Komponisten zum Leben erweckt

Das Konzert des Trios Fontane in der Klosterbibliothek hat Trouvaillen dreier Schweizer Komponisten zu Gehör gebracht. Unter anderem spielten sie die Kompositionen von Hans Jelmoli, der von der gleichnamigen Zürcher Warenhaus-Familie abstammt.

Carola Nadler
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Das Trio Fontane konzertiert in der Bibliothek Fischingen. (Bild: Carola Nadler)

Das Trio Fontane konzertiert in der Bibliothek Fischingen. (Bild: Carola Nadler)

FISCHINGEN. Selten sieht man ein Kammermusikensemble mit solch einer Freude musizieren: Wo meist Konzentration die Mimik erstarren lässt, strahlte auf den drei Gesichtern des Trio Fontane offenes Lächeln und Begeisterung.

Begeisterung über eine überraschende Wendung in Mozarts «B-Dur-Trio», über einen musikalischen Schabernack von Hans Jelmoli, über eine besonders schön gelungene Wendung in Smetanas «Die Moldau». Musik wurde so zu einer beispiellosen Lebendigkeit erweckt, die sich im aufmerksamen Lauschen des Publikums spiegelte – und selbstverständlich im begeisterten Applaus.

Noten gefunden

Den Namen Jelmoli verbindet man mit dem Zürcher Warenhaus. Weniger bekannt ist, dass ein Spross dieser Familie, Hans Jelmoli, der von Engelbert Humperdinck ausgebildet wurde, als Dirigent am Mainzer Stadttheater und später für die Zürcher Post als Musikkritiker tätig war. Als sich die in Wilen aufgewachsene Musikwissenschafterin und Trio-Fontane-Pianistin Andrea Wiesli auf der Suche nach verschollenen Noten von Othmar Schoeck begab, stiess sie in der Zentralbibliothek Zürich auf einen «Cakewalk» von ebendiesem Hans Jelmoli.

Ein Tanz, der in der Sklavenzeit der amerikanischen Südstaaten wurzelt, und dem Ragtime ähnlich ist. In einer Epoche, als Komponisten wie Claude Debussy Jazz-Elemente in ihre Werke integrierten, schuf Hans Jelmoli ein Kleinod voller prickelndem Esprit, das vor lauter Lebenslust fast aus den Nähten zu platzen schien.

Von solcher Energie war Boris Merssons «Capricciosa über ein Virginisches Volkslied» geprägt. Mit sehr geradem Duktus beginnend wies dieses Stück des 2013 verstorbenen Schweizer Komponisten überraschende Wendungen auf, die vom Trio Fontane kontrastreich ausmusiziert wurden.

Von Othmar Schoeck stand «Sommer» auf dem Programm, ein Stück, das der Tradition spätromantischer Musik folgte und von Andrea Wiesli, Klavier, Noëlle Grüebler, Violine, und Jonas Kreienbühl, Cello, mit einem feinen Gespür für das dichte Klanggemälde interpretiert wurde, ohne dabei ins Schwülstige abzugleiten.

Ameisenspuren

Umrahmt wurden diese Schweizer Charakterwerke von Mozarts «Trio in B-Dur» und einer Bearbeitung von Bedrich Smetanas «Die Moldau». Boris Mersson hatte in seiner Bearbeitung für Trio mit sehr feinem Gespür die tonmalerischen Elemente dieses Werkes umgesetzt, das durch die überaus plastische Interpretation des Trios nur noch mehr gewann.

«Es ist sehr knifflig, eine Notenhandschrift zu entziffern», erläutert Musikwissenschafterin Andrea Wiesli begeistert ihre Arbeit, und in der Tat sehen die Noten aus wie Ameisenspuren. «Aber die Musik macht Sinn, sie ist gehörfällig, das erleichtert die Arbeit.»