Kleine Igel in der Todesfalle

KREUZLINGEN. Am Boden liegende Netze und Zäune bedeuten für Igel eine grosse Gefahr. Tierschützer finden vermehrt verhedderte Stacheltiere. Auffangstation für derlei Verunfallte ist die Igelstation Kreuzlingen. Dort werden derzeit viele unterernährte Jungtiere aufgepäppelt.

Daniela Ebinger
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Igelstation Kreuzlingen: Roschi Schmitz mit zwei kleinen Igeln. (Bild: Daniela Ebinger)

Igelstation Kreuzlingen: Roschi Schmitz mit zwei kleinen Igeln. (Bild: Daniela Ebinger)

Ein Igel lag stark verheddert in einem Rebnetz. Der Hund von Barbara Heuberger fand das Tier auf einem Spaziergang entlang der Rebberge in Triboltingen. Er blieb stehen und schnupperte am Stacheltier. Nur mit Mühe konnte die Spaziergängerin den Igel mit einer Schere von den Nylonfäden befreien. Sie brachte den Igel direkt zum Tierarzt nach Ermatingen.

Bei der Tierärztin Yvonne Ruckstuhl landen jedes Jahr zwei bis drei verletzte Igel, die sich in Rebnetzen oder Zäunen verfangen haben. «Mit einer Kurznarkose kontrollieren wir, ob alle Fremdteile entfernt sind und können dabei die Verletzungen gut behandeln», sagt Ruckstuhl. Die Tiere werden danach in der Igelstation Kreuzlingen bis zur vollständigen Genesung gepflegt. Leider komme es auch immer wieder vor, dass Tiere ihren Verletzungen erliegen. «Dem Igel aus Triboltingen geht es nicht schlecht», sagt Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen. Bis die Schwellung am ganzen Körper abgeklungen sei, brauche es seine Zeit.

Viele unterernährte Jungtiere

In der Igelstation landen momentan ausgesprochen viele Jungtiere. «Zum Teil bringen sie nicht mal 100 Gramm auf die Waage», sagt Schmitz. Ein ausgewachsenes Tier kann rund 1800 Gramm wiegen. «Die zu kleinen Igel benötigen so kurz vor der kalten Jahreszeit zusätzliches Futter», sagt die Expertin. Igel begeben sich zur Überbrückung der nahrungsarmen Jahreszeit in einen Winterschlaf. Dafür müssen sie sich ein gutes Fettpolster als Energiespeicher zulegen. Bis zum Frühling können sie bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichtes verlieren.

Auch in der Igelstation Rheinfelden bei Anje Girlich werden zurzeit viele Jungtiere aufgepäppelt. «Das ist momentan überall so», sagt die Fachfrau. Auch sie empfiehlt auffällige Tiere, die tagsüber umherirren, sehr klein oder verletzt sind, umgehend zum Tierarzt zu bringen. Auch könne jederzeit eine Igelstation angerufen werden.

Man sollte Igel aber keinesfalls selber pflegen. «Es ist verboten, Wildtiere zu halten», sagt Roschi Schmitz. Wenn die Tiere fit genug sind, wildern die Igelstationen sie wieder aus. «Erwachsene Tiere kommen immer an den Fundort zurück, denn Igel sind sehr ortsbezogen», sagt Schmitz.

Garten nicht völlig abräumen

Die kleinen Jungtiere seien eine Folge des harten Winters, gefolgt von einem ungewöhnlich nassen und kalten Frühling, sagt Bernhard Bader von Pro Igel. Igelmütter bekommen ihren zweiten Wurf viel später als in normalen Jahren. Pro Igel rät, wilde Ecken im Garten nicht abzuräumen, viel Laub liegen zu lassen oder wenigstens zu grossen Haufen aufzuschichten.