Klimastudie beurteilt Thurgau falsch

Laut einer Klimastudie der Zürich-Versicherung ist der Kanton Thurgau nicht gerade umweltfreundlich. Auch beim energieeffizienten Bauen und Wohnen bekommt der Thurgau eine schlechte Bewertung. Laut einem Experten kann dies aber nicht stimmen.

Stefan Etter
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Gemäss der Klimastudie sind viele Thurgauer Autos wie hier auf der Romanshornerstrasse in Kreuzlingen nicht umweltfreundlich. (Bild: Reto Martin)

Gemäss der Klimastudie sind viele Thurgauer Autos wie hier auf der Romanshornerstrasse in Kreuzlingen nicht umweltfreundlich. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Kanton Thurgau hat in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit noch grosses Entwicklungspotenzial – zumindest, wenn es nach der Klimapreis-Studie 2014 der Zürich Versicherung geht.

Diese hat untersucht, wie klimafreundlich die Schweizer Kantone in den Bereichen Mobilität und Transport, Konsum und Produktion sowie Bauen und Wohnen sind. Der Kanton Thurgau schneidet im schweizweiten Vergleich schlecht ab – und landet auf dem zweitletzten Platz. «Ich bin ziemlich überrascht von diesem Resultat», sagt Andrea Paoli, Abteilungsleiter Energie des Departements für Inneres und Volkswirtschaft. «Das kann so nicht stimmen.»

Auswertung dank Google-Daten

Laut der Klimapreis-Studie der Zürich-Versicherung schneidet der Thurgau in der Kategorie Konsum und Produktion schlecht ab – Rang 22. Die Studie legt hierbei den Fokus auf umweltgerecht hergestellte Lebensmittel, Kleider, Kosmetika und Reinigungsmittel.

Die Auswertung basiert primär auf der Datenbank des Internetriesen Google. Konkret: wenn ein Kanton beispielsweise öfters nach einem Bio-Label sucht, sei auch der Konsum von umweltfreundlichen Lebensmitteln grösser. «Diese Methode ist unwissenschaftlich und sehr fragwürdig, denn sie basiert auf Klicks im Internet», sagt Paoli. Gerade ein Thurgauer würde wohl kaum im Internet nach Bioprodukten suchen, da er bereits weiss, bei welchem Bauern er diese selber einkaufen kann. Auch für die Kategorie Bauen und Wohnen wurde laut Studie die Google-Methode angewendet.

Diejenigen Kantone, die am meisten auf Solarzellen, klimafreundliche Heizsysteme oder zertifizierte Möbel setzen, schneiden am besten ab. Der Thurgau befindet sich im hinteren Mittelfeld auf Platz 17. Doch das kann laut Andrea Paoli definitiv nicht stimmen. «Der Thurgau hat nämlich schweizweit die höchste Einsparung an CO2-Emissionen pro Kopf.» Das bestätigt auch das Bundesamt für Energie. Dasselbe gelte für den energieschonenden Minergiebau und die Gebäudesanierung. «Da ist der Thurgau Weltmeister.»

Studie ist nicht belastbar

Weiter untersucht die Studie die Bereiche Mobilität und Transport. Dafür sind ausschliesslich Zahlen der Zürich-Versicherung und des Bundes ausgewertet worden. Bei der Energieeffizienz der Autos schneidet der Thurgau im interkantonalen Vergleich äusserst schlecht ab, denn er belegt den letzten Platz.

Beim CO2-Ausstoss der Autos ist der Thurgau hingegen etwas weiter oben – nämlich auf dem 16. Platz im hinteren Mittelfeld. Einen Rang besser klassiert ist er bei den Autos, die mit umweltfreundlichem Elektro-, Gas oder Hybridantrieb – Kombination von Benzin und Strom – angetrieben werden. Am besten ist der Thurgau bei den E-Bikes unterwegs, wo er gemäss Anzahl abgeschlossener Versicherungen auf dem 14. Platz rangiert. «Dieser Teil der Studie hat noch eher Hand und Fuss, da die Zürich-Versicherung auf eigene Daten zugreift», sagt Paoli.

Es sei aber fraglich, ob deren Kundenstamm wirklich homogen sei, denn im Thurgau gebe es vielleicht mehr Kunden der AXA Winterthur als von der Zürich-Versicherung. «Die Studie ist insgesamt nicht belastbar.»

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