Konstanzer PR-Büro arbeitet für Thurgau

Thurgau Tourismus und zwei kantonale Museen beziehen Kommunikationsdienstleistungen aus Deutschland. Mit Einkaufstourismus habe das aber nichts zu tun, sagen die Verantwortlichen. Die gefragte Dienstleistung werde in der Ostschweiz einfach nicht angeboten.

Michèle Vaterlaus
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Das Napoleonmuseum wirft einen Blick über die Grenze: 80 Prozent der Besucher stammen aus dem EU-Raum. (Bild: Donato Caspari)

Das Napoleonmuseum wirft einen Blick über die Grenze: 80 Prozent der Besucher stammen aus dem EU-Raum. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Einkaufen ennet der Grenze gilt beim Thurgauer Gewerbe als Sünde. Darum will es auch niemand gewesen sein, wenn mit erhobenem Zeigefinger an das Gewissen der Einkaufstouristen appelliert wird. Trotzdem klingt es zuweilen in der Konstanzer Altstadt so, als ob man in Frauenfeld, Zürich oder in sonst einer Schweizer Stadt unterwegs sei. Der Einkaufstourismus ist real. Politik und Wirtschaft wollen dem Ganzen einen Riegel schieben: Keine Ausfuhrscheine mehr bei einem Einkauf unter 100 Euro. Nun stellt sich heraus, dass auch der Kanton Thurgau ennet der Grenze einkauft. Zwar keine Kosmetikartikel, dafür aber Kommunikationsdienstleistungen: Thurgau Tourismus, das Historische Museum in Frauenfeld und das Napoleonmuseum in Salenstein haben eine PR-Agentur aus Konstanz beauftragt.

Eine Frage der Kompetenzen

Ein bisschen schuldbewusst gibt sich Rolf Müller, Geschäftsleiter von Thurgau Tourismus. «Wir haben uns diesen Schritt sehr gut überlegt.» Thurgau Tourismus lege nämlich Wert darauf, die Wertschöpfung möglichst im Kanton zu halten, das zeige sich bei diversen Projekten. Doch bei der Wahl der PR-Agentur seien auch andere Kriterien entscheidend gewesen. «Es ist die einzige PR-Agentur im ganzen Bodenseeraum mit der Kernkompetenz Tourismus», sagt Müller. Im Thurgau und der ganzen Ostschweiz seien diese Kompetenzen nicht vorhanden. Müller betont auch, dass es im Tourismus um räumliches Denken gehe. Der Bodenseeraum sei eine Tourismusregion, die sich nicht an Landesgrenzen halte. Zudem habe man ein grosses Publikum im süddeutschen Raum, das man ansprechen wolle. «Die deutsche Agentur weiss, wie die Deutschen ticken. Das vereinfacht einiges.»

Touristen aus dem EU-Raum

Gleich begründet auch Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums, die Wahl derselben PR-Agentur. Neben dem Punkt, dass es die einzige Agentur mit Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich Tourismus und vor allem Kulturtourismus sei, arbeite man rund um den See eng zusammen. «Unsere Gäste kommen zu 80 Prozent aus dem EU-Raum, dieses Publikum müssen wir erreichen.» Gügel nennt aber noch einen weiteren Grund: Die Medienmitteilungen für das Museum werden nämlich auch vom Informationsdienst des Kantons Thurgau verschickt. «Doch Mitteilungen der Kantonsverwaltung finden ennet der Grenze weniger Beachtung. Mit der Agentur erreichen wir Zeitungen wie die schwäbischen oder badischen Nachrichten.»

Mit dem neuen Eurokurs habe die Zusammenarbeit mit der deutschen Agentur rein gar nichts zu tun. «Wir arbeiten schon seit 13 Jahren zusammen. Zudem ist die Agentur keineswegs günstiger. Dort kennt man schliesslich die Tarife in der Schweiz auch», sagt er.

Eine einmalige Sache

Das Historische Museum Thurgau hat eigentlich eine eigene Medienstelle. «Die Zusammenarbeit mit der Konstanzer Agentur war eine Ausnahme im Zusammenhang mit dem Konzil», sagt Museumsdirektorin Gabriele Keck. Die Frauenfelder Mitra – eines der kostbarsten Erinnerungsstücke an die Konzilzeit – wurde nämlich für die Ausstellung nach Konstanz ausgeliehen. «Weil die Konzilstadt die Kommunikation über diese Agentur organisiert hat, haben wir uns angeschlossen.» So habe das Museum viel von der Zusammenarbeit profitiert und man habe Synergien genutzt. «Es ist besser, wenn alles aus einer Hand kommt, als wenn jeder für sich etwas bastelt.» Gabriele Keck schliesst deshalb nicht aus, dass bei anderen Projekten eine solche Zusammenarbeit wieder zustande kommen wird. Doch sie betont: «Es kann keineswegs von Einkaufstourismus die Rede sein.»