Kommt Zeit, kommt Schutz

In Frauenfeld stehen über 340 denkmalpflegerisch schützenswerte Bauten. Die Stadt hat aber erst rund 90 unter Schutz gestellt. Hinter der tiefen Zahl der Schutzverfügungen steckt ein kommunaler Volksentscheid aus dem Jahr 1996.

Mathias Frei
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Unter Schutz gestellt: Hertenstrasse 160/162.

Unter Schutz gestellt: Hertenstrasse 160/162.

FRAUENFELD. Eine Scheune und angebaut ein Wohnhaus im Fachwerkbau in Oberherten sowie eine kleine Villa an der Dorfstrasse im Kurzdorf: Erst kürzlich hat der Stadtrat diese drei Gebäude unter Schutz gestellt. Sie haben die Einstufung «wertvoll». Von rund 340 «wertvollen» und «besonders wertvollen» Bauten auf dem Stadtgebiet sind erst 90 unter Schutz gestellt. Nationalen Schutz geniessen in Frauenfeld nur elf Bauten (siehe Grafik). Sie sind allesamt unter Bundesschutz. Die kantonale Denkmalpflege nimmt diese Einstufungen vor, für die Unterschutzstellungen ist aber die Stadt verantwortlich. Und hier hinkt Frauenfeld ziemlich nach. Schuld daran hat aber nicht das städtische Hochbauamt, sondern ein Frauenfelder Volksentscheid von 1996.

Volk überstimmte Politik

Vor 20 Jahren hatten Stadt- und Gemeinderat einem umfassenden Natur- und Kulturobjekteplan zugestimmt. Gegen den Kulturobjekteplan wurde jedoch das Referendum ergriffen. Im Frühsommer 1996 schickte das Frauenfelder Stimmvolk die Pauschal-Unterschutzstellung aller «wertvoll» und «besonders wertvoll» eingestuften Bauten bachab – und widersetzte sich damit einer Forderung des Kantons.

Nach einer offiziellen Aufforderung des kantonalen Departements für Bau und Umwelt vor fünf Jahren stellt die Stadt seit 2011 Bauten unter Schutz. «Wir verfügen Unterschutzstellungen aber nicht systematisch, sondern reagieren, wenn ein Baugesuch, ein Beitragsgesuch oder ein Gestaltungsplan eingeht», erklärt Stadtbaumeister Christof Helbling.

Frauenfeld zahlt 15 Prozent

Die Stadt ist von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, einen Beitrag zu leisten an Renovationen oder Restaurierungen, wenn es sich um denkmalpflegerisch «wertvolle» oder «besonders wertvolle» Bauten handelt. Ob sie schon unter Schutz stehen oder noch nicht, spielt dabei keine Rolle. Vorgeschrieben ist eine Kostenzusprache in Höhe von zehn Prozent der Aufwendungen an denkmalpflegerisch relevanter Substanz. Die Stadt hat diesen Beitrag auf 15 Prozent erhöht. Im vergangenen Jahr wurden 301 000 Franken Beiträge ausbezahlt, 2013 waren es 440 000 Franken. Die Zahl der Beitragsgesuche steige stetig an, stellt Stadtbaumeister Helbling fest. Weiter übernimmt auch der Kanton 15 Prozent, in Ausnahmefällen mehr.

Stadt geht pragmatisch vor

«Wenn ein Hausbesitzer einen Beitrag geltend macht, können wir im Gegenzug auch etwas fordern, nämlich die Unterschutzstellung», sagt Helbling. Ein pragmatisches Vorgehen in Sachen Unterschutzstellungen, wie der Stadtbaumeister findet, und zugleich komme man dem Volkswillen von 1996 nach. Helbling rechnet vor, dass auf diese Weise bis in etwa 20 Jahren alle schützenswerten Frauenfelder Bauten unter Schutz stehen sollten. Je nach Sichtweise sei eine Unterschutzstellung für den Eigentümer eine Wertmehrung oder eben -minderung. «Die Einstellung von Eigentümer und Architekt bei solchen Verfahren ist matchentscheidend», sagt Helbling. Im Übrigen sei es möglich, dass eine Unterschutzstellung auch wieder aufgehoben werden könne, falls höhere öffentliche Interessen mitspielten.

Ziel: Kulturgut erhalten

Die Unterschutzstellungen sind nicht nur Teil des gesetzlichen Auftrags, den die Stadt zu erfüllen hat. «Es ist auch unser eigenes Bestreben, Kulturgut zu erhalten. Denn es macht unsere Identität aus», sagt Helbling. Nicht selten gehe es um Details, die das Gesamtbild zerstören könnten. Als Beispiel nennt Helbling ein Treppengeländer, wenn eine schmiedeiserne Ausführung durch ein modernes Geländer ersetzt würde.

Ebenfalls seit kurzem geschützt: Dorfstrasse 16. (Bilder: Mathias Frei)

Ebenfalls seit kurzem geschützt: Dorfstrasse 16. (Bilder: Mathias Frei)