Komfort für Klinik-Patienten

Der Kanton St. Gallen saniert die geriatrische Klinik in St. Gallen für 40 Millionen Franken. Die neue Gebäudeschicht ist nicht nur ein energetischer Kunstgriff, sie bringt auch mehr Raum für zeitgemässe Patientenzimmer.

Christoph Zweili
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schnitt - Sanierung und Erweiterung Geriatrische Klinik St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

schnitt - Sanierung und Erweiterung Geriatrische Klinik St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

ST. GALLEN. Vor 100 Jahren noch haben die St. Galler Bürger von ihrem Spital quer über die Rorschacherstrasse zum «Fremdenspital» geschaut, hinüber zu den Durchreisenden, Knechten und Haushaltgehilfinnen, die dort behandelt wurden und genasen (heute das Haus 01 auf dem Areal des Kantonsspitals). Beide – das Bürger- und das Fremdenspital – wurden von der Ortsbürgergemeinde betrieben. Für das Areal des Bürgerspitals, auf dem 1980 die Geriatrische Klinik St. Gallen entstand, gilt das heute noch. «Sie ist die Spinne im Netz», sagt ihr Geschäftsführer Roland Etter.

Eine Anspielung auf das Kompetenzzentrum Gesundheit und Alter auf dem Gelände mit dem schweizweit anerkannten Zentrum für Akutgeriatrie, spezialisiert auf die Behandlung von meist mehrfach erkrankten älteren Personen, kürzlich gar besucht von Fachleuten aus England und der Mongolei, beide selbst auf der Suche nach dieser Symbiose von Langzeitpflege und Klinik auf dem gleichen Platz. Geriatrische Abteilungen nach St. Galler Vorbild gibt es inzwischen auch in Altstätten, Walenstadt, Uznach und Wattwil.

Zu fünft in einem Zimmer

Die Klinik ist mittlerweile in die Jahre gekommen, sie wurde in den vergangenen 35 Jahren weder saniert noch renoviert. Ein Rundgang im 4. Stock der Klinik mit der St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann und Arno Noger, Bürgerratspräsident und Präsident des Verwaltungsrats, zeigt eine zwar gut erhaltene, aber veraltete Infrastruktur. Die Zimmer sind für heutige Verhältnisse zu klein und mit bis zu fünf Patienten belegt.

Schlimmer aber sind die nicht behindertengerechten Nasszellen in den Zimmern. «Bis zu sieben Frauen und Männer müssen sich teilweise dasselbe WC teilen – die einen vom einen Zimmer, die andern aus dem nächsten. Wer vergisst, die Tür auf der gegenüberliegenden Seite zu verriegeln, wird unter Umständen überrascht», sagt Toni Traki, Leiter Pflege.

Dazu kommt, dass fülligere Patienten wegen der engen Verhältnisse nicht auf dem Zimmer aufs Klo können. Sie müssen ins Bad auf dem Gang ausweichen, wo sie eventuell den nächsten stören, der gerade duscht. Hier die Intimsphäre aufrecht zu erhalten, sei ein schwieriges Unterfangen.

Im Kantonsrat unbestritten

Die im Kantonsrat unbestrittenen Aufwendungen für die Erweiterung und Sanierung der Klinik belaufen sich auf 40 Millionen Franken. Die Geriatrische Klinik erhielt in der Vergangenheit keine grösseren Baubeiträge – aufgrund der bis Ende 2011 geltenden Spitalfinanzierung konnte die Ortsbürgergemeinde keine Rückstellungen für bauliche Investitionen bilden. Der kantonale Baubeitrag von 25 Millionen gilt daher als Abgeltung dafür. Zusätzlich wird am 15. November über ein Darlehen von 15 Millionen abgestimmt, rückzahlbar in Etappen.

Um den Patienten nicht den Baulärm während des Anbaus von 2017 bis 2020 zuzumuten, wird nach dem Ja der Stimmbürger ein dreigeschossiges Provisorium mit 90 bis 100 Betten auf dem Areal erstellt.

Geriatrische Klinik, 4. Stock: Zu viele Patienten in zu kleinen Zimmern und WCs, die von Frauen und Männern geteilt werden müssen. (Bilder: Urs Bucher)

Geriatrische Klinik, 4. Stock: Zu viele Patienten in zu kleinen Zimmern und WCs, die von Frauen und Männern geteilt werden müssen. (Bilder: Urs Bucher)

schnitt - Sanierung und Erweiterung Geriatrische Klinik St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

schnitt - Sanierung und Erweiterung Geriatrische Klinik St.Gallen (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))