Königin auf der Zwiebel

Südsicht

Olaf Kühne
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Die Frau traut sich was. Die Rickenbacher Apfelkönigin Marion Weibel war am Montag Teil der 80-köpfigen Delegation, welche die beiden Thurgauer Neo-Nationalräte Diana Gutjahr und Hansjörg Brunner zur Vereidigung nach Bern begleitete. Nun ist es ja die Aufgabe der Apfelkönigin, den Thurgau zu repräsentieren.

Im Bundeshaus machen das zwar schon die beiden Ständeräte. Ein bisschen frisches Blut kann indes nie schaden. Dass Marion Weibel ihre Öpfelringli aber ausgerechnet am Tag des Zibelemärit nach Bern kutschiert, ist mutig, wirklich mutig. Etwa so, als würde sich die Wieziker Guggenmusik Voll-Gas-Chlöpfer mitten in den Basler Morgestraich stellen.

Nicht ganz so mutig wie die Apfelköniginwaren am Sonntag die Münchwiler Stimmbürger. Tempo 30 auf der Hauptstrasse? Geht gar nicht, sagten sie überdeutlich. Oder war der Münchwiler Entscheid am Ende gar nicht mutlos, sondern visionär? Schliesslich sind die beiden neuen Thurgauer Nationalräte waschechte Gewerbevertreter. Das Okay des Bundes für die Gewerbezone Wil West im kommenden Frühling ist also nur noch reine Formsache.

Mit 2000 neuen Arbeitsplätzen bleibt sowieso kein Stein mehr auf dem anderen. Ein Tunnel für die Frauenfeld-Wil-Bahn würde Münchwilens Verkehrsprobleme nachhaltiger lösen als sämtliche Tempo-30- und Koexistenz-Zonen zusammen. Und die erste U-Bahn der Deutschschweiz wäre doch fast so innovativ wie Öpfelringli am Zibelemärit.

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch