Krebsforschung im Thurgau

weinfelden. Krebskranken und ihren Angehörigen zu helfen ist das Ziel der Thurgauischen Krebsliga. An der Jahresversammlung war Neues aus der Thurgauer Krebsforschung und -therapie zu erfahren.

Katrin Zürcher
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Präsidentin Irena Baltisser eröffnete den Abend mit einem Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr: 14 302 Arbeitsstunden wurden geleistet, um Krebskranken und ihren Angehörigen zu helfen; 1025 Patienten wurden betreut und rund 500 000 Franken für direkte finanzielle Hilfe und psychosoziale Beratung ausgegeben.

Im zweiten Teil des Abends wurden die 140 Anwesenden im Thurgauerhof mitgenommen auf eine wissenschaftliche Reise. Diese begann im Krebsforschungslabor Kreuzlingen, führte zur Therapie in die Thurgauer Spitäler und endete beim todkranken Krebspatienten zu Hause.

Weltweite Beachtung

Im Thurgau selbst ist noch fast unbekannt, dass in Kreuzlingen weltweit beachtete Krebsforschung betrieben wird. Das 1999 gegründete Biotechnologie-Institut Thurgau ist der Universität Konstanz angegliedert und seit 2004 vom Bund als schweizerisches Forschungsinstitut anerkannt. Sechs Festangestellte und neun Wissenschafter in Ausbildung betreiben hier anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Der operative Leiter, Daniel Legler, stellte die Forschungsschwerpunkte vor und gab einen Überblick über die Entstehung von Krebs. Erste Erfolge verzeichnen die Kreuzlinger Forscher mit einer am Kantonsspital St. Gallen durchgeführten Studie, bei der es darum ging, Krebspatienten zu stabilisieren.

Grosse Fortschritte

Über Therapiefortschritte referierte auch Christian Taverna, leitender Arzt der Onkologie im Kantonsspital Münsterlingen. In der Schweiz ist bei Frauen Brustkrebs die häufigste Krebsdiagnose, bei Männern Prostatakrebs. Die Prävention reicht vom Nichtrauchen über die Mammographie für Frauen ab 50 bis zur Dickdarmspiegelung, die ebenfalls mit 50 erstmals durchgeführt werden sollte.

Die grössten Fortschritte wurden laut Taverna auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie gemacht. «Das Ziel ist eine gute Behandlung mit möglichst wenigen Nebenwirkungen.»

Hilfe beim Sterben bieten

«Wenn Heilung nicht mehr möglich ist» lautete Geoffrey Delmores Referat. Der leitende Onkologe am Kantonsspital Frauenfeld sagte, Krebs sei nach den Herzkrankheiten die zweithäufigste Todesursache. Ein Drittel der Tumore sei heilbar, ein Drittel langfristig kontrollierbar und ein Drittel kaum beeinflussbar. In der letzten Lebensphase, die oft von Schmerzen und Müdigkeit gekennzeichnet sei, brauche es sowohl Technologie zur Schmerzlinderung als auch menschliche Begleitung und allenfalls spirituelle Unterstützung. «Wir wollen Hilfe beim Sterben und nicht zum Sterben geben», so Delmore.

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