KREUZLINGEN: Dauergast im Tokio Hotel

Aus der Hitparade sind sie längst verschwunden. Aber Valentina De Stefano bleibt der Band Tokio Hotel treu – schon seit zwölf Jahren. Für Konzertbesuche verzichtet sie sogar auf Partys und Shopping.

Iliana Perera
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Valentina De Stefano präsentiert einen Teil ihrer Tokio-Hotel-Sammlung. (Bild: Reto Martin)

Valentina De Stefano präsentiert einen Teil ihrer Tokio-Hotel-Sammlung. (Bild: Reto Martin)

Iliana Perera

iliana.perera@thurgauerzeitung.ch

Ja, es gibt sie immer noch. Bill, Tom, Gustav und Georg aka Tokio Hotel touren auch nach über einem Jahrzehnt noch immer durch die Weltgeschichte. Trotz einiger musikalischer und optischer Veränderungen sind ihnen Fans bis heute treu geblieben. ­Valentina De Stefano ist einer davon.

Eigentlich mochte die 22-Jährige die Boyband anfangs gar nicht. «Alle Mädchen aus meiner Primarschulklasse sind damals voll auf Tokio Hotel abgefahren, ich konnte das nicht verstehen.» Ihre Meinung änderte sie erst, als ein Klassenkamerad eines Tages eine Tokio-Hotel-CD mit in eine Handarbeitslektion genommen hat und die Musik laufen liess. «Die Texte ihrer Songs haben mich sehr angesprochen und damals einfach den Zeitgeist getroffen», sagt De Stefano. Aber auch der Kleidungsstil und das Auftreten der Bandmitglieder haben der gelernten Kauffrau gefallen. «Ich fand Anderssein schon immer cool», sagt sie. «Bill im Manga-Style fand ich super.» Ihre Leidenschaft für Tokio Hotel hegte sie zunächst im Verborgenen. Ihre Mutter kaufte ­regelmässig Magazine wie den «Stern» oder die «Gala». Wenn diese die Zeitschriften ins Altpapier geworfen hatte, hat sie heimlich die Poster der Band rausgenommen.

Für Tokio Hotel greift sie tief in die Tasche

Mittlerweile besitzt Valentina De Stefano über 180 CDs, 25 DVDs, sieben Ordner voll mit Artikeln und jede Menge sonstiger Fan­artikel wie Tassen, Bücher, Shirts, einen Bettbezug und sogar ein Paar Schuhe. Allein für ihre CDs, die sie auch mal aus Argentinien, Japan und Russland einkauft, hat De Stefano bereits über 5000 Franken ausgegeben. Das Teuerste, was sich der Alien (so nennen sich Tokio-Hotel-Fans) bisher geleistet hat, war der letzte Konzertbesuch ihrer heissgeliebten Band in Zürich. «Für das VIP- Ticket habe ich fast 1000 Franken bezahlt», sagt sie. Um an ­diese, man glaubt es kaum, so ­beliebten Eintrittskarten zu kommen, verbrachte De Stefano 14 Stunden am Computer. «Die Seite war total überlastet, und es kam zu einem Absturz, da Fans auf der ganzen Welt versucht ­haben, Tickets zu kriegen.»

Finanziert hat sich Valentina De Stefano ihr Hobby immer selbst. Anfangs mit ihrem Taschengeld und später aus ihrem eigenen Lohn. «Ich habe dafür auf anderes verzichtet», sagt sie. Viele ihrer Freunde und Klassenkameraden seien jedes Wochenende feiern gegangen, ihr habe das nie wirklich zugesagt. Auch exzessives Kleider-Shopping war kein grosses Thema bei ihr.

In den zwölf Jahren, die sie jetzt schon Fan ist, gab es aber auch schwierige Zeiten. «Als die Jungs 2010 nach Amerika abgehauen sind und eine fünfjährige Pause einlegten, war ich schon sauer», sagt De Stefano. In dieser Zeit seien vor allem die Zwillinge Tom und Bill etwas abgehoben. Trotz langer Durststrecke und eines Stilwechsels von Pop/Rock auf die Elektroschiene ist Valentina De Stefano ihren Idolen ­immer treu geblieben. Dumme Sprüche muss sie sich wegen ihrer aussergewöhnlichen Vor­liebe bis heute anhören. «Einige Schweizer Fans, die ich kenne, wurden früher sogar deswegen in der Schule verschlagen», sagt sie.

Kürzlich hat sich Valentina De Stefano als Liebesbeweis ein Tattoo mit dem Bandlogo stechen lassen. «Ich denke, nach diesen zwölf Jahren ist Tokio Hotel ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.» Auch wenn sie einmal nicht mehr ein so grosser Fan sein sollte, bleibe dennoch immer die Erinnerung an eine schöne Zeit bestehen.

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