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Kommt Schweizern in die Tüte

Eine ausländische Tradition erobert nun auch den Thurgau: die Schultüte. Deutsche und österreichische Kinder erhalten an ihrem ersten Schultag darin viele, viele Süssigkeiten. Schultüten gibt's in der Migros, in Papeterien und auch online.
Gloria Karthan
Ladenleiterin Nicole Knaus zeigt in der Frauenfelder Papeterie Witzig zwei Varianten von Schultüten. (Bild: Reto Martin)

Ladenleiterin Nicole Knaus zeigt in der Frauenfelder Papeterie Witzig zwei Varianten von Schultüten. (Bild: Reto Martin)

Sie sind geformt wie Cornets, bis zu einem Meter gross und sehen etwas aus wie bunte Zwergenhüte: Schultüten aus bedrucktem Karton. Gefüllt mit Süssigkeiten, Schreibwaren und Spielsachen, schenken Eltern in Deutschland und Österreich ihren Kindern diese und erleichtern ihnen damit den Eintritt in die Schule und den Ernst des Lebens. Nun tauchen sie auch in Thurgauer Papeterien und der Migros auf.

Es gibt sie nur saisonal

Der Grossverteiler führt sie seit vergangenem Jahr als «Schülertüte» im Sortiment. 70 Zentimeter lang ist sie, nicht gefüllt und kostet knapp zehn Franken. Sechs Motive sind erhältlich, davon je die Hälfte für Knaben und Mädchen. «Die Tüten sind nur saisonal und in 17 grösseren Filialen der Migros Ostschweiz erhältlich», sagt Pressesprecher Thomas Steccanella. Entsprechend sei das Verkaufsvolumen eher bescheiden.

Auch bei der Papeterie Witzig in Frauenfeld gehen nur rund 25 Stück pro Saison über den Ladentisch. Dort kann man die Tüten jedoch bereits seit etwa sieben Jahren kaufen. «Indem wir die Schultüten ins Sortiment aufnahmen, kamen wir einem zunehmenden Trend entgegen», sagt Ladenleiterin Nicole Knaus.

Mit den offeneren Grenzen wurde auch die Nachfrage immer grösser. «Es gibt aber mittlerweile auch viele Schweizer, die nach den Schultüten fragen.» Und noch eine Beobachtung macht sie: Eltern würden vermehrt selbst mit ihren Kindern gemeinsam eine solche Tüte basteln.

Fixfertig nach Hause geliefert

Wer dafür keine Zeit hat, kann sich auf schultuete.ch eine fertig gefüllte Schultüte bestellen und nach Hause liefern lassen. Die Website wurde 2011 vom Zürcher Jürg Baumberger und seiner Schwester ins Leben gerufen. «Eine deutsche Kollegin erzählte mir von diesem Brauch, und ich fand die Idee herzig», sagt er.

Seither bearbeiten sie an Spitzentagen bis zu acht Bestellungen. Die stammen oft von Deutschen oder Schweizern mit deutschem Hintergrund. «Meist Leute, die die Schultüte schon aus der eigenen Kindheit kennen.» Aber auch Spanier und Italiener würden die Tüten bestellen.

Tüte stammt aus dem Osten

Und das, obwohl sie aus einer ganz anderen Ecke Europas stammen, nämlich aus Ostdeutschland. Anfang des 19. Jahrhunderts erzählte man dort den Kindern, im Keller des Schulhauses würde ein Schultütenbaum wachsen. Wenn die Tüten reif seien, sei es Zeit zur Einschulung. Vom Osten verbreiteten sie sich nach Westdeutschland und Österreich.

Sie sind auch als Zuckertüten bekannt. Dieser Name lässt sich darauf zurückführen, dass in den Krämerläden früher Süssigkeiten in spitzen, gerollten Papiertüten verkauft wurden. Mittlerweile werden in Deutschland jährlich Eineinhalb Millionen Schultüten verkauft. Jedes Kind bekommt im Schnitt acht solcher Tüten.

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