Kritik an Umbauplänen der Kirche

Der Vorstand der Evangelischen Kirchgemeinde Aadorf will den Gottesdienstraum technisch und baulich auf Vordermann bringen. Dafür fordert er nun einen Projektierungskredit. Kirchgemeindemitglieder befürchten Steuererhöhungen.

Mario Testa
Merken
Drucken
Teilen
Soll modernisiert werden: In der evangelischen Kirche sind neue Beleuchtungen, eine Projektionswand und Verdunkelungssysteme geplant. (Bild: Mario Testa)

Soll modernisiert werden: In der evangelischen Kirche sind neue Beleuchtungen, eine Projektionswand und Verdunkelungssysteme geplant. (Bild: Mario Testa)

AADORF. Von aussen wirkt die evangelische Kirche in Aadorf trotz ihres Alters von 52 Jahren zeitlos modern. Die leuchtendblauen Zifferblätter mit goldigen Zeigern auf dem freistehenden, weissen Kirchturm heben sich wohltuend vom grauen Herbsthimmel ab. Der Turm wurde vor zwei Jahren saniert, ein Anbau an die Kirche bereits zwei Jahre früher komplett neu erstellt. Wenig getan hat sich seit dem Bau der Kirche jedoch im rautenförmigen Innenraum. «In den vergangenen Jahrzehnten hat sich gerade bei den Kommunikationsmitteln sehr vieles verändert», sagt Roland Gahlinger, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Aadorf. «Wir wollen mit der Zeit gehen und die neuen Möglichkeiten für die Gottesdienste nutzen.»

Die Kirchenvorsteherschaft möchte künftig beispielsweise auch Projektionen von Liedtexten, Bildern oder Videos zur Bereicherung der Gottesdienste nutzen. Dazu brauchte es in der Kirche eine Projektor, eine Leinwand und die Möglichkeit, den Kirchenraum zu verdunkeln. Zusätzlich soll unter anderem der Chorraum eine Stufe angehoben werden, das jetzige Taufbecken einem neuen weichen und eine moderne Beleuchtung für besseres Licht im Raum sorgen. An der ordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom 29. November unterbreitet der Vorstand den Mitgliedern daher einen Projektierungskredit von 30 000 Franken um all diese Installationen zu planen.

«Nicht bei dieser Finanzlage»

Auch Kirchgemeindemitglied Hansjakob Altenburger hat die Einladung zur Versammlung mit der Erläuterung zu diesen Plänen vergangene Woche erhalten – kann sich mit den geplanten Modernisierungsschritten jedoch gar nicht anfreunden. «Was geplant ist, sprengt den Rahmen von vernünftigen und notwendigen Investitionen. Vor allem angesichts der angespannten Finanzlage», sagt Altenburger. «Die 30 000 Franken sind ja nur für den Projektierungskredit, die geplanten Installationen und baulichen Massnahmen selbst dürften einige 100 000 Franken kosten.»

Kopfschütteln musste er beim Studium des Finanzplanes in der Botschaft. «Ab 2013 sind regelmässige Aufwandüberschüsse von rund einer viertel Million Franken budgetiert. So würde das Eigenkapital von heute über 650 000 Franken innert drei Jahren komplett abgebaut.» Altenburger vermutet, dass man darauf nur mit Steuererhöhungen reagieren könne. «Das sieht man auch beim genauen Betrachten des Finanzplans. Zwar wird der effektive Steuerfuss immer mit gleichbleibenden 20 Prozent beziffert, der notwendige Steuerfuss steigt jedoch bis in fünf Jahren auf 26 Prozent. Ich bin nicht der einzige, der sich darüber Sorgen macht.»

Anregung zur Diskussion

Altenburger gelangte mit einem Leserbrief an unsere Redaktion, in dem er genannte Punkte aufgriff. «Ich will damit erreichen, dass schon vor der Versammlung eine Diskussion über diese Vorhaben entsteht. An den Versammlungen selbst sind jeweils nur rund 50 Personen anwesend. Und diese nicht einmal 2 Prozent der Kirchgemeindemitglieder sollen sich dann kurz informieren lassen um anschliessend abzustimmen?» Ja, sagt dazu Kirchgemeindepräsident Gahlinger, auch wenn er gerne mehr Mitglieder an den Versammlungen begrüssen würde. «Eine Versammlung gehört zum System jeder Gemeinde, man kann auch dort offen debattieren. Dann entscheidet sich, ob der Projektierungskredit gesprochen wird, ob die Massnahmen zusammen, etappiert oder gar nicht umgesetzt werden.»

Wandteppich müsste weichen

Wenn die Mitglieder der Evangelischen Kirchgemeinde die modernen Kommunikationsanlagen in der Kirche wollen, müsste der bunte Wandteppich (siehe Bild) einer Projektionsfläche weichen. «Diesen Teppich haben fleissige Frauen in Freiwilligenarbeit geschaffen. Es wäre wirklich schade, wenn dort plötzlich nur noch eine weisse, kalte Wand bliebe», sagt Hansjakob Altenburger. Kirchgemeindepräsident Gahlinger relativiert jedoch: «Der Wandteppich hat ein gewisses Alter. Er zeigt Zerfallserscheinungen und müsste wohl ohnehin bald weichen.»