Kritik am Bischofszeller Stadtrat: «Höchst ungeschickt» - Rücktrittsforderung an Mattle

BISCHOFSZELL. Die Bischofszeller Parteien befassen sich mit der Anzeige gegen Stadtammann Josef Mattle – Die SVP wünscht einen Schlussstrich, damit Ruhe einkehrt. Die CVP ruft zur Besonnenheit auf.

Inge Staub
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Josef Mattle, Stadtammann – nach seiner letzten Wiederwahl. (Archivbild: Benjamin Manser)

Josef Mattle, Stadtammann – nach seiner letzten Wiederwahl. (Archivbild: Benjamin Manser)

Josef Mattle werde als Stadtammann zurücktreten. Dies hatten viele Bischofszeller erwartet, nachdem Frau Vizestadtammann Helen Jordi «eine Überraschung» angekündigt hatte. «Das war höchst ungeschickt, das hat Gerüchten Tür und Tor geöffnet», sagt CVP-Präsident Thomas Diethelm. «Man kann nicht etwas ankündigen und dies dann nicht einhalten», kritisiert auch SVP-Präsident Daniel Sommer.

Parteien nicht zufrieden

Die Bischofszeller Parteien sind mit der jüngsten Mitteilung des Stadtrates nicht zufrieden. «Ich habe mehr erwartet», sagt Daniel Sommer. Wenn der Stadtrat die Fakten nicht auf den Tisch legen könne, weil noch rechtliche Aspekte abgeklärt werden müssten, dann sollte dies auch so kommuniziert werden.

Die Interpartei wird sich an ihrer nächsten Sitzung mit der Suspendierung des Bischofszeller Finanzverwalters und dessen Anzeige gegen Josef Mattle wegen des Verdachts der Veruntreuung befassen. Emil Frischknecht hatte die Parteien als Präsident der Interpartei bereits für diese Woche zu einer Sitzung eingeladen. Nachdem es keine Überraschung gab und das Communiqué vom Montag zu wenig Substanz gehabt habe, um als Grundlage für eine Beratung zu dienen, habe er die Sitzung abgesagt. Wenn es konkrete Informationen gebe, werde er die Parteien wieder einladen.

In seinem Communiqué vom Montag teilte der Stadtrat mit, dass sowohl aus Sicht von Josef Mattle als auch aus Sicht des Finanzverwalters das Arbeitsverhältnis irreparabel zerrüttet und eine weitere Zusammenarbeit unzumutbar sei. Der Stadtrat prüfe Konsequenzen und weiteres Vorgehen. Aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen könne er jedoch erst weiter orientieren, wenn alle Sachverhalte geklärt und Beschlüsse gefasst seien.

Daniel Sommer wundert sich, dass der Stadtrat nicht konkreter wird. In diesem Gremium habe es durchaus Leute, die eine kritische Situation meistern könnten. Es sei deshalb nicht notwendig, den Stadtrat zu hinterfragen. Sommer ist der Meinung, dass die Stadt wieder nach vorne schauen müsse; dies gelänge am besten ohne Josef Mattle. Dieser sollte einen Schlussstrich ziehen und als Stadtammann zurücktreten. Vor zwei Jahren habe der Stadtschreiber den Hut genommen, jetzt gehe der Finanzverwalter. «Ich frage mich: Wer wirft das Handtuch als nächster?», begründet Sommer seine Forderung. Er möchte, dass «wieder Ruhe einkehrt in Bischofszell».

Jetzt besonnen sein

Soll Josef Mattle zurücktreten? So weit wollen CVP-Präsident Thomas Diethelm und SP-Präsident Emil Frischknecht nicht gehen. «Wir sollten das Ergebnis der Strafuntersuchung abwarten. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung», betont Frischknecht. «Die Sachlage ist ernster, als man meint. Es braucht jetzt Besonnenheit», sagt Thomas Diethelm. «Wir beobachten die Ereignisse aufmerksam und werden dann reagieren.» Stutzig macht Thomas Diethelm, dass in jüngster Zeit immer wieder betont worden sei, im Rathaus herrsche ein gutes Einvernehmen und eine gute Atmosphäre. «Und dann erfahren wir, dass das Arbeitsverhältnis zwischen Josef Mattle und seinem Finanzverwalter zerrüttet ist. Der Finanzverwalter ist Mattles wichtigster Mitarbeiter. Da stellt man sich schon Fragen.»

Antworten gab es auch gestern keine. «Bevor wir kein Ergebnis haben, können wir nichts sagen», sagt Helen Jordi. Der Stadtrat sei aktiv und habe alles Notwendige aufgegleist. Helen Jordi stellte für den 23. August ein weiteres Communiqué in Aussicht. Auch die Rechnungsprüfungskommission möchte im Moment keine Auskunft geben. «Es ist noch vieles unklar», sagt Kommissionspräsident Walter Bischof. «Natürlich muss der Sachverhalt offengelegt werden. Doch vorerst müssen wir abwarten, bis Klarheit herrscht.»

Auch alt Vizestadtammann Walter Bollier, der 20 Jahre lang dem Stadtrat angehörte, hält sich zurück. Bollier, der sich als Präsident des Vereins APH Sattelbogen und als Waldpräsident der Bürgergemeinde noch immer für Bischofszell engagiert, sagt nur eines: «Das, was gerade geschieht, ist unserer Stadt nicht würdig.»