bankengesetz, der Täuschung von Behörden und weiterer Delikte verurteilt.

"Milde Strafen"
Der 44-Jährige erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Neun Monate werden vollzogen. Da der Kaufmann jedoch 292 Tage in Untersuchungshaft sass, muss er nicht mehr ins Gefängnis. Die Probezeit für die bedingte Strafe dauert fünf Jahre.

Sein 44-jähriger Kollege erhält eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten, davon 22 Monate bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren. Auch der Techniker hat die unbedingte Strafe bereits verbüsst, weil er in Untersuchungs- und Auslieferungshaft war. Beiden Angeklagten redete die Richterin ins Gewissen: "Sie sind mit einer milden Strafe davongekommen. Ich hoffe, Sie haben daraus gelernt".

Die Schadenersatz-Forderungen der 17 Zivilkläger haben die beiden Angeklagten anerkannt, teilweise haben sich die Männer mit den Geschädigten aussergerichtlich geeinigt. Die Investorinnen und Investoren aus der Schweiz und aus Deutschland verlangen insgesamt über 800'000 Euro zurück. Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) macht Schadenersatz von gut 67'000 Franken geltend.

Kurze Verhandlung
Die Hauptverhandlung am Bezirksgericht Arbon wurde im abgekürzten Verfahren, das heisst ohne Beweisverfahren, durchgeführt und dauerte pro Angeklagten nur gerade einige Minuten. Nach einer kurzen Beratung erhob das Gericht dann die Straftatbestände, Sanktionen und Zivilansprüche der Anklageschrift zum Urteil.

Ein abgekürztes Verfahren erlaubt, bei einem Geständnis der Beschuldigten die Beurteilung der Straftat schneller durchzuziehen. Dabei wird vor der Gerichtsverhandlung eine Strafe ausgehandelt. Dieser müssen die Verteidigung, die Staatsanwaltschaft und das Gericht zustimmen. (sda)

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