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Kleiner Käfer, grosse Gefahr

In Sirnach haben Kinder einen Citrusbockkäfer entdeckt. Es handelt sich dabei um einen asiatischen Schädling, der über hundert Laubbaumarten befallen kann und sich rasch vermehrt. Der Kanton spannt Spürhunde ein, um nach weiteren Käfern zu suchen.
Tanja von Arx
Der asiatische Citrusbockkäfer: Gross und gepunktet. Für Mensch und Tier ungefährlich, aber für Laubbäume ein ernst zu nehmender Schädling. (Bild: Wikipedia)

Der asiatische Citrusbockkäfer: Gross und gepunktet. Für Mensch und Tier ungefährlich, aber für Laubbäume ein ernst zu nehmender Schädling. (Bild: Wikipedia)

SIRNACH. Ein ungewöhnlicher Fund an einem gewöhnlichen Spätsommertag. In der Sirnacher Untermatt entdeckten Kinder beim Spielen im Garten einen auffälligen Käfer: gross wie ihre Hand, glänzend schwarz mit weissen Punkten auf den Flügeln und langen Fühlern. Die Mutter der Kinder fing das Tier in einem Konfitüreglas und meldete es – nachdem sie sich darüber im Internet schlau gemacht hatte – beim Pflanzenschutzdienst des Kantons Thurgau.

Die Larven fressen das Holz

«Es handelt sich um einen Citrusbockkäfer», sagt Hermann Brenner, Leiter des kantonalen Pflanzenschutzdienstes, «ein gefährlicher Schädling.» Der asiatische Käfer, kurz CLB genannt, befällt über hundert Laubbaumarten, darunter Ahorn, Platanen, Birken, aber auch Bonsaipflanzen, weiter Rosen und verschiedene Obstbäume. Die weiblichen Tiere legen ihre Eier am Stamm oder an den Wurzeln der Bäume ab, wo Larven daraus schlüpfen. Diese dringen während ihrer Wachstumsphase ins Holz ein und fressen darin grosse Gänge. So stirbt der Baum innert weniger Jahre ab.

«Eine grössere Katastrophe»

Brenner vom Pflanzenschutzdienst meldete die aussergewöhnliche Entdeckung Ende August gleich der Gemeinde. «Wir sind darüber erschrocken», sagt Peter Rüesch, Gemeindeschreiber von Sirnach, «wir leben in einer waldreichen Gegend, der Wald ist ein wichtiges Naherholungsgebiet.» Er befürchtet: «Wenn sich der Citrusbockkäfer ausbreitet, gibt es eine grössere Katastrophe.»

Um diese zu verhindern, lohne sich jeder Aufwand. Der Vorschlag des Kantons, zu diesem Zweck Suchhunde einzusetzen, stiess in Sirnach deshalb auf Wohlwollen. Bei der Anoplophora Spürhunde Schweiz sind Hunde darauf trainiert, speziell die asiatischen Käfer mittels Geruchs aufzuspüren. «Labradore und Schäfer haben eine ausgeprägte Nase», sagt Daniel Hagemeier, Spürhundeführer bei der Organisation. «Sie riechen ein Vielfaches besser als der Mensch.»

Um die Fundstelle definierte der kantonale Pflanzenschutz mit dem Bund einen Bereich von einem Quadratkilometer. «Wir haben alle Hauseigentümer und Mieter darin angeschrieben und gebeten, den Suchhunden und den Führern Zugang zu den Grundstücken zu gewähren», sagt Gemeindeschreiber Rüesch. Zweierteams von Spürhundeführern mit je einem Hund gingen auf die Suche nach dem Schädling. «Bei unterschiedlichen Wetterverhältnissen kontrollieren wir mindestens zweimal und sichern so die Resultate», sagt Hagemeier.

Letzten Mittwoch hätte die erste Suchaktion stattgefunden, heute starte die nächste. «Wir haben bisher keinen weiteren Käfer gefunden», sagt der Spürhundeführer. Das sei ein positives Zeichen. «Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der CLB ausbreitet, sinkt mit jedem Tag.» Denn es braucht mehrere Tiere, damit sich diese vermehren und eine Population aufbauen können. Ausschliessen, dass das passiert, können das die Fachleute zu diesem Zeitpunkt aber nicht. «Man weiss nicht, ob es sich bei dem einen Fund um ein begattetes Weibchen handelt. In diesem Fall könnte sich die Tierart fortpflanzen», so Hagemeier.

Erst zwei Funde in der Schweiz

Ernst Fürst vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst – der Kanton informierte diesen als dritte Stelle – sagt: «Es gingen bis jetzt schweizweit zwei weitere Meldungen zum CLB ein.» Das zeigt, dass es sich in der Untermatt um einen aussergewöhnlichen Fund handelt. 2006 fanden Kinder eine Larve und einen Käfer im Kanton Aargau, letztes Jahr eine Larve im Kanton Zürich.

«Es ist leicht, den Citrusbockkäfer mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer ALB zu verwechseln», sagt der Spürhundeführer Hagemeier. Dieser hat sich in der Schweiz ausgebreitet und beschädigt Bäume in Winterthur, im freiburgischen Marly und im nahe gelegenen Brünisried. «Die beiden Käferarten sind verwandt», sagt Hagemeier und betont: «Sie befallen keine Tiere oder Menschen, sondern ausschliesslich Holzarten.»

Suche bis Ende Oktober

Wie der Käfer nach Sirnach gelangte, ist bislang unklar. Die Experten vermuten aber, dass er mit einem Pflanzenimport der Baumschule nahe der Untermatt in die Gemeinde kam. Die Suche nach den CLB läuft noch bis Ende Oktober. «Wenn die Bevölkerung und die Spürhunde bis dahin keine weiteren Tiere entdecken, besteht keine Gefahr durch den Käfer», sagt Hermann Brenner vom kantonalen Pflanzenschutzdienst.

Wer eine Larve oder einen Käfer – in Gärten, auf Grünflächen, Parkanlagen, in Feld und Wald – sichtet, ist gebeten, den Pflanzenschutzdienst (071 663 31 40) oder das Forstamt des Kantons Thurgau (058 345 62 94) zu informieren.

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