Kleines Dorf, grosses Potenzial

BRAUNAU. Eine Tochtergesellschaft der Genfer Stadtwerke will oberhalb von Braunau einen Windpark errichten. Die Messungen seien vielversprechend, heisst es. Genaue Daten gibt es aber noch nicht. Im Dorf sind die Meinungen geteilt.

Silvan Meile
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90 Meter hoch ist der Windmessturm auf der Oberen Heid, Braunau. (Bild: Reto Martin)

90 Meter hoch ist der Windmessturm auf der Oberen Heid, Braunau. (Bild: Reto Martin)

Der 90 Meter hohe Windmessmast auf dem Hügelkamm oberhalb Braunau ist ein Gesprächsthema. «Ich werde auf der Strasse regelmässig gefragt, ob es was Neues gibt», sagt Gemeindepräsident David Zimmermann. Wie eine riesige Antenne ragt die schmale Konstruktion in den Himmel. Zimmermann erstaunt es nicht, dass sich ein Standort in seiner Gemeinde für die Nutzung von Windenergie eignen könnte. Der gebürtige Braunauer weiss: Auch wenn im Dorf kein Lüftchen spürbar ist, dort oben beim Windmessmast bläst es oft. «Wir nennen es Oberluft», sagt Zimmermann. An den schwankenden Baumkronen sei jeweils erkennbar, dass in luftiger Höhe ein Wind geht.

150 Meter hohe Windräder

Seit vergangenem Herbst erhebt die Westschweizer Energiefirma Ennova, eine Tochtergesellschaft der Genfer Stadtwerke, mit dem Masten in der Oberen Heid Daten aus Windmessungen. Wie stark und vor allem wie konstant der Wind über Braunau bläst, interessiert die Energiefirma. Sie untersucht, ob das kleine Dorf grosses Potenzial als Standort für einen Windpark hat. «Fünf bis sieben Windräder bieten sich in Braunau an», sagt Jean-Luc Zanasco, Direktor von Ennova. Bis zu 150 Meter hoch sind sie. Noch wolle seine Firma das komplette Jahr an gemessenen Winden abwarten, bevor Resultate verraten werden, sagt Zanasco. Gegen Ende Jahr werde man zuerst die Gemeinde Braunau über die Erkenntnisse aus den Messungen informieren.

Ein vielversprechender Standort

Von den Verantwortlichen habe er schon länger nichts mehr gehört, sagt Gemeindepräsident Zimmermann. Doch die letzten Meldungen der Westschweizer seien positiv gewesen. Die Messergebnisse seien «sehr vielversprechend», hätten die Windenergie-Fachleute gesagt. Sie seien sogar überrascht, wie gut der Standort sei.

Im Dorf seien die Meinungen geteilt. Es gebe positive wie auch negative Stimmen zum möglichen Windpark. Einige Braunauer befürchten Lärm durch die Windräder im sonst ruhigen Dorf, andere sind sich bewusst, dass sie einen Beitrag zur Energiewende leisten müssen. An den Anblick der drehenden Windräder müssten sich wohl alle Braunauer erst einmal gewöhnen. Das gilt aber auch für die Bewohner der umliegenden Orte, die teilweise noch besser an den Hügelkamm sehen als die Braunauer selber. Finanziell profitieren würde aber wohl nur Braunau, falls tatsächlich auf ihrem Gemeindegebiet Strom aus Windkraft produziert wird. Für den Steuerzahler wäre etwa eine günstigere Stromrechnung denkbar, sagt Zimmermann.

Doch der Weg zu einem Windpark in Braunau ist noch ein weiter. «Anpassungen im kantonalen Richtplan und dem kommunalen Zonenplan wären nötig», sagt Zimmermann. Braunauer oder auch Umweltverbände könnten Einsprache erheben. Der Gemeindepräsident zeigt sich zudem unsicher, ob der Spielraum seiner Gemeinde in der Diskussion um einen allfälligen Windpark zur künftigen Energiebeschaffung tatsächlich genug gross sein wird, falls Braunau im Zeichen der Energiestrategie 2050 auch vom Bund als idealer Standort für Alternativenergie entdeckt wird.

Auch der Kanton spürt den Wind

Auch frühere Messungen des Kantons Thurgau ergaben, dass Braunau neben den Orten Salen-Reutenen, Thundorf, Eschlikon und Ottenberg für Windparks geeignet sein könnte. Ein Potenzial von bis zu 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs im ganzen Kanton könnte demnach einst mit Windenergie abgedeckt werden. «Das Thema Windenergie wird deshalb auch an der nächsten Wega von uns genau vorgestellt», verrät Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie. Noch ist aber in der Ostschweiz kein Windpark gebaut. Braunau wäre der erste.

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