Kölliker verteidigt Kopftuchverbot

Das Kopftuchverbot hat an den St. Galler Volksschulen keine grosse Resonanz gefunden. Bildungschef Stefan Kölliker erklärt, weshalb die Empfehlung des Erziehungsrates dennoch richtig und wichtig war.

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Stefan Kölliker Vorsteher Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen (Bild: Quelle)

Stefan Kölliker Vorsteher Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen (Bild: Quelle)

Herr Kölliker, vor einem Jahr hat der St. Galler Erziehungsrat das Kopftuchverbot für moslemische Schülerinnen an der Volksschule erlassen. Was ist Ihr Fazit?

Stefan Kölliker: Es war nicht zu erwarten, dass viele Gemeinden als Träger der Volksschule die Empfehlung von heute auf morgen umsetzen würden. Wir hatten im vergangenen Jahr zwei konkrete Fälle, bei denen die Schulen wegen moslemischer Schülerinnen, die das Kopftuch im Unterricht tragen wollten, in Schwierigkeiten geraten sind. Wir haben dazu eine Handhabung gereicht.

Der Erziehungsrat hatte den Wunsch geäussert, dass möglichst alle Gemeinden die Empfehlung umsetzen. Das ist nicht eingetreten. Faktisch ist das Verbot durchgefallen.

Kölliker: Natürlich haben wir diesen Wunsch geäussert. Wir wollten damit im Grundsatz verhindern, dass nochmals ähnliche Situationen wie in den beiden Gemeinden entstehen.

Dennoch: Viele Schulträger sehen keinen Handlungsbedarf in Sachen Kopftuch. Politisiert der Erziehungsrat an der schulischen Realität vorbei?

Kölliker: Das tut er nicht. Schliesslich kannten etliche Schulgemeinden schon Regelungen zum Thema Kopfbedeckung im Unterricht, bevor wir die Empfehlung herausgegeben haben. Folglich ist das Thema nicht wegzudiskutieren.

Nicht alle dieser Gemeinden schliessen von solchen Regeln auch auf das Verbot des Kopftuches. Viele würden im konkreten Fall auf pragmatische Lösungen setzen.

Kölliker: Das sagt man, solange man keinen konkreten Fall und die damit verbundenen schwierigen Situationen erlebt hat. Das allgemeine Kopfbedeckungsverbot zielt zudem auf gleiche Bedingungen für alle. Es wäre unfair gegenüber allen andern Schülern, wenn bei moslemischen Schülerinnen Ausnahmen gemacht würden.

Seitens einiger Schulträger heisst es, das Kopftuchverbot nütze vor allem den Zielen der SVP und sei populistischer Natur. Was sagen Sie als Mitglied der SVP dazu?

Kölliker: Wer so etwas sagt, dem geht es nicht um die Sache. Nochmals: Der Erziehungsrat hatte es letztes Jahr mit zwei konkreten Fällen zu tun. Wir sind um Unterstützung gebeten worden und haben für alle weiteren Fälle nach einer Lösung gesucht. Wer dies nicht zur Kenntnis nimmt, verwendet das Thema für eigene politische Interessen.

Wie soll es nun mit der Empfehlung des Erziehungsrat weitergehen?

Kölliker: Ich akzeptiere, dass viele Gemeinden von einer Umsetzung absehen. Dennoch war die Empfehlung richtig. Ziel muss sein, dass wir keine weiteren Schwierigkeiten haben und für Ruhe und Ordnung in der Schule garantieren können. Und ich bin froh, dass keine neuen Probleme aufgetreten sind.

Interview: Markus Wehrli

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