KONZEPT: Autonomie weckt Begehrlichkeiten

Die kantonale Mittelschulstrategie zeigt auf, wohin die Reise gehen soll, ist ansonsten aber schlank ­gehalten. Das stört die einen und lässt andere träumen. Am Mittwoch diskutiert auch der Grosse Rat darüber.

Larissa Flammer
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Sie diskutierten über die neue Thurgauer Mittelschulstrategie: BDP-Kantonsrat Roland A. Huber, FDP-Kantonsrat Daniel Eugster, Moderator David Angst, SP-Kantonsrätin Marianne Sax und Arno Germann, Rektor der Kantonsschule Kreuzlingen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sie diskutierten über die neue Thurgauer Mittelschulstrategie: BDP-Kantonsrat Roland A. Huber, FDP-Kantonsrat Daniel Eugster, Moderator David Angst, SP-Kantonsrätin Marianne Sax und Arno Germann, Rektor der Kantonsschule Kreuzlingen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Kantis im Thurgau sollen gemäss der neuen «Strategie Mittelschulen» mehr Flexibilität erhalten. Die Anforderungen des Gewerbes und der Forschung sowie die Studienmöglichkeiten verändern sich, die Schülerschaft wird heterogener, die Digitalisierung hält immer mehr Einzug. «All das fordert Agilität», fasste Bildungsdirektorin Monika Knill zusammen. Sie eröffnete mit ihrer Einführung eine Podiumsdiskussion zur Strategie, zu der die Förder- und Alumni-Vereinigungen der Thurgauer Kantonsschulen am Donnerstag eingeladen hatten.

«Ich finde die Strategie ein bisschen mutlos», sagte SP-Kantonsrätin Marianne Sax. Sie vermisst den Willen, eine höhere Maturaquote zu erreichen sowie Überlegungen zur Wiedereinführung von Untergymnasien. Letztere könnten einen Teil der Begabtenförderung übernehmen. Ausserdem sei dies die Möglichkeit, vermehrt Buben für eine Mittelschule zu begeistern. Diese würden mit 14 Jahren leider meist den leichteren Weg einer Lehre wählen. Für FDP-Kantonsrat Daniel Eugster ist das Thema Untergymnasium «schwere Kost». So würden Kinder noch früher auf einen bestimmten Weg geführt. Dem Unternehmer ist die Durchlässigkeit zwischen den beiden Wegen – Mittelschule oder Berufslehre – wichtig: «Ich vermisse im Konzept eine verbesserte Möglichkeit, um Kantiabgänger in Berufe reinzuholen.» Es gebe zwar verkürzte Lehren, diese seien aber zu wenig attraktiv für Maturanden. Arno Germann, Rektor der Kantonsschule Kreuzlingen, plädierte dafür, dass der Entscheid in der Sekundarschule offen sein muss. «Die Maturaquote interessiert mich nicht in erster Linie. Wichtig ist, dass wir die richtigen Leute erhalten.» Deshalb will er die Option Mittelschule in den Köpfen der Jugendlichen präsenter machen.

Schüler gehen nicht gerne lange Wege

BDP-Kantonsrat Roland A. Huber hatte zusammen mit Esther Kuhn im Grossen Rat einen Antrag für ein Mittelschulkonzept gestellt. Er sagte: «Die darin gewährte Teilautonomie sehe ich als Chance.» Germann sieht das genauso. Seiner Ansicht nach wählen Schüler allerdings die Schule nicht nach deren Profilierung, sondern nach Distanz des Schulwegs. «Ein Grundangebot muss also überall bleiben.» Sax erwähnte die Möglichkeit eines Schwerpunkttages gegen dieses Problem. Schüler sollen einen Tag in der Woche das spezielle Angebot einer Schule ihrer Wahl und den Rest des Unterrichts in der am nächsten gelegenen Schule besuchen können. «Das ist meine Utopie», sagte die Kantonsrätin und Buchhändlerin.