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KOMMENTAR: Guter Journalismus darf nervig sein

Der Film ist hochaktuell: "Die vierte Gewalt" behandelt die Entwicklung der Medien. Die Debatte über das Thema sei wichtig, schreibt David Angst, Chefredaktor der "Thurgauer Zeitung", in seinem Kommentar. Und betont: "Die Verantwortlichen müssen eine nörgelnde, unnachgiebige, eine allgegenwärtige Presse ertragen."
Immer mehr Menschen konsumieren News elektronisch - die Verlage sind diesbezüglich stark gefordert. (Bild: Benjamin Manser)

Immer mehr Menschen konsumieren News elektronisch - die Verlage sind diesbezüglich stark gefordert. (Bild: Benjamin Manser)

Am Mittwoch im Romanshorner Kino Roxy: Über 100 Besucher sahen sich den Dokumentarfilm "Die vierte Gewalt" an und verfolgten die anschliessende Podiumsdiskussion über die Entwicklung der Medien. Nicht nur wegen der Billag-­Debatte scheint das Interesse dafür grösser denn je zu sein.

Filme wie "Die vierte Gewalt" oder "The Post", aber auch Debatten über den Stellenabbau bei der SDA und über das Experiment "Die Republik" befeuern die Diskussion. Es ist gut, dass sie geführt wird. Und es schadet nichts, wenn sich nach der No-Billag-Abstimmung die Aufmerksamkeit wieder stärker anderen Medien zuwendet.

Dramatische Entwicklung im Werbemarkt

Es ist vielen bewusst, dass insbesondere die Tageszeitungen mit sich rasch verändernden wirtschaftlichen Bedin­gungen konfrontiert sind. Der Strukturwandel, wie man das so schön nennt, ist zwar nichts Neues. Zeitungsfusionen gibt es schon, seit es Zeitungen gibt. Die Zeitungen werden herausgegeben von unabhängigen Medienunternehmen, die sich im freien Markt behaupten wollen und müssen. Wegen der dramatischen Entwicklung im Werbemarkt hat sich die Lage der Zeitungen aber in den letzten Jahren zugespitzt: Noch in den goldenen 90er-Jahren deckten die Werbeeinnahmen rund zwei Drittel des Umsatzes ab. Heute sind es noch etwas mehr als 40 Prozent.

Ausserdem nimmt die Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ab. Gemäss der zweimal jährlich stattfindenden Wemf-Befragung konsumieren immer noch fast gleich viele Personen die "Thurgauer Zeitung" wie vor sieben Jahren. Viele von ihnen leihen sich die Zeitung aber aus oder lesen sie gratis im Internet. Angesichts dieser Entwicklungen im Werbemarkt und im Leserverhalten sind die Zeitungsverleger unter starkem Druck und müssen ihre Strukturen anpassen. Durch Akquisitionen, Kooperationen oder Zusammenschlüsse verteilen sie ihre Fixkosten im überregionalen Teil auf mehr Kunden. Aktuelles Beispiel: Die NZZ-Regionalmedien, zu denen auch die "Thurgauer Zeitung" gehört, wollen zusammen mit den AZ-Medien ein gemeinsames Medienunternehmen gründen, dessen Tageszeitungen in 15 Deutschschweizer Kantonen erscheinen sollen.

Neue Möglichkeiten mit ungewisser Finanzierung

Die Tageszeitung als Printprodukt, das frühmorgens im Briefkasten liegt, ist möglicherweise ein Auslaufmodell. Das Bedürfnis nach professionell bearbeiteten und sortierten Informationen hingegen wird hoffentlich nicht verschwinden. Die technische Entwicklung bietet haufenweise Möglichkeiten. Ungewiss ist deren Finanzierung. Medien-Experimente wie das neue Onlinemedium "Republik" zeigen, dass es Möglichkeiten gibt. Wenn ein Angebot und eine Nachfrage vorhanden sind, muss es auch eine Finanzierung geben. Eine aktuelle Umfrage in Deutschland zeigt übrigens, dass das Vertrauen in die traditionellen Medien wieder steigt. Und Erstaunliches beobachtet man auch an der Wall Street: Die Aktie der "New York Times" hat in den letzten Wochen sogar Google und Facebook in den Schatten gestellt.

Aus politischer Sicht kann man jedenfalls nur hoffen, dass die Medienhäuser sich nicht in die Abhängigkeit des Staates begeben müssen. Denn die freien Medien spielen in der Demokratie eine zentrale Rolle. Dass Regierungen an ihnen bisweilen keine Freude haben, liegt in der Natur der Sache. Aktuell zu sehen auf der Leinwand in Steven Spielbergs "The Post".

Medienschelte auch im Thurgau

Nicht alles, was nervt, ist guter Journalismus. Aber guter Journalismus zeichnet sich eben oft dadurch aus, dass er irgendjemanden gewaltig nervt. Die Betroffenen reagieren dann oft mit Schimpftiraden gegen die Journalisten. Medienschelte gibt es auch im Thurgau, nicht nur in Amerika. "Die Verantwortlichen müssen eine nörgelnde, unnachgiebige, eine allgegenwärtige Presse ertragen, weil die freie Meinungs­äusserung und das Recht der Menschen auf Information höhere Werte darstellen." So formulierte es ein Richter während der Watergate-Affäre in den 70er-Jahren.

David Angst
david.angst@thurgauerzeitung.ch

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