Kloster als Landwirtschaftspionier

Eine Ausstellung des Ittinger Museums in der Kartause Ittingen zeigt die Entwicklung der Landwirtschaft seit dem 18. Jahrhundert bis heute. Das Kloster hatte dabei stets Modellcharakter und verfügte über moderne Geräte.

Stefan Etter
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Museumsdirektor Markus Landert präsentiert eine Probe von Stierspermien aus dem ausgestellten Stickstoff-Behälter. (Bild: Nana do Carmo)

Museumsdirektor Markus Landert präsentiert eine Probe von Stierspermien aus dem ausgestellten Stickstoff-Behälter. (Bild: Nana do Carmo)

WARTH. Früher wurden die Äcker der Kartause Ittingen mit einem Holzpflug bestellt – mit der Muskelkraft der Ochsen. Heute erledigen dies moderne Maschinen. «Die Vergangenheit zeigt, wie der Fortschritt die Landwirtschaft verändert hat», sagt Markus Landert, Direktor des Kunstmuseums in der Kartause Ittingen. Die Ausstellung «Säen und Ernten», die morgen startet, veranschaulicht, wie sich die Nahrungsmittelproduktion vom 18. Jahrhundert bis heute entwickelt hat und welche Rolle das Kloster dabei spielte.

Mönche als Selbstversorger

«Vor dreihundert Jahren haben die Mönche zusammen mit ihren Angestellten das Klostergut fast wie Selbstversorger bewirtschaftet», sagt Landert. «Das Kloster erhielt jährlich den Zehnten und Bodenzinsen, da es Lehens- und Grundherr war.» Dies bestätigen detaillierte Pläne und Verwaltungsbücher, die in der Ausstellung zu sehen sind. Primär seien Wein, Getreide, Bohnen und Erbsen angebaut worden. Auch die Fischzucht und die Forst- und Viehwirtschaft seien wichtig gewesen. «Die Arbeit war damals sehr aufwendig.» Davon zeugt der hölzerne Pflug in der Mitte des Raumes und die ausgestellten Bilder. Sie zeigen, wie die Menschen mit einfachen Hilfsmitteln eggen, pflügen, säen, Garben binden oder Getreide dreschen. «Irgendwann hat Prokurator Josephus Wech herausgefunden, dass durch die Düngung der Äcker die Ernte gesteigert werden kann», sagt Landert.

1867 hat dann Victor Fehr die Kartause Ittingen übernommen – die Mönche mussten 1848 das Kloster verlassen, da es vom Staat aufgehoben wurde. Fehr stamme aus einer reichen Familie und habe das Kloster zu einem Musterbauernhof umgewandelt. «Er war ein Pionier der Mechanisierung und Motorisierung», sagt Landert. Er habe die erste Mäh- und die erste Dampfdreschmaschine in die Schweiz gebracht – und die chemische Keule, illustriert durch einen rucksackähnlichen Giftspritzer. «Fehr ging oft ins Ausland und erkundete fremde Landwirtschaften, um die Schweizer Bauern zu professionalisieren.» An seinem Stehpult, der auch in der Ausstellung steht, habe er täglich seine Korrespondenz erledigt. «Er war Mitbegründer des Schweizer Bauernverbandes und setzte sich für Schutzzölle ein.»

Nachhaltige Bewirtschaftung

Seit 1977 ist der Betrieb im Besitz der Stiftung Kartause Ittingen – und einer der grössten Bauernhöfe im Thurgau, der mit dem Fortschritt geht. Dies zeigt der Stickstoffbehälter, der Spermien von Stieren frisch hält. «Ohne künstliche Befruchtung ginge es nicht. Doch wir arbeiten weiterhin nachhaltig und streben die Selbstversorgung an», sagt Landert. «Mit der Ausstellung wollen wir eine differenzierte Sicht auf die Landwirtschaft ermöglichen.»

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