Komturei Tobel ist schuldenfrei

Die Stiftung Komturei Tobel will die denkmalgeschützte Liegenschaft schrittweise erneuern. Es muss gespart werden. Deshalb wird an die Geschäftsführung kein Lohn bezahlt. Das alte Johannitergut soll für positive Schlagzeilen sorgen.

Stefan Borkert
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Zukunft diskutiert: (v.l.) Benedikt Wälder, Claudio Annaheim und Ueli Sutter erläutern am Modell der Komturei, was gemacht werden kann.

Zukunft diskutiert: (v.l.) Benedikt Wälder, Claudio Annaheim und Ueli Sutter erläutern am Modell der Komturei, was gemacht werden kann.

Tobel. Medienberichte über die Finanznot und den Streit mit der Gemeinde sollen der Vergangenheit angehören. Seit Sommer hat der Stiftungsrat der Komturei Tobel seine Ziele neu überarbeitet. Jetzt werden kleine Brötchen gebacken. Die Time-out-Schule ist vom Tisch. Man werde Projekt um Projekt realisieren, sagt Co-Stiftungsratspräsident Benedikt Wälder. Der andere Co-Präsident ist Claudio Annaheim. Er betont, jeder müsse nun die Ärmel hochkrempeln: «Wir sind ein Team, in dem jeder anpackt.»

277 000 flüssige Mittel

Die Finanzsituation der Stiftung sei nicht so gut wie früher, aber auch nicht schlecht. «Die Stiftung Komturei Tobel ist schuldenfrei», sagt er. Von ursprünglich 2,9 Millionen Franken Stiftungskapital bei der Gründung im Jahr 2006 seien noch 277 000 Franken vorhanden. 1,1 Millionen hätte bisher der Betrieb gekostet und 1,6 Millionen seien in Gebäude investiert worden. Um die Ausgaben zu senken, werde an die Geschäftsführung kein Lohn mehr bezahlt. Der Stiftungsrat lege nun selbst Hand an, ergänzt Benedikt Wälder.

Im Vordergrund steht dabei einerseits die Belebung des Areals mit Veranstaltungen und Anlässen, Ausstellungen und Besucherführungen sowie die Pilgerherberge. Schliesslich liegt die Komturei am Jakobsweg, der sich steigender Beliebtheit erfreut. Manche Pilger kämen in einem jämmerlichen Zustand an, sagt Benedikt Wälder der sich dann um geschundene Füsse oder auch Seelen kümmert. Anderen gehe es richtig gut. Wälder lebt in der Komturei. Bis vor kurzem führte er dort als Mönch einen freien Männerorden. Doch nach dem Auszug des letzten Bruders ist das Teilzeitkloster vorerst aufgelöst. Die Geschichte der Komturei zeigt, dass es stets Höhen und Tiefen gab.

Soziokulturelles Projekt

1228 als Johanniterniederlassung gegründet, soll 1683 während eines Festes ein Teil des Ritterhauses eingestürzt sein. 1744 bis 1747 wurde die heute noch stehende dreiflügelige Anlage gebaut. 1807, nachdem Napoleon Malta erobert hatte und damit den Hauptsitz der Johanniter, fiel die Komturei im gleichen Jahr an den Staat Thurgau, der dort bis 1973 ein Gefängnis betrieb. Erst 2006 schliesslich gründete sich die Stiftung Komturei Tobel. Sie verfolgt die Realisierung eines soziokulturellen Projekts. Immobilienberater Ueli Sutter kann sich vorstellen, dass man in Richtung der Walzmühle Frauenfeld gehen könnte. Kultur, Wohnen, Handwerk und Gewerbe nebeneinander, findet er durchaus realisierbar. Im übrigen bescheinigt er der Komturei eine gute Zukunft. Es seien auch Gebäude in Reserve, die bei Finanzbedarf verkauft werden könnten. Anfänge für eine lebhafte Mischung auf dem Areal sind bereits gemacht. Auf dem Marktplatz soll eine Kunstausstellung entstehen. Eine Brauerei betreibt eine Besenwirtschaft. Ein Schreinerbetrieb ist eingezogen.

Regierungsrat hält sich zurück

Der Regierungsrat wird im Stiftungsrat durch Peter Pauli als Beobachter vertreten. Konkrete Finanzverhandlungen mit der Regierung gebe es derzeit nicht, sagt er. Baudirektor Jakob Stark sagt, dass er von der lokalen Bevölkerung und Wirtschaft mehr Engagement für die Komturei erwarte. Über einen genauen Beitrag an die Renovation habe der Regierungsrat bisher nicht diskutiert.

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