KOMMENTAR: Eine verpasste Chance

Drei Neue treten gegen einen Bisherigen an. In einer Grossstadt ist das politischer Alltag, in einer Gemeinde wie Münchwilen hingegen eine mittlere Sensation. Gemeinderat Manfred Filliger, alt Kantonsrat Hanspeter Wehrle und Jungfreisinnigen-Präsident Lukas Weinhappl wollen mit ihrer Kandidatur für das Schulpräsidium verhindern, dass der derzeitige Amtsinhaber Thomas Wyser eine zweite Legislatur in Angriff nehmen kann.

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Schulpräsident Wyser hat an der letzten Schulgemeindeversammlung vertrauliche Informationen über krankgeschriebene Mitarbeiter ausgeplaudert. Diese Entgleisung sei der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, sind sich die drei Herausforderer des Amtsinhabers einig. Wer aber wissen will, womit Wyser das Fass bis dahin gefüllt hatte, musste sich bis anhin auf Hörensagen und Stammtischgespräche stützen. Selbstherrlicher Führungsstil, mangelhafte Kommunikation und intransparente Schulraumplanung sind so beispielsweise zu hören.

Das Wahlpodium am Dienstagabend wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Karten auf den Tisch zu legen. Die drei Herausforderer beliessen es aber bei einer, zugegeben durchwegs kompetenten, Bewerbung ihrer eigenen Kandidatur. Die Münchwiler wüssten schon, was Sache ist, lautete die nachgeschobene Erklärung. Für das Publikum mag das sogar stimmen. Der Aufmarsch an Lokalprominenz glich einem Who is who des Bezirkshauptortes. Münchwilen zählt aber weit über 3000 Stimmberechtigte. Die wenigsten davon dürften über Insiderinformationen verfügen. Spätestens beim Ausfüllen des Wahlzettels wären sie für etwas mehr Transparenz deshalb bestimmt dankbar.

Olaf Kühne
olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch