Kleine trotzen den Grossen

Die Aussteller werden immer professioneller – oft stehen an den Ständen mehrere Verkäufer. Wer sich einen Weg durch die Menschenmassen bahnt und die Augen offen hält, findet aber auch kleine, aussergewöhnliche Stände.

Alessia Pagani
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Am «kleinsten Stand an der Olma» können sich Besucher aus der Hand lesen lassen. (Bilder: Michel Canonica)

Am «kleinsten Stand an der Olma» können sich Besucher aus der Hand lesen lassen. (Bilder: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Das Gedränge ist gross, die Ausstellungsfläche klein, der Standort dennoch günstig. Hier rechts vom Eingang der Halle 1.2 wird der Stand kaum übersehen. Dennoch herrscht wenig Betrieb, der Aussteller wartet geduldig auf Kundschaft. Rote Trennwände, ein Tischchen, ein Stuhl, ein Plakat, vier aus Papier ausgeschnittene Hände und drei elektronische Geräte, das ist alles, was Christian Simon für seinen Olma-Auftritt braucht.

Der 50-Jährige liest mit Hilfe eines Computerprogramms den Besuchern aus der Hand. Er beschäftigt sich mit ihren Venusgürteln, den Lebens- und Sonnenlinien. «Das hat nichts mit Wahrsagen zu tun», sagt der gebürtige Deutsche mit Wohnsitz in Rorschach. Es gehe vielmehr darum, Stärken und Schwächen herauszufinden. «Fähigkeiten, Charaktereigenschaften und Talente werden so sichtbar.» Simon liest seit mehr als 20 Jahren aus den Handflächen der Olma-Besucher. «Hier ist es super, Menschen aus der ganzen Schweiz kommen an die Messe. Man kennt sich.» Sein Stand sieht seit jeher gleich aus. «Es ist mit Sicherheit der kleinste und aussergewöhnlichste Stand an der Olma», behauptet Simon.

Schnelles Mundwerk

Anderswo wischen Hände über einen Spiegel und eine Fensterscheibe. Unter der Treppe in der Halle 2.0 bleiben immer wieder Menschen stehen und betrachten diese Szene. «Die lästigen Kreisbewegungen gehören ab sofort der Vergangenheit an», preist ein junger Mann am Mikrophon seine Reinigungsutensilien an. Der 23-Jährige aus Hannover nimmt eine Dose mit Haarspray und sprüht den Inhalt auf die eben gereinigte Glasscheibe. «Das kann ja mal vorkommen», sagt er und fixiert mit seinem Blick dabei vor allem die weiblichen Zuhörerinnen. Die Anwesenden schauen gebannt zu, wie die Flecken mit einem Wisch wieder verschwinden. Ein Passant meldet sich zu Wort: «Ich habe im vergangenen Jahr solche Tücher gekauft.» «Und, waren Sie zufrieden?», fragt der junge Verkäufer direkt. «Natürlich, sonst hätte ich sie wieder zurückgebracht», sagt der Mann. Der Satz zaubert den Anwesenden ein Lächeln auf das Gesicht. Auch er schaut dem Treiben noch eine Weile zu.

«Hier in der Schweiz sind die Menschen nicht so kauffreudig», sagt der 21-Jährige, nachdem er seine Show beendet hat. Seit fünf Jahren bietet der Hannoveraner die Tücher einer deutschen Firma auf der Olma an. «Sie sollten mich mal in Deutschland bei der Arbeit sehen, da geht alles noch schneller.»

Feilschen nach dem Testen

Gerard Pardo hat seinen Stand vor der Halle 3.0 bezogen. In gebrochenem Deutsch preist der quirlige Mann aus dem Welschland seine WC-Bürsten an. Dafür reichen ihm ein Zeltpavillon und zwei Regale. «Schauen Sie her, meine Damen, mit dieser neuen Bürste geht das WC-Putzen viel einfacher. Sie ist mindestens 60 Jahre haltbar.» An einer normalen WC-Bürste zeigt er die Unterschiede. Die Anwesenden testen das Produkt an einer Demonstrationstoilette. Dann beginnt das Handeln um einen fairen Preis.

Alles zur Olma auf www.tagblatt/olma

WC-Bürsten in allen Farben werden auf dem Freigelände angeboten. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

WC-Bürsten in allen Farben werden auf dem Freigelände angeboten. (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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