«Kostet nicht einmal zwei Kaffees»

Das AHV-Alter flexibel zu gestalten, sei ein gerechtes und finanzierbares Anliegen, sagt der Thurgauer Gewerkschaftsbund. Über die Initiative wird am 30. November abgestimmt.

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frauenfeld. Die Kosten für die Forderung beliefen sich auf 20 Rappen pro Tag und Versicherten, erklärte SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Gewerkschaftssekretärin beim Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV), gestern vor den Medien. Auch wenn jüngste Umfragen der Initiative gute Chancen einräumten, dürften sich die Gewerkschaften nicht zurücklehnen. Sie müssten alles daran setzen, die Stimmberechtigten für das Anliegen zu sensibilisieren, sagte Graf.

Für die hart Arbeitenden

Die Flexibilisierung des AHV-Alters bringe «hart arbeitenden Menschen mit tiefen und mittleren Einkommen, die es wirklich nötig haben», die volle AHV-Rente ab 62. Die Initiative sei zudem finanzierbar, erklärten Graf und Heinz Herzog, Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsbunds (TGGB).

Das Volksbegehren koste jeden Beitragszahler zusätzliche 6.50 Franken im Monat. Das entspreche «nicht einmal zwei Kaffees». Ursprünglich habe das Bundesamt für Sozialversicherung die Kosten mit 800 Mio. Franken berechnet, steige das Frauenrentenalter auf 65 Jahre, sagte TGGB- Sekretärin Rita Kägi.

Bleibe das Frauenrentenalter bei 64 Jahren, koste die Flexibilisierung etwas mehr als eine Milliarde Franken. Die derzeit vom Bund genannten Kosten von 1,2 Mrd. Franken habe das Bundesamt für Sozialversicherung ab dem Jahr 2014 berechnet.

Das sei «ein unlauteres Vorgehen», schliesslich sei dieser Zeitpunkt völlig willkürlich gewählt, so Kägi. Es lasse zudem ausser Acht, dass nicht nur die Kosten stiegen, sondern auch die Einkommen und damit die AHV-Beiträge.

UBS kontra AHV

Herzog wiederum findet es stossend, dass es möglich gewesen sei, 60 Mrd. Franken für die Rettung der UBS «lockerzumachen», das Geld für die Flexibilisierung des AHV-Alters aber angeblich nicht vorhanden sei.

Branchenlösungen für die Flexibilisierung des Rücktrittsalters aus dem Erwerbsprozess seien nicht sinnvoll, so Herzog. Zwar habe man im Baugewerbe mit dem flexiblen Rücktritt ab 60 Jahren eine gute Lösung. Aber solche Lösungen funktionierten nur, wenn die Arbeitnehmenden die Branche nicht wechselten. Wechsel seien aber in den meisten anderen Branchen der Regelfall. Deshalb brauche es eine Lösung, die es allen Beschäftigten ermögliche, ohne Rentenkürzung ab 62 aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu können. (sda)

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