KREUZLINGEN: Doktortitel gegen Spende

Ein Büro vermittelt akademische Titel. Die erlangte Würde hängt mit einer Spende an ein Hilfswerk in Kirgisistan zusammen. Über das Vorgehen des Vermittlers ist wenig bekannt. Er selbst schweigt.

Martin Rechsteiner
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Ein Ehrendoktor-Titel kann gekauft werden. (Bild: PD)

Ein Ehrendoktor-Titel kann gekauft werden. (Bild: PD)

Was auf seiner Webseite steht, klingt toll. Eberhard Bräun aus Kreuzlingen weiss, wie Interessierte einfach an einen Doktortitel kommen können. Mithilfe seiner Beratung soll es möglich sein, bald von einer Universität mit einem Titel wie Dr. h. c. oder Prof. h. c. «wohlwollend gewürdigt» zu werden. Das seien Ehrengrade, die Universitäten üblicherweise für besondere akademische oder wissenschaftliche Verdienste vergeben. Der Berater warnt auf seiner Webseite zudem ausdrücklich vor Hochstaplern, welche unseriöse oder gefälschte Titel und Dokumente anbieten.

Bräuns Geschäfte mit den Ehrentiteln sollen aber ebenfalls krumm sein, schreibt die «Berner Zeitung». Das Blatt hat das Angebot laut eigenen Angaben getestet und wirft dem Kreuzlinger fragwürdiges Geschäftsgebaren vor. So koste Bräuns Vermittlung des Titels anstatt wissenschaftlicher Verdienste und akademischer Würde vor allem eines: Eine schöne Stange Geld. Etwas mehr als 30'000 Franken sowie Personalausweis und Lebenslauf verlange er von seinen Klienten. Zwar gebe es laut seinen Angaben eine Prüfung durch einen wissenschaftlichen Rat, unbekannt bleibe aber, wie sich dieses Gremium zusammensetze und was es prüfe. Der Ehrentitel komme nach der Überweisung des Geldes so oder so, schreibt die Zeitung.

Doktortitel aus Kirgisien

Verliehen wird der Titel, laut der Webseite des Beraters Eberhard Bräun, durch eine Kirgisische Universität, zu der er Kontakte pflegt. Weiter ist bekannt, dass der Titelanwärter mit seinem überwiesenen Geld ein Kirgisisches Kinderhilfswerk unterstützt, was der Grund sei für die Ernennung zum Ehrendoktor. Quellen aus Kirgisistan und aus der Deutschen Botschaft bestätigen unserer Zeitung die Existenz des Hilfswerks «Help for Kyrgyzstan» sowie das Engagement von Eberhard Bräun.

Nun ist eine Spende zwar eine edle Tat, aber kein wissenschaftliches Verdienst. Ob jemand, der Geld spendet, tatsächlich einen akademischen Ehrengrad verdient, scheint fraglich. Schweizer Hochschulen verleihen solche Titel mit Zurückhaltung: «Gewürdigt werden herausragende wissenschaftliche Leistungen», sagt Martina Weiss, Generalsekretärin von Swissuniversities.

Geldspende reicht nicht für Ehrendoktor

Ebenfalls mit Titeln honoriert würden Personen aus der Gesellschaft oder Wirtschaft, die sich nach Auffassung einer Universität besonders verdient gemacht haben. «Eine reine Geldspende an ein Hilfswerk wäre dafür nicht genug», stellt sie klar. Apropos Spende: Im Fall Bräun bleibt unklar, wie viel des Geldes pro Titel das Kirgisische Hilfswerk sieht. Die Verantwortliche vor Ort, welche mit Bräun zusammenarbeitet, sagt bei einem Anruf: «Das ist unterschiedlich.» Zahlen nennen könne sie keine, sie sei gerade unterwegs. Sie bittet um einen Rückruf. Als sie am Tag darauf wieder erreichbar ist, sagt sie, sie könne keine Auskunft geben und hängt auf.

Bräun selbst bezeichnet alle Vorwürfe als «dreiste Lügen», will sich sonst aber partout nicht äussern. Weder zu den Ehrentiteln noch zum Hilfswerk. Er rede nicht mit Journalisten, sagt Bräun und droht mit Klagen. In der Schweiz lebt er laut eigener Aussage mit einer C-Bewilligung. Diese wolle er nicht gefährden, begründet er sein Schweigen. Genauer darauf eingehen will er nicht. Einen Hinweis, woher Bräuns Unsicherheit rühren könnte, gibt das deutsche Gesetz. Es geht rigoros mit Titeln, wie jene von Bräun, um: Wer sie führt, macht sich strafbar. Und ebenso, wer solche gegen Geld vermittelt. In der Schweiz hingegen herrschen mehr Freiheiten. Grundsätzlich darf hier jedermann Ehrendoktortitel vermitteln, kaufen oder damit handeln.

Eberhard Bräun hat seinen Wohn- und Firmensitz im Jahr 2010 vom deutschen Aachen nach Kreuzlingen verlegt. Weshalb, mag er nicht erklären. Die Ehrentitel vermittelt Bräun jedenfalls fleissig nach Deutschland. 95 Prozent seiner Kunden seien Deutsche, lediglich 5 Prozent kämen aus der Schweiz, lässt er sich entlocken. In Kreuzlingen, jedenfalls, kann er das in aller Ruhe tun.

Das Geschäft mit den Titeln

Wer auf Google «Doktor» ins Suchfeld tippt, dem schlägt die Suchmaschine «Doktortitel kaufen» bereits vor. Im Internet tummeln sich Hunderte von Anbietern. Viele von ihnen sind du­biose Universitäten oder Kirch­gemeinschaften. Oft führen ihre Spuren in die USA. Die Preise für eine erkaufte Doktorwürde variieren stark, es gibt auch ganz günstige. So ist ein «Doctor of Parapsychology» einer Wakefield University für gut 30 Franken zu haben. Oder wie wäre es mit dem Professor in Ufologie für knapp 15 Franken? Die Grandville Community Church stellt Anwärtern das Dokument nach Bezahlung per E-Mail zu.

Verboten sind diese Titel in der Schweiz nicht, wie Christina Baumann vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), erklärt. «Wer aber einen Vorteil daraus ziehen will, sich zum Beispiel mit dem Titel bewirbt, muss dessen Herkunft angeben, und das gilt auch bei einem Ehrendoktor», sagt sie. So falle relativ schnell auf, wer einen Ehrentitel finanziell erworben habe bei einer Institution, die es möglicherweise gar nicht gebe. «Solche Titel aus dem Internet taugen vielleicht höchstens als Jux», sagt Baumann. Anders laufe es zudem bei Titeln und Abschlüssen,welche die öffentliche Gesundheit betreffen. «Für Ärzte gibt es ganz klare, strenge Vorgaben.»