KRIMINALITÄT: Rückgang an Verbrechen

Im vergangenen Jahr sind weniger Straftaten verübt worden. Eine Zunahme verzeichnen die Betrugsfälle im Internet. Vor Herausforderungen steht die Kantonspolizei aufgrund von Extremismus und Digitalisierung.

Silvan Meile
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2017 ist im Thurgau 579 mal eingebrochen worden: historischer Tiefstand. (Bild: Themenbild: Mareycke Frehner)

2017 ist im Thurgau 579 mal eingebrochen worden: historischer Tiefstand. (Bild: Themenbild: Mareycke Frehner)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Die aktuelle Kriminalstatistik ist eine frohe Botschaft: Der Thurgau ist sicherer geworden. Die Kantonspolizei stellte 2017 gegenüber dem Vorjahr weniger Gewalt, weniger Diebstahl, weniger Einbruch und weniger Raub fest. Bei den Raubdelikten ist der Rückgang besonders markant. Von 49 Fällen im Jahr 2016 ging die Zahl auf 22 zurück. «Und die Zahl der Einbruchsdiebstähle hat sich innerhalb von vier Jahren halbiert», sagte Jürg Zingg, Kommandant der Thurgauer Kantonspolizei, gestern an einer Medienorientierung. Er sprach von einem «historischen Tief». Das bedeutet dennoch 579 Einbrüche im Jahr 2017.

Positiv entwickelt sich auch die Aufklärungsquote. 45 Prozehnt aller Delikte konnte die Kantonspolizei 2017 aufklären. Bei den Gewaltdelikten liege dieser Wert bei über 90 Prozent. Sämtliche schwere Gewaltstraftate –drei Tötungsdelikte und die 15 Fälle von Körperverletzung– konnten aufgedeckt werden, sagte Zingg. Ausserdem seien 13 von 15 Vergewaltigungen des vergangenen Jahres aufgeklärt worden. Die Fälle von häuslicher Gewalt bewegen sich in einem langjährigen Schnitt. Durchschnittlich zwei mal täglich wird die Thurgauer Kantonspolizei deswegen gerufen.

Eine Zunahme um 9,3 Prozent auf 1365 Unfälle verzeichnet die Verkehrsstatistik. Während die Zahl von Schwerverletzten von 143 auf 139 leicht sank, mussten 2017 auf den Thurgauer Strassen acht Todesfälle verzeichnet werden. Das ist ein Fall mehr als noch 2016, erklärte Fritz Hefti, Chef der Verkehrspolizei.

Die Kantonspolizei beobachtet Dschihadisten

«Die Sicherheitslage in unserem Kanton darf als gut bis sehr gut bezeichnet werden», sagte Sicherheitsvorsteherin Cornelia Komposch. Dies ungeachtet der Tatsache, dass der Thurgau nach wie vor die niedrigste Polizeidichte der Schweiz aufweist. «Und dennoch dürfen wir uns nicht zurücklehnen», warnte die Regierungsrätin. Es stelle sich die Frage, wie mit der Gefahr von Extremismus umzugehen sei. Die Kantonspolizei beobachte dschihadistische Gruppierungen und Einzelpersonen im Thurgau, erklärte Komposch. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr gehe auch von Gefährdern ohne religiösen Hintergrund aus, «die zum Beispiel Amtspersonen, Behörden, Organisationen oder Unternehmen bedrohen».

Einen deutlichen Anstieg verzeichnen die Betrugsdelikte (354). Darunter fallen vor allem Fälle von Cyberkriminalität, wie Andreas Kopp, Chef der Kriminalpolizei, darlegte. Das können Gaunereien bei Onlineauktionen sein, Kreditkartenbetrüge oder etwa unerlaubte Zugriffe auf Konten. Kopp verdeutlichte, dass die Digitalisierung die Kriminalpolizei herausfordere. Bei den Leichenfunden in Pulvershaus und Zezikon seien mehrere Personen während Monaten damit beschäftigt gewesen, Daten aus beschlagnahmten Geräten wie Datenträger, Smartphones oder Navis zu analysieren. «Das ist ausserordentlich aufwendig und verlangt nach mehr Personal», sagte Kopp. Kommandant Zingg erklärte diesbezüglich, dass die Frage gestellt werde, «wo zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden müssen». Trotz rückläufiger Straftaten: «Die Polizeiarbeit wird immer komplexer, und die Anforderungen an die Polizistinnen und Polizisten steigen stetig.»