Königliche Gebrauchsmusik

FRAUENFELD. Das Ensemble «Les Passions de l'Âme» gastierte am Mittwochabend im Frauenfelder Rathaus vor zahlreichem Publikum. Nicht immer vermochten die Spezialisten für Alte Musik die Erwartungen zu erfüllen.

Christof Lampart
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Einspielen am Nachmittag: Mitglieder des Ensembles «Les Passions de l'Âme» an der Vorprobe im Grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin)

Einspielen am Nachmittag: Mitglieder des Ensembles «Les Passions de l'Âme» an der Vorprobe im Grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin)

Mit «Les Passions de l'Âme» gastierte eines der bekanntesten schweizerischen Ensembles für Alte Musik in Frauenfeld. Dabei kamen am Mittwochabend im Rathaus vor allem Werke aus dem französischen Barock zur Aufführung.

Die 2008 von der Berner Geigerin Meret Lüthi gegründete und seitdem auch von ihr geleitete Formation trat im Rahmen der Abonnementskonzerte der Konzertgemeinde Frauenfeld auf. Der gute Ruf des Ensembles eilte ihm voraus, dürften doch über 200 Personen die Gelegenheit genutzt haben, der nicht immer spannungsvollen Darbietung auf historischen Instrumenten beizuwohnen.

Allerlei Ähnlichkeiten

Der Abend lehnte sich mit dem vielsagenden Titel «Concerts Royaux» gewollt an die gleichnamige Werkgruppe von François Couperin (1668 bis 1733) an und griff somit eine vor 300 Jahren werbewirksame Methode auf. Dementsprechend kam vieles zu Gehör, was der Kategorie «Gehobene Gebrauchsmusik für den Hof» einzuordnen ist. Der Sonnenkönig Louis XIV. wollte und konnte am Wochenende zu solchen Klängen ausspannen. So weit, so gut. Doch das Auditorium in Frauenfeld hatte es – mit der Distanz von 300 Jahren, und sofern es sich nicht um ausgewiesene Kenner französischer Barockmusik handelte – da schon etwas schwerer, denn die Konzerte ähnelten einander doch sehr.

So hatte man im Verlaufe des Abends immer mehr Mühe, das eine Gehörte vom anderen bewusst zu unterscheiden – völlig ungeachtet dessen, dass durch die vielen Instrumente eine reiche Kombinatorik vorhanden war, die auch vom Ensemble ausgiebig genutzt und gepflegt wurde.

Wo bleibt der frische Wind?

Deshalb stand nach dem intensiven Reigen durch die Klangwelten des französischen Barock vor allem eine Frage im Raum: Ist es «schlecht», wenn man nach eineinhalb Stunden barocken Rausches am Ende ein Gefühl im Kopf mit nach draussen trägt, aber keine Melodie im Herzen haften bleibt? Denn immerhin hatte es sich das aus Meret Lüthi (Violine und Leitung), Sabine Stoffer (Violine), Anne Parisot (Flöte) Benoit Laurent (Oboe), Benny Aghassi (Fagott), Ieva Saliete (Cembalo) und Matthias Müller (Gambe) bestehende Ensemble auf die Fahne geschrieben, musikalisch zwischen Körper und Seele zu vermitteln und zugleich der Alten Musik einen modernen Anstrich zu verpassen. Doch das Gefühl, einem frischen Wind ausgesetzt zu sein, blieb am Mittwochabend leider grösstenteils aus. Es war gut und wirklich gefällig, emotional riss einen das Konzert nicht vom Hocker. Dabei mangelte es nicht an schriftlichen Hilfestellungen (Programm) und mündlichen Erläuterungen (Meret Lüthi), doch waren diese zu spezifisch. Wären diese einem ausgewiesenen Fachpublikum gegeben worden, dann wäre sicherlich nichts einzuwenden gewesen. So aber dürften bei vielen die Ausführungen Lüthis ohne grossen Nutzen verpufft sein, da es verpasst wurde, klanglich – beispielsweise durch ein kurzes erläuterndes Anspielen – wie man es von Gesprächskonzerten her kennt – darauf hinzuweisen, auf welche Feinheiten man bei dieser an Ornamenten wirklich reichen Musik achten muss.

Am nächsten Abonnementskonzert am 30. März gastiert das Belenus-Quartett im Rathaus.