Knapp und im letzten Moment

Die Loslösung Mammerns von Steckborn vor 20 Jahren gelang nur mit einer hauchdünnen Mehrheit im Grossen Rat und gerade noch rechtzeitig. Heute sind Gemeindefusionen im Trend. Mammern behauptet sich dank seiner finanziellen Lage.

Caspar Hesse
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Eigenständig: Mammern sieht seine Zukunft weiterhin selbstbewusst. (Bild: Nana do Carmo)

Eigenständig: Mammern sieht seine Zukunft weiterhin selbstbewusst. (Bild: Nana do Carmo)

MAMMERN. Mammern feierte Anfang Jahr das 20jährige Bestehen als eigenständige Politische Gemeinde. Heutzutage ist jedoch eher das Gegenteil ein Thema, nämlich die Zusammenlegung von Gemeinden. War Mammern vor 20 Jahren ein Sonderfall, oder war das noch gang und gäbe?

Die Gründe für ein Zusammengehen heute sind, dass Ortschaften mehr zusammenwachsen und die Grenzen verwischen, die Aufgaben immer komplexer werden und es immer schwieriger wird, Behördenmitglieder zu rekrutieren, wie Mediator Jean-Claude Kleiner von der Treuhandfirma OBT letztes Jahr in der TZ erklärte. Der Anlass war die geplante Fusion der Gemeinden Romanshorn und Salmsach.

«Das hat nie so richtig gegeigt»

Im Falle Mammerns und Steckborns trifft das erste Argument gar nicht zu. Zusammengewachsen sind sie auch jetzt noch nicht. Man muss sich eigentlich eher fragen, warum die Gemeinden je zusammengelegt worden waren. Die Gemeinde Steckborn erlangte ihre Unabhängigkeit von der Abtei Reichenau um 1800, als auch der Kanton Thurgau unabhängig wurde. In der napoleonischen Zeit wurden Munizipalgemeinden eingerichtet. Im Falle Steckborns gehörten Mammern, Gündelhart-Hörhausen und Salen-Reutenen dazu.

«Das hat nie so richtig gegeigt», sagt dazu Hansjörg Lang, Gemeindeammann von Mammern. Schon Ende der 1970er-Jahre habe es Bestrebungen zur Loslösung gegeben. Nur zufällig sei das mit der neuen Verfassung von 1989 zusammengefallen, als verlangt wurde, dass innert zehn Jahren aus den Orts- und Munizipalgemeinden Politische Gemeinden gebildet werden mussten.

Gemeinden blieben verschont

Der Kantonsrat hatte 1992 die Loslösung von Steckborn nur knapp, mit 55 zu 53 Stimmen, bewilligt. Solches wäre heute wohl nicht mehr möglich. Bei der Diskussion zur neuen Bezirkseinteilung im Grossen Rat wurde Mammern als eine der wenigen Gemeinden erwähnt, die als zu klein bezeichnet wurden. Die neue Bezirkseinteilung trat 2011 in Kraft.

Mit ihr hatte man auf den ganz grossen Wurf verzichtet. Nur die Bezirke, nicht aber die Gemeinden standen zur Diskussion. Unverständnis hatte im Vorfeld Roland Kuttruff geerntet, der sich als Präsident des Verbands der Thurgauer Gemeinden für eine Fusion von Gemeinden aussprach, sagt Lang.

Übrigens: Beim Jahreswechsel 1992/1993 waren noch weitere Unabhängigkeitsbestrebungen zu hören. Hanspeter Wüthrich, Ortsvorsteher von Gündelhart-Hörhausen, prophezeite: «In drei Jahren treffen wir uns wieder zum gleichen Fest.» Nun, es kam anders: Gündelhart-Hörhausen wurde 1999 zusammen mit Salen-Reutenen Teil der Politischen Gemeinde Homburg.

Zu schwach und zu klein

Die beiden Gemeinden waren zu klein und wirtschaftlich zu schwach, um selbständig zu werden. Gute Gründe hätten damals dafür gesprochen, eine Seerückengemeinde Homburg einzurichten, wie der ehemalige Ortsvorsteher Steckborns, Konrad Füllemann, auf Anfrage sagt. Die Bindungen ins Tal, sei es Richtung Steckborn oder Frauenfeld, seien zu wenig eng gewesen.

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