Klares Profil für Evangelische Landeskirche

WEINFELDEN. Die Evangelische Synode hat in Weinfelden über die neue Kirchenordnung beraten. Dabei sprach sich eine klare Mehrheit für die Wiedereinführung des Thurgauer Bekenntnisses von 1874 aus.

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Dass die Revision der bald 35jährigen Kirchenordnung kein Facelifting, sondern umfassende Erneuerung bezweckt, zeigt sich schon am zeitintensiven und personell breit abgestützten Entstehungsprozess. Dabei soll gemäss Kommissionspräsident Hansruedi Vetsch mit der total revidierten Kirchenordnung ein brauchbares Regelwerk entstehen, das «ordnet» und folglich Ausnahmen nur in ganz begründeten Fällen vorsieht.

Theologisch fundiert

Im Gegensatz zur Verfassung, die den äusseren Aufbau und das Verhältnis Staat-Kirche definiert, befasst sich die Kirchenordnung damit, wie Kirche lebt und wirkt. Die lebhafte Diskussion machte deutlich, dass dabei um den kleinsten gemeinsamen Nenner gerungen wird. Schliesslich geht es darum, ein klares, landeskirchliches Profil mit theologisch fundiertem Hintergrund herauszuarbeiten und dies mit der grösstmöglichen Gemeindeautonomie unter einen Hut zu bringen.

Bekenntnisfrage

Schon die Frage, ob neu ein Glaubensbekenntnis als Präambel vorangestellt wird, und ob dies das «Thurgauer Bekenntnis» sein soll, wie es die Synode ausgehend vom Apostolikumsstreit im Jahr 1874 formuliert hatte, sorgte für Kontroverse. Während die geltende Kirchenordnung kein ausformuliertes Glaubensbekenntnis kennt, schlägt dies der Kirchenrat und die Kommission neu vor. Dafür plädierte auch Brigitte Hascher, Hüttlingen: «Das Thurgauer Bekenntnis ist eine wertvolle Basis. Sie stärkt und gibt Halt, ohne einzuengen.» Ihr Antrag wurde mit überwältigendem Mehr angenommen.

Nur evangelisch im Namen

Die Diskussion um die einheitliche Namensgebung von Landeskirche und Kirchgemeinden entwickelte sich zur Diskussion um Gemeindeautonomie. Roland Zuberbühler, Sirnach, beantragte «mit Rücksicht auf das reformatorische Erbe», dass sich Kirchgemeinden auch als evangelisch-reformiert bezeichnen dürfen. Sowohl aus historischer Sicht wie auch im Hinblick auf die Öffnung für evangelische Migranten nichtreformierter Prägung, macht sich der Kirchenrat für die weiter gefasste Konfessionsbezeichnung evangelisch stark. Auch wenn die Thurgauer Landeskirche die einzige Evangelische Landeskirche in der Schweiz ist, die sich nicht reformiert nennt, wie Peter Sauder, Warth Weiningen, bemerkte.

Angesichts der engagierten Diskussion, lehnte die Thurgauer Synode den Antrag Zuberbühler mit unerwartet deutlichem Resultat ab. Die Konfessionsbezeichnung der Landeskirchen und ihrer Kirchgemeinden lautet evangelisch.

Zum Aufnahmeverfahren von Nichtmitgliedern, die bereits im Kanton Thurgau wohnen, entschied die Synode mit 56 zu 34 Stimmen, dass das Aufnahmegesuch in Übereinstimmung zur Austrittserklärung schriftlich erfolgen muss, einer angemessenen Einführung bedarf und eines Entscheids der Vorsteherschaft. (pd)