«Klingenklirrend und hufeklappernd romantisch»

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Eine Hochblüte erlebte die Frauen­felder Kinolandschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Am 8. November 1950 eröffnete das Cinema Scala an der Grabenstrasse. Es ist nebst dem Schlosskino und dem Cinema Pax das dritte Haus der «Vereinigten Licht­spiele Frauenfeld» von Kino­unternehmer Hans Rieber. Zur Eröffnung lief der Mantel-und- Degen-Film «Die drei Muske­tiere» mit Lana Turner und Gene Kelly.

Die besonders häusliche Intimität der Estrade

Die «Thurgauer Zeitung» ist in ihrem Bericht über die Eröffnung des Lobes voll. «Die 331 Sitzplätze sind im ganzen Hause gleich; die ­einfränkigen Gäste sitzen genau gleich weich, auf einem Lederpolster und mit Ellbogenfreiheit, wie die mehrfränkigen.» Der Berichterstatter lobt ins­besondere die Estrade: «Diese zeichnet sich durch ihre besonders häusliche Intimität aus.» Als Architekt des Neubaus wird der Frauenfelder Armin Possert genannt. Der zur Pre­miere gezeigte Film sei «klingen­klirrend und hufeklappernd romantisch», heisst es zum Schluss.

Auf Anfang 1951 übernimmt die Familie Brüni den Betrieb des Schlosskinos, das heute als letztes der drei Lichtspielhäuser noch existiert. Pax und Scala verbleiben weiterhin in Riebers Besitz. Ende Mai 1991 sind die Tage des Scala gezählt. Die Frauenfelder Filmfreunde, die 1994 das Cinema Luna auf die Beine stellen werden, veranstalten aus diesem ­Anlass eine Abschiedswoche. Sie zeigen unter anderem Werke von François Truffaut, Krzysztof Kieslowski und Ettore Scola. «Wo Leinwandhelden kämpften, wird bald gebetet», titelt die TZ, denn für die nächsten Jahre nutzt die Pfingstgemeinde das Gebäude.

Für Filme ab 18 aus Zürich nach Frauenfeld

Wie Christof Stillhard in seinem Nachruf auf das Scala im Mai 1991 in der TZ schreibt, genossen die Frauenfelder Lichtspieltheater gerade in den 1950er- und 1960er-­Jahren einen guten Ruf bis nach Zürich. Cineasten seien nach Frauenfeld gepilgert, weil manch guter Film in der Zwinglistadt erst ab 18 Jahren freigegeben war. Kinobesitzer Rieber ist seinerzeit auch Präsident des Schweizerischen Lichtspieltheater-Verbandes. Es sei ihm geglückt, zu Premieren Stars nach Frauenfeld zu holen, etwa den deutschen Schauspieler Hans Albers. Auch ist die Rede davon, dass Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander 1947 im Cinema Pax ­einen Liederabend gegeben ha­ben soll. Wohl liefen ihre Filme hier, wie etwa Anfang 1951 ihr erster deutscher Nachkriegsfilm ­«Gabriela», doch in der «Thurgauer Zeitung» von damals findet sich kein Hinweis auf einen Auftritt der «viel gelobten und viel geschmähten» schwedischen Leinwandgöttin.

Im Sommer 2004 stellt dann auch das Cinema Pax an der Rheinstrasse – nach dem Tod der letzten Betreiber – seinen Betrieb ein. Der Saal von 1929, wo zur ­Eröffnung «Ben Hur» in der ­Version von 1925 lief, muss 2007 der ersten Erweiterung des Einkaufszentrums Passage weichen. Das gleiche Schicksal ereilt nun das Cinema Scala. (hil)