Kooperation über Grenzen hinweg

Die Internationale Bodensee-Hochschule umfasst ein Netz von 30 Universitäten und Fachhochschulen. In der Festrede zum 15-Jahr-Jubiläum fordert der Philosoph Julian Nida-Rümelin eine Balance zwischen akademischer und nichtakademischer Bildung.

Barbara Hettich
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Der Philosoph Julian Nida-Rümelin spricht im Kreuzlinger Dreispitz. (Bild: Barbara Hettich)

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin spricht im Kreuzlinger Dreispitz. (Bild: Barbara Hettich)

KREUZLINGEN. Die Internationale Bodensee-Hochschule IBH ist eine Erfolgsgeschichte. «Mit 15 Jahren hat sie noch kein Alter, das Potenzial ist aber sichtbar geworden», sagte die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill zu den rund 200 Gästen der Jubiläumsfeierlichkeiten in der Dreispitz-Halle in Kreuzlingen.

Sebastian Wörwag, Vorsitzender des IBH-Kooperationsrats, zeigte auf, was die IBH heute ist: Ein Kooperationsverbund unter 30 Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen im Bodenseeraum – grenzüberschreitend zwischen der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Ein Netzwerk für rund 100 000 Studierende und 20 000 Mitarbeitende. Zwischen 2009 und 2014 habe die IBH mit einem Fördervolumen von 5 Millionen Euro 58 Projekte unterstützt.

Mit einer Videoeinspielung zeigte Wörwag auf, wie heute die grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktioniert. Ganz aktuell: Die Internationale Bodensee-Konferenz IBK hat mit einer Absichtserklärung den Startschuss für IBH-Labs unterschrieben, wo künftig über einen längeren Zeitraum gemeinsam geforscht werden kann.

Für mehr Freiheit in der Bildung

Leistungsanspruch und Konkurrenzdenken schade einer humanen Bildung nicht, sofern dabei jeder noch Autor seines eigenen Lebens und kooperationsfähig bleibe, sagte der Philosoph und ehemalige Staatsminister Julian Nida-Rümelin in seiner Festrede. Inhuman sei aber eine Bewertung. Eine Gesellschaft dürfe niemandem den Eindruck geben «Du wirst nicht gebraucht» oder «Du gehörst nicht dazu». Das sei gefährlich. Dies gehe nur, wenn man eine Vielfalt ermögliche. «Wir sind gut beraten, wenn wir die akademische und nicht-akademische Bildung in Balance halten», sagte Nida-Rümelin.

Im Bodenseeraum mache das die Schweiz am besten, Österreich am schlechtesten und Deutschland stehe so mittendrin. Dies schlage sich nicht zuletzt in den Jugendarbeitslosenzahlen nieder.

Für die akademische Freiheit

So wie es in der Gesellschaft eine Diversität brauche, so brauche es sie bei der akademischen Bildung. Eine «Entzwecklichung» der Fächer führe zu mehr Kreativität, sagte Nida-Rümelin. «Gebt der Bildung mehr Freiheit, lasst ihr die Autonomie.»